Interview mit den Schauspielerinnen der Vagina Monologe 2003 - Aviva - Berlin Online Magazin und Informationsportal für Frauen aviva-berlin.de Kultur



AVIVA-BERLIN.de im September 2021 - Beitrag vom 01.03.2003


Interview mit den Schauspielerinnen der Vagina Monologe 2003
AVIVA Redaktion

Die Rollen haben keine Namen. Verschiedene Frauen aus verschiedenen Milieus sprechen zu verschiedenen Zeiten ihres Lebens. Hier erzählen sie, was sie an dem Stück reizt




AVIVA-Berlin: Was reizt euch an diesem Stück? Was fordert euch daran heraus im Gegensatz zu anderen Stücken?

Rosa Enskat: Vorneweg hat mich der Text gar nicht gereizt. In der Arbeit hat mich gefesselt, aus diesem Text etwas zu machen, was nicht peinlich wird, was nicht moralisch wird, also die Umsetzung von so einer Art von Text ins Theater, ob das geht, ob man das machen kann, ob das Leute sehen wollen.
Der Text an sich mutete für mich altbacken an, hat aber während der Arbeit ganz viel Stoff für Diskussionen gegeben und für Auseinandersetzungen, wie ich sie sonst im Theater selten erlebe.

Barbara Spitz: Ich muss ehrlich sagen: ich fand und finde nach wie vor die Texte an für sich ziemlich grauenhaft.
Was ich erstaunlich finde, ist die Gesamtwirkung, und wie das dann durch die Vorstellung rüberspringt. Das fasziniert mich unendlich, weil das Ganze eine Kraft hat, und ich fühle mich immer wieder bestätigt, dass das Ganze sehr wohl ein wichtiger Abend ist.

Verena Peter: Ich habe sehr viele klassische Rollen und Stücke im Theater gespielt. Was mich hier fasziniert - aber auch erst seitdem wir es vor Publikum spielen - ist zu spüren, dass die Leute etwas wissen wollen und dass wir ihnen etwas sagen.
Es ist nicht so, dass man sagt, das ist Luxus, man kann da hingehen oder halt nicht, sondern man merkt, die Leute wollen wirklich etwas erfahren. Ich fand es schön, dass man mal etwas zu sagen hat, was die Leute wirklich wissen wollen.

Dominique Chiout: Zum Teil sprechen wir Dinge aus, die bestimmte Frauen erlebt haben, oder Gefühle, die sie haben. Das habe ich so noch nicht erlebt. Es ist so eine Befreiung, eine Art Sprachrohr zu sein für die Leute, die bestimmte Sachen nicht sagen können. Und dass Frauen damit leben können, dass sie sich für bestimmte Sachen schämen, bestimmte Erfahrungen und Gefühle haben, die ihnen so gar nicht bewusst waren.
Ich finde es jetzt abermals komisch bei der Wiederaufnahme der Vagina-Monologe:
Ich glaube wir schämen uns wieder alle. Das kann ich für mich sagen, mir ist es auf ein Mal wieder total peinlich. Aber anscheinend hat es doch eine Wirkung und einen Sinn. Der Abend wird offenbar auch gebraucht. Es ist toll, so etwas zu spielen.


Kultur

Beitrag vom 01.03.2003

AVIVA-Redaktion