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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 20.04.2003

Ich habe ein Quatsch-Buch geschrieben, eines, das am├╝sieren soll
Natasa Konopitzky

Ein Interview mit Jenni Zylka, Ex-Comedian, freie Journalistin und Autorin von "1000 neue Dinge, die man bei Schwerelosigkeit tun kann"



Am 2. Mai 2003 erscheint ihr Erstlingswerk bei Rowohlt: "1000 neue Dinge, die man bei Schwerelosigkeit tun kann". Eine leichte Lekt├╝re ├╝ber eine selbstbewusste Frau im besten Alter namens Judith, die nachts als Text-Redakteurin arbeitet, von einem Radio Moderator tr├Ąumt, gerne albern ist und keine Beziehung braucht um gl├╝cklich zu sein.

AVIVA-Berlin: Ist Dein Buch eine Message gegen das typische Singlesein?
Jenni Zylka: Wenn man das so sagen will, ja. Ich wollte die Geschichte nicht so enden lassen: Judith findet ihren Traummann, der kommt dann und k├╝sst sie. So wie sie ist, braucht sie nicht unbedingt einen. Warum sollte man als Single nicht gl├╝cklich sein? Freunde sind wichtiger als eine Beziehung, sie sind wie Familie. Mein Buch soll konterkarieren, dass Frauen ungl├╝cklich und immer auf der Suche sind. Ich kenne auch Frauen, die sagen: Langsam glaube ich, keiner will mich. So eine dumme Schei├če. Judith verdr├Ąngt Dinge, sie kann sich nicht dagegen wehren, was von allen Seiten auf sie hereinprasselt. Ich hatte keine Lust, ein Buch zu schreiben, in dem die Liebesgeschichte im Vordergrund steht. Das nervt mich ganz oft bei bestimmten Frauenb├╝chern. Man erf├Ąhrt nichts ├╝ber die Frau, au├čer, dass sie einen Mann sucht. Alles sonst l├Ąuft nebenbei. Es geht im Leben nicht nur um Beziehungen. Es gibt genug andere Dinge, die einen gl├╝cklich oder ungl├╝cklich machen k├Ânnen. Es ist nicht alles nur ich und du.

AVIVA-Berlin: Was steckt von Dir in Judith?
Jenni Zylka: Mir f├Ąllt es leichter, Dinge zu schreiben, die ich selbst erlebt habe. Deswegen habe ich die Geschichte auch in einer Szene angesiedelt, die ich kenne. Ich wollte nicht, dass man sagt: die Frau gibt`s nicht, den Beruf gibt`s nicht.
Man sollte sich vorstellen k├Ânnen, mit der Frau befreundet zu sein.
Das ist eine ganz Nette, glaube ich. Judith lebt jetzt, man erf├Ąhrt wenig ├╝ber ihre Vergangenheit, sie will sich nicht st├Ąndig mit sich selbst besch├Ąftigen. Dieses Frauenthema nervt mich auch oft. So eine sollte sie nicht sein. Sie sollte ├╝ber alle Sachen nachdenken, nicht nur ├╝ber sich selbst. Ich finde es sehr schwer, etwas Trauriges zu schreiben, etwas Lustiges f├Ąllt mir leichter, habe ja auch Comedy gemacht. Ich habe ein Quatsch-Buch geschrieben, eines das am├╝sieren soll. Wenn ich Gl├╝ck habe, konnte ich dieser Szene eine Stimme geben, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass man das Buch noch in hundert Jahren liest. Also, bestimmt kein weltbewegendes Werk.

AVIVA-Berlin: Das Buch hei├čt "1000 neue Dinge, die man bei Schwerelosigkeit tun kann". Wieso Schwerelosigkeit?
Jenni Zylka: Der Titel ist geklaut, von Douglas Addams "Per Anhalter durch die Galaxis". Als Teenie fand ich, dass das die lustigsten B├╝cher der Welt sind. Und hab mir gedacht, falls ich einmal ein Buch schreiben sollte, dann m├╝sste es das Buch zu diesem Titel sein. 1000 neue Dinge, das passt gut zu Judith. Sie ├╝berlegt sich immer irgendeinen Quatsch, mit dem sie sich die Zeit vertreibt. Und Schwerelosigkeit: Judith hat eine Zeitlang einfach ein schwereloses Leben. Inhaltlich passt es einfach gut. Zumindest sollte es ein Buch sein zu diesem Titel.

AVIVA-Berlin: Du siehst Dich selbst nicht als Schriftstellerin, hast Du denn vor noch ein zweites Buch zu schreiben?
Jenni Zylka: Ich schreibe gerade ein zweites Buch, weil der Verlag gesagt hat: Schreib doch noch ein Zweites. Eigentlich habe ich schon alles gesagt, was ich sagen wollte. Aber dann hatte ich eine total gute Idee. Eine Fake-Biographie ├╝ber eine Instrumente-Surf-Frauenband. Ich wollte selbst vor 8 Jahren eine gr├╝nden, das ist aber total schwer, Frauen wollen immer singen.



Jenni Zylka
1000 neue Dinge, die man bei Schwerelosigkeit tun kann
Rowohlt Taschenbuch Verlag, Mai 2003
ISBN: 3-499-23405-X
7,90
192 Seiten, kartoniert .

Kultur Beitrag vom 20.04.2003 AVIVA-Redaktion 





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