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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 26.04.2006

We feed the world
Tatjana Zilg

Warum werden in der EU Lebensmittel weggeworfen, w√§hrend weltweit eine Gro√üzahl an Menschen verhungern muss? Ein Dokumentarfilm √ľber Sinn und Unsinn in der Nahrungsmittelproduktion



"Also so was w√ľrde ich nicht essen.
Wir sagen: es ist nicht zum Essen, es ist nur zum Verkaufen."

Philippe Cleuziou, Fischer (Bretagne, Frankreich)

Quantit√§t vor Qualit√§t - diese Regel scheint die modernen Erzeugungsmethoden f√ľr Lebensmittel zu beherrschen.
Die Senkung des Marktpreises, um mit der Konkurrenz mithalten zu k√∂nnen, fordert dies. Aber bei der Betrachtung der Bilder des Filmes von Erwin Wagenhofer erweist sich dies als Trugschluss. Grundnahrungsmittel werden weggeworfen. In Wien wird t√§glich die Menge an noch genie√übaren Backwaren in den M√ľll entsorgt, mit der die gesamte Bev√∂lkerung der Stadt Graz ern√§hrt werden k√∂nnte. Die Massenproduktion geht auf Kosten des Geschmackes und der Nahrhaftigkeit. Nicht nur der frische Fisch der kleinen Fangboote schmeckt wesentlich besser als der von den Riesenschiffen, die mit Gro√ünetzen ihren Fang √ľber 10 Stunden durch das Tiefwasser zerren. Auch die Umstellung auf Hybridanbau in Rum√§nien ist zweifelhaft, das Gem√ľse sieht besser aus, aber ist weit vom urspr√ľnglichen Geschmack entfernt wie auch die Tomaten aus der gr√∂√üten Gew√§chshausanlage in Almeria/S√ľdspanien.

"Die Weltlandwirtschaft könnte ohne Problem 12 Milliarden Menschen ernähren. Das heißt, ein Kind, das heute an Hunger stirbt, wird ermordet."
Jean Ziegler, UN-Sonderberichterstatter f√ľr das Recht auf Nahrung

Brasilien ist eines der wichtigsten Agraranbaul√§nder der Erde, und dennoch ist das Land von Armut und Hunger in den unteren Bev√∂lkerungsschichten beherrscht, denn der Regenwald wird vor allem f√ľr den Sojaanbau gerodet, dessen Ertrag exportiert wird.

Erwin Wagenhofer hat sich auf die Suche nach den Hintergr√ľnden der Probleme in der Nahrungsmittelkette gemacht. In √Ėsterreich, Frankreich, Spanien, Rum√§nien, Brasilien fand er Menschen, die jeweils zu einem spezifischen Teilbereich ihre Beobachtungen und ihren Missfallen schildern - da ist beispielsweise ein Fischer in Frankreich, der die EU-Richtlinien zum Fischfang hinterfragt, und der Produktionsleiter von Pioneer Rum√§nien, der die Nachteile der Einf√ľhrung des Hybridanbaus in der dortigen Landwirtschaft beschreibt.
Roter Faden ist ein Interview mit Jean Ziegler, UN-Sonderberichterstatter f√ľr das Recht auf Nahrung, der sehr engagiert √ľber die Missst√§nde in der Weltern√§hrung erz√§hlt.

"Dieses Wasser hier ist nicht gut, aber wir trinken es. Die Kinder bekommen manchmal Fieber davon. Es kommt viel Schmutz ins Wasser, wir wissen gar nicht, was alles hineinkommt."
José Maxiliamo de Souza, Kleinbauer (Pernambuco, Brasilien)

"Wasser ist ein Lebensmittel und so wie jedes andere Lebensmittel sollte das einen Marktwert haben."
Peter Brabeck, Konzernchef Nestlé International (Genf, Schweiz)

Durch ein abschlie√üendes Interview mit dem h√∂chsten Manager eines der gr√∂√üten Lebensmittelproduzenten erhalten die ZuschauerInnen Gelegenheit, das zuvor Erfahrene mit den g√§ngigen Denkmechanismen der Marktwirtschaftsgl√§ubigen in Verbindung zu setzen und auf Widerspr√ľchlichkeiten zu hinterfragen.

AVIVA-Tipp: Eindrucksvoller Dokumentarfilm, der in verst√§ndlicher Weise √ľber eines der wichtigsten Themen der Welt informiert.


We Feed The World
√Ėsterreich 2005, 96 Minuten
Regie: Erwin Wagenhofer
Regieassistenz: Lisa Ganser
Drehbuch: Helmut Grasser
Mit Jean Ziegler, Vincent José Puhl, Philippe Cleuziou, Karl Otrok, Peter Brabeck
Kinostart: 27.4.2006
Verleih: Delphi Filmverleih

Der Film im Web: www.we-feed-the-world.at


Kultur Beitrag vom 26.04.2006 AVIVA-Redaktion 





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