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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 21.06.2003

Birgit Urmson
Kirsten Eisenberg

Birgit Urmson, Autorin des Romans "Germaine" antwortete auf unsere "Ausgelesen" - Fragen



AVIVA: Was lesen Sie zur Zeit und warum?
Birgit Urmson:
Ich lese gerade "Berlin Alexanderplatz" von Döblin. Erstens, weil ich gerade hier in Berlin bin, zweitens aber auch, weil ich im Herbst an der Universität in Berkeley einen Kurs unterrichten werde über öffentliche Kunst, und da möchte ich das Berlin der 20er Jahre reinbringen. Deshalb lese ich das Buch, obwohl es mir sehr weh tut, der arme Franz Bieberkopf...

AVIVA: Auf welche Neuerscheinung von welchem Autor/ welcher Autorin sind Sie gespannt?
Birgit Urmson:
Ich lasse mich da eigentlich ziemlich treiben. Ich gehe bei uns in den Buchladen, lese, und dann spricht mich irgendetwas plötzlich an. Und manche Dinge lassen mich kalt und im nächsten Jahr interessieren sie mich plötzlich brennend.

AVIVA: Welches Buch würden Sie niemals verborgen?
Birgit Urmson:
Ja, auf diese Weise ist mir schon viel verloren gegangen...Ich sage oft: "Nimm das mit, das ist so toll...". Nein eigentlich - ich habe kein antiquarisches Objekt, das so wertvoll wäre, dass ich es nicht verleihen würde. Ich muss immer Goethegedichte im Hause haben! Mmh.. Ich muss mich besser vorbereiten auf diese Fragen!

AVIVA: Vielleicht ist es ja einfach grundsätzlich so, dass Sie gerne Bücher verleihen!
Birgit Urmson:
Ja, weil ich die Eindrücke des Gelesenen weitergeben will.

AVIVA: Wenn Sie heute 1 Million Euro bekommen würden, welches Projekt verwirklichten Sie dann?
Birgit Urmson:
Ich würde in ein Kunstzentrum für autistische Menschen investieren. (Sie ist Mutter eines autistischen Sohnes. Anm. d. Red.)

AVIVA: Sie engagieren sich auch jetzt schon für behinderte Menschen, was machen Sie da genau?
Birgit Urmson:
Es interessiert mich einfach, Begabungen, besonders von Menschen mit geistiger Behinderung, zu fördern. Ich habe einen Musiktherapeuten gefunden und angestellt und würde auch gerne Feldenkrais und Tanzprogramme entwickeln.
Menschen, die in Rollstühlen sitzen, können sehr gut für sich kämpfen, Geistig Behinderte können das nicht, insbesondere Autisten nicht. Dabei sind sie oft ganz begabte Menschen, und das möchte ich nach außen bringen, das ist mir ein großes Anliegen.

AVIVA: Wer ist für Sie der absolute Shootingstar in der Kultur weltweit und wen halten Sie für unterschätzt?
Birgit Urmson:
Ich denke da nicht an eine bestimmte Person. Es gibt viele Menschen, die begabt und charismatisch sind. Ich würde auch nicht sagen, dass der Bekanntheitsgrad im Verhältnis zur Qualität eines Künstlers steht. Ich kenne einen klassischen Musiker in Südfrankreich, der sieben Kinder hat, und übt, und spielt - er ist ein wunderbarer Musiker, liebt die Musik, und solche Leute bewundere ich. Ich bin nicht so sehr auf bestimmte Personen konzentriert, ich eile nie irgendwo hin, "weil man das hören muss". Ganz selten ist das der Fall. Jojo Maar, der große Cellist, ist enorm liebenswert und bemüht sich um das Verständnis für die Musik. Vor ihm habe ich große Achtung. Aber ich würde auch nicht rennen, nur weil er irgendwo ist.

Kultur Beitrag vom 21.06.2003 AVIVA-Redaktion 





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