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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 16.02.2006

Mur - Mauer
Daniela Krebs

Simone Bittons Dokumentarfilm betrachtet die vergehende Schönheit des Landes Israel durch den Bau der Mauer und zeigt eindrucksvoll die GefĂŒhle und EindrĂŒcke der betroffenen Menschen.



Die israelische Pazifistin und Dokumentarfilmerin Simone Bitton kĂ€mpft mit den Mitteln des Films fĂŒr ihre Überzeugungen. In einem frĂŒheren Film, "LÂŽAttentat" (Das Attentat, 1998), kritisierte sie die gewaltsamen Kampfformen des palĂ€stinensischen Widerstands. Sie dokumentierte die Situation in Jerusalem nach einem palĂ€stinensischen Selbstmordattentat, erlebte die Trauer der israelischen Opfer-Familien mit, besuchte aber auch die Familien der palĂ€stinensischen SelbstmordattentĂ€ter.

In dem Dokumentarfilm "Mauer" geht sie auf die israelische Politik des Mauerbaus zwischen Israel und den besetzten Gebieten ein. Sie begleitet in Wort und Bild den Beginn und die Entwicklung der Arbeiten an der Mauer. Simone Bitton geht mit ihrer Kamera auf die Straße und beobachtet, fragt Menschen nach ihren GefĂŒhlen und Meinungen. Sie redet sowohl mit enteigneten palĂ€stinensischen Bauern, israelischen SiedlerInnen, resignierten KibbuzbewohnerInnen, als auch mit den irakischen Bauarbeitern und dem Betonfabrikanten.

Die Autorin Simone Bitton ist selbst im Film nicht zu sehen. Ihre Stimme ist stets nur aus dem Off zu hören. Teilweise werden auch ihre GesprĂ€chspartnerInnen nicht im Bild gezeigt, da sie sich vor Repressionen fĂŒrchten.

Der Abteilungsleiter im israelischen Verteidigungsministerium beschreibt alle Details und Raffinessen des riesigen Bauprojekts. Er erzĂ€hlt von den technischen und finanziellen HintergrĂŒnden und wirkt selbst begeistert davon, wie durchkonstruiert der Bau ist. Er zĂ€hlt die verschiedenen Sicherungsmaßnahmen auf, das Zusammenspiel der verschiedenen Kameras, elektrischen Sensoren und Radaren.

Nicht so optimistisch spricht ein israelischer Siedler vom Mauerbau. Er erzÀhlt eine Geschichte, die sich vor einigen Monaten ereignet hatte: Zwei kleine israelische Kinder spielten in einem See, der zwischen dem israelischen und einem palÀstinensischem Dorf liegt. Als ein palÀstinensischer Anwohner beobachtete, dass die Kinder Probleme hatten, wieder ans Ufer zu kommen und drohten, zu ertrinken, rettete er die beiden, ertrank dabei jedoch selbst.
Der israelische Siedler wollte daraufhin eine AnnÀherung zwischen den beiden Dörfern erreichen, um dem Mann ihren Dank und ihre Anerkennung zukommen zu lassen. Doch durch den Beginn der Intifada wurde diese AnnÀherung zunichte gemacht.

Visuell bleibt der Film stets an der Mauer. Er begleitet sie und beinhaltet sie als durchgehendes Motiv. In etlichen Fahrten entlang der Mauer erkennt mensch die Dimensionen des riesigen Bauwerks und erlebt die scheinbare Undurchdringbarkeit unmittelbar mit.

Am Ende des Films steigen Menschen ĂŒber die Mauer und reichen Babys ĂŒber den Stacheldraht. Diese Schlussszene symbolisiert Simone Bittons Hoffnung, dass die menschliche Freiheit nicht einengbar ist und sich stets doch einen Weg durch die Grenze sucht.

2004 bekam Simone Bitton fĂŒr "Mauer" den Großen Preis des Dokumentarfilm-Festivals in Marseille, den Preis fĂŒr den besten Dokumentarfilm beim Festival Jerusalem 2004 und den Spezialpreis der Jury beim Sundance Film Festival 2004.

Der Dokumentarfilm geht leider nicht auf den "Erfolg" des Mauerbaus ein, da er dessen Vollendung zeitlich nicht mehr mitverfolgt. So wird bei all den Schicksalen ĂŒbersehen, dass die Mauer tatsĂ€chlich die Anzahl der Selbstmordattentate gegen Israelis gesenkt hat. Der Film behandelt nur die Frage, wie die AnwohnerInnen mit dem Bau der Mauer umgehen und wie sie sich dadurch fĂŒhlen. Die Auswirkungen und Ziele, bzw. alternative Möglichkeiten, den Konflikt zu lösen, werden nicht angeboten.

Über die Autorin:
Simone Bitton
bezeichnet sich selbst als arabische JĂŒdin. Sie wurde 1955 in Marokko geboren und siedelte mit ihrer Familie 1966 nach Jerusalem ĂŒber. Als Soldatin der israelischen Armee beteiligte sie sich am Yom-Kippur-Krieg (1973). Nach diesen militĂ€rischen Erfahrungen kehrte sie dem Militarismus den RĂŒcken und wurde zur pazifistischen Filmemacherin. Sie lebt seit langem in Paris.

AVIVA-Tipp: Ein sehr ruhiger und nachdenklicher Film, der der Zuschauerin noch viel Zeit zum Nachdenken lÀsst. Beeindruckend und aussagekrÀftig, ein PlÀdoyer, Grenzen und Mauern nicht zu akzeptieren.
Der Konflikt um den Bau der Mauer wird nicht aggressiv angegangen, sondern sanft eingefĂŒhrt und anhand einiger betroffener Menschen gefĂŒhlvoll verdeutlicht. Simone Bitton zeigt die Mauer als eine Grenze, die von beiden Seiten als störend wahrgenommen wird. Eine Grenze, die Menschen einzuengen und abzugrenzen versucht und es doch nicht schafft, individuelle Freiheit auszuschließen.



Mauer
Ein Film von Simone Bitton

96 Minuten
Frankreich/ Israel 2005
Sprache: arabisch / hebrÀisch, mit deutschem Untertitel
Regie, Idee: Simone Bitton
Musik: Jaques Bouquin
60 Minuten Extras
VÖ: 25. November 200590008115&artiId=5156537"


Kultur Beitrag vom 16.02.2006 AVIVA-Redaktion 





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