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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 25.05.2003

Long Walk Home. Regie: Phillip Noyce
Natasa Konopitzky

Neun Wochen Fu√ümarsch durch die australische W√ľste. Drei Aboriginal-M√§dchen auf der Flucht vor der wei√üen Rassenpolitik...



Der Film erzählt die wahre Geschichte von Molly, Daisy und Gracie.
Die drei Aboriginal - Mischlinge werden 1931 in Jigalong, Westaustralien mit Gewalt und den Worten "this is the law" ihren M√ľttern entrissen. Im Moon River Camp sollen sie in den "Genuss" christlicher Religion und westlicher Erziehung kommen. "Bad place, bad people", urteilt die 14j√§hrige Molly √ľber das Erziehungslager. Die M√§dchen fl√ľchten. Ein fast auswegloses Unterfangen, denn fast 2.000 km und die australische W√ľste trennen sie von zu Hause. Chief Protector Mr. Neville, gespielt von Kenneth Branagh, schickt ihnen einen Spurenleser auf die F√§hrte, alarmiert die Polizei und Zivilbev√∂lkerung. Seine Reputation steht auf dem Spiel und schlie√ülich wurden bis jetzt noch alle Ausrei√üer geschnappt. Mit viel Gl√ľck und dem scharfen Verstand von Molly gelingt es ihnen, so weit zu kommen, wie noch keine anderen Lager-Entflohenen vor ihnen. Vollkommen orientierungslos und ohne Nahrung irren die drei M√§dchen in der W√ľste herum. Doch da gibt es einen Zaun, der durch ganz Westaustralien l√§uft und das Farmland vor Kaninchen sch√ľtzt. Dieser Zaun k√∂nnte sie nach Hause f√ľhren ...

"Long Walk Home " zeigt ein völlig unaufgearbeitetes Kapitel der australischen Geschichte: 1905 begann Australien, Aboriginal-Mischlinge von ihren Eltern zu trennen, um sie in speziellen Heimen zu englisch sprechenden Hausangestellten oder Farmarbeitern zu erziehen. Diese Rassenpolitik wurde bis hinauf in die 70iger Jahre (!) verfolgt. 1997 wurde zwar ein Regierungsbericht zu diesem Thema vorgelegt, doch eine Entschuldigung der australische Regierung steht bis heute aus.

Absolutes Highlight des Films ist die beeindruckende schauspielerische Leistung von Everlyn Sampi, Darstellerin der Molly. Kenneth Branagh entt√§uscht: Er wirkt, als k√∂nne er sich von seinen Shakespeare-Rollen nicht l√∂sen und stellt den b√∂sen Mr. Neville v√∂llig √ľberzogen dar. Als ob die Weite und Endlosigkeit der australischen Landschaft ohne √ľberdramatisierte Sounds nicht genug zur Geltung k√§me, dr√§ngt sich die Filmmusik von Peter Gabriel oft viel zu dominant in den Vordergrund.

Der Film - basierend auf dem Buch "Follow the Rabbit-Proof Fence"
von Doris Pilkington Garamara (Tochter von Molly) - lebt von der ergreifenden wahren Geschichte und der Thematisierung einer grausamen Rassenpolitik.
Der Film selbst bleibt als eher durchschnittlich hinter der au√üergew√∂hnlichen Geschichte zur√ľck. Gut gemeint, aber platt anklagend, leistet die Regiearbeit von Phillip Noyce zwar einen Beitrag zur Auseinandersetzung mit der "Stolen Generation" Australiens, hinterl√§sst aber abgesehen davon keinen nachhaltigen Eindruck.



Long Walk Home
Australien 2002, 94 min., 35 mm, OmU
Regie: Phillip Noyce
DarstellerInnen: Kenneth Branagh, Everlyn Sampi, Tianna Sansbury, Laura Monaghan, u.a.
Originalsoundtrack von Peter Gabriel
Im Arsenal Filmverleih (Verleih durch Central Film)
Bundesstart: 29. Mai 2003

Kultur Beitrag vom 25.05.2003 AVIVA-Redaktion 





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