Erich K├Ąstner┬┤s Fabian - im Maxim Gorki Theater ohne Moralisten - Aviva - Berlin Online Magazin und Informationsportal für Frauen aviva-berlin.de Kultur
AVIVA-Berlin .
.
P
R
.
.

Frauensommer 2018 - Mythos 68 WOHNE LIEBER UNGEW├ľHNLICH
AVIVA-Berlin > Kultur AVIVA-Newsletter bestellen
AVIVA-Berlin auf Facebook AVIVA-Berlin auf twitter
   Aviva - Home
   Veranstaltungen in Berlin
   Women + Work
   Public Affairs
   Kultur
   Kultur live
   Kino
   DVDs
   Veranstaltungen in Berlin
   J├╝disches Leben
   Interviews
   Literatur
   Music
   Sport
   E-cards
   Gewinnspiele
   Werben bei uns
   About us
   Frauennetze
 


Happy Birthday AVIVA




AVIVA wishes you a happy and peaceful New Year 2018




Aviva-Berlin.de

Versatel






 



AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 23.09.2003

Erich K├Ąstner┬┤s Fabian - im Maxim Gorki Theater ohne Moralisten
Gaby Miericke-Rubbert

Von einem Projekt, was auszog, ein Theaterst├╝ck zu werden



Um es gleich vorweg zu nehmen, dieses Projekt hat sein Ziel leider verfehlt, es bleibt unvollendet, in Fragmente gesplittet.

Bereits das erste Bild ist ziemlich r├Ątselhaft. Auf der leeren B├╝hne schweben altbackene Bl├╝mchenkleider rauf und runter. Was will uns der Projektleiter damit sagen?

Fragment 1: Es erscheinen ein gutes Dutzend Schauspieler mit grauen St├╝hlen und platzieren sich anl├Ą├člich einer bevorstehenden Lesung in einer Reihe frontal zum Publikum. Da wird Absurdes, Skurriles, Absonderliches zitiert aus renommierten bis zweifelhaften Magazinen und Zeitschriften ├╝ber denkende Friedhofserde, sexuellen Mi├čbrauch eines Mannes durch einen Wels oder Sushi-G├Ąnse als kulinarischer Hit.

Fragment 2: Die Szenerie verwandelt sich in ein Eheanbahnungsinstitut, wo Dr. Jakob Fabian als neuer Kunde begr├╝├čt wird. Ein schmales, sch├╝chternes M├Ąnnchen, gefundenes Fressen f├╝r eine Sexfurie, die ihn sogleich im wahrsten Sinne des Wortes mit Haut und Haaren, T-Shirt inclusive, vernaschen m├Âchte. Ann├Ąherungsversuche erw├╝nscht nach allen Regeln des Instituts.

Fragment 3: Eine Redaktionssitzung, wo die Journalisten erst mal Gute-Laune-Dr├Âhnung aus Plastikschl├Ąuchen inhalieren m├╝ssen, um anschlie├čend ihre Leserschaft mit sch├Ângef├Ąrbten positiven Schlagzeilenmanipulationen zu versorgen. Optimismus ist Pflicht, empfiehlt der Kanzler.

Fragment 4: Mitarbeiterversammlung eines Zigarettenherstellers. Der Chef gibt neue k├Ąmpferische Parolen aus: Dem Negativimage mu├č entgegengewirkt werden, Raucher haben die Verpflichtung, gegen ihre Verfolgung und Diskriminierung in den Widerstand zu gehen. Giftstoffe sollen als Vornamen f├╝r Babies gesponsort werden. Ein Hoch dem Kettenraucher!

Foto: Iko FreeseDiese ersten Fragmente, wie auch alle folgenden, f├╝gen sich nicht zu einem Gesamtkunstwerk. Als der 32-j├Ąhrige Germanist Fabian, seines Zeichens Moralist und Mutters├Âhnchen, in einem Brief an seine Mutter erw├Ąhnt, dass er als Werbetexter f├╝r die Zigarettenindustrie arbeitet, wird zum ersten Mal ein direkter Bezug zu K├Ąstners Stoff hergestellt und es entwickelt sich langsam eine Rahmenhandlung.

Bei der Begegnung mit Fabians Freund Labude wird die Titelfigur erstmals n├Ąher charakterisiert, ein Mensch ohne Lebensziel, ein zarter Ironiker, der auf den Sieg der Anst├Ąndigkeit wartet, ein Moralist, der eher das Leben hilflos beobachtet, als zu versuchen, es zu leben oder gar zu ├Ąndern. Und der letztendlich auch an der Schlechtigkeit der Welt scheitert. Seine Freundin opfert ihre Liebe der Karriere, er verliert seinen Job, sein Freund bringt sich aufgrund eines mi├čg├╝nstigen Witzes um. Und er selbst verliert das Leben, als er das eines anderen retten will. Weil er vergessen hat, dass er nicht schwimmen kann.

Bei K├Ąstner ist Fabian der Antiheld in einer satirisch zugespitzten Welt aus Verbrechen, Elend und L├╝ge. Aber trotz Karikatur und rabenschwarzer ├ťberzeichnung entsteht ein mahnendes Panorama der 30-er Jahre. Dem Projektleiter ist der Transfer in das Hier und Jetzt nicht gelungen, bei Meyerhoff wird die heutige Zeit bis zur Unkenntlichkeit zerst├╝ckelt, es entsteht kein Bild von Gesellschaft, schon gar nicht von der, in der wir leben. Ein Zusammenklauben von zum Teil kreativen, beachtenswerten Regieeinf├Ąllen macht noch lange kein Zeitkolorit. Und aus K├Ąstners Zyniker Fabian ist ein larmoyantes Mutters├Âhnchen geworden.

Auf der B├╝hne taucht die Frage auf: "Gibt es ein Leben nach dem Tode? Nein, mu├č alles vor dem Tod erledigt werden!" Das Projekt h├Ątte auch vor der Premiere beendet werden m├╝ssen!




Erich K├Ąstner
Fabian

Ein Projekt von Joachim Meyerhoff
Regie: Joachim Meyerhoff
B├╝hne: Olaf Grambow
Kost├╝me: Sabine Volz
DarstellerInnen: Fabian Kr├╝ger, Hans-Jochen Wagner, Katrin Hylla, Francesca Tappa, Bettina Hoppe,
Monika Lennartz, Monika Hetterle, Marcus Mislin, Thomas Bischofberger u.a.
Maxim Gorki Theater
Am Festungsgraben 2
10117 Berlin-Mitte
Karten unter: 030- 20221 341
www.gorki.de

Kultur Beitrag vom 23.09.2003 AVIVA-Redaktion 





  © AVIVA-Berlin 2018 
zum Seitenanfang suche sitemap impressum datenschutz home Seite weiterempfehlenSeite drucken