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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 24.12.2003

Das Verborgene Museum. Eine Retrospektive der Malerin Lotte Laserstein
Sabine Grunwald

"Meine einzige Wirklichkeit". Im Museum Ephraim-Palais sind noch bis zum 1. Februar 2004 die Bilder der j├╝dischen Malerin Lotte Laserstein zu bewunde



Meine einzige Wirklichkeit
"Wirklichkeit? Das ist und war mir die Arbeit, seit ich Kind war.
Mein Leben wurde in zwei fast gleich gro├če Teile geteilt: Kindheit, Jugend, Ausbildung, die erste selbst├Ąndige Arbeit und der Weggang aus Deutschland. Ein neuer m├╝hsamer Start in Schweden. H├Ątte ich nicht meine eigene Wirklichkeit im Malkasten gehabt, diesem kleinen K├Âfferchen, das mich von Skane ├╝ber Stockholm bis nach J├Ąmtland f├╝hrte, so h├Ątte ich die Jahre nicht durchstehen k├Ânnen, in denen mir alles genommen wurde: Familie, Freunde und Heimat. Einen Teil davon fand ich dank meiner einzigen Wirklichkeit zur├╝ck."
(Lotte Laserstein, 1981)

Diese 1. deutsche Retrospektive der Malerin Lotte Laserstein zeigt rund 150 Gem├Ąlde, Zeichnungen und Druckgraphiken. Die Bilder der Berliner Jahre sind im 2. Obergeschoss zu sehen. Ihre Auftragsarbeiten, die im schwedischen Exil entstanden, werden an ausgew├Ąhlten Beispielen im 3. OG pr├Ąsentiert. Zahlreiche Photographien und pers├Ânliche Dokumente aus dem Nachla├č sind ebenfalls ausgestellt.
Die Werkschau ist chronologisch geordnet und beginnt mit ihrer akademischen Ausbildung. Sie geh├Ârte zur ersten K├╝nstlerinnengeneration, der ein Studium an der Akademie erlaubt war.
Ihre fr├╝hen Bilder sind ganz im realistischen Stil gemalt und lassen den Zeitgeist der 20er Jahre kaum erahnen. Eine besondere Bedeutung kommt ihren Frontalbildnissen zu. Diese auf Gesicht und Schulteransatz konzentrierten Portraits entstanden in den sp├Ąten 20er Jahren, wo eine derart radikale Nahsicht ungew├Âhnlich war. Wohl war das Stilmittel aus der Photographie als sogenanntes "close up" bekannt.
Trotz der Nahsicht bleiben ihre dargestellten Menschen seltsam fern. Gerade dieses Spannungsverh├Ąltnis zwischen N├Ąhe und Distanz verleiht ihren Bildern eine gro├če Pr├Ąsenz.
Die Darstellung von Menschen traf den Nerv ihrer Zeit. In ihren Gem├Ąlden zeigt. Lotte Laserstein Typen der Zeit: die Emanzipierte, Kokette, Sportlerin, Mond├Ąne.
Doch verschwindet bei ihr der Mensch nicht hinter dem Rollenstereotyp.

Ihre weiblichen Akte erregten beim Publikum der sp├Ąten 20er und fr├╝hen 30er Jahre Aufsehen. F├╝r die Darstellung der nackten Frau stand ihr ausschlie├člich ihre Freundin Traute Rose Modell. Die Bilder sind lebensnah, realistisch und gleichzeitig sinnlich.

Eines ihrer Hauptwerke "Abend ├╝ber Potsdam" (1930), mit seinem melancholischen Realismus hat geradezu einen symbolhaft-vision├Ąren Charakter.
In den 30er Jahren unternahm sie mit ihren Malsch├╝lerInnen Studienreisen aufs Land. Hier entstanden Bilder der einheimischen Bev├Âlkerung und erstmals Landschaftsbilder.
Als sich ihre berufliche Situation nach 1933 immer mehr verschlechterte, und sie sich nur noch schwer Arbeitsmaterialien beschaffen konnte, perfektionierte sie die ├ľl-auf-Papier-Technik.

Lotte Laserstein | Tennisspielerin, 1929 rn├ľl auf Leinwand, 110 x 95,5 cm, Privatbesitz Gro├čbritannien

Eine Ausstellung in der Stockholmer Galerie "Moderne" erm├Âglichte es ihr, 1937 Deutschland zu verlassen. Als Portraitistin konnte sie auch dort zwar von ihrer Kunst leben, aber die Auftragsmalerei unterminierte ihre sch├Âpferische Kreativit├Ąt. Die Landschaftsmalerei, der sie sich in Schweden verst├Ąrkt widmete, lie├č ihr wieder mehr k├╝nstlerische Freiheiten.
Die Kunst war f├╝r Lotte Laserstein Selbstverwirklichung und Rettung. Die Malerei gab ihr in Zeiten der Erfolglosigkeit Halt und Best├Ątigung. Sie war ihr Anker und Trost, ihre Heimat und einzige Wirklichkeit.

Lotte Laserstein (1898-1993), wurde in Preu├čisch-Holland (Ostpreu├čen) geboren. 1921-27 studierte sie an der Berliner Kunstakademie, an der erstmals seit 1919 Frauen zugelassen waren. Von 1925-27 Meistersch├╝lerin bei Erich Wolfsfeld. Ihr erstes eigenes Atelier hatte sie in Berlin-Wilmersdorf, in der Friedrichsruher Str. 33a, zeitgleich Gr├╝ndung einer privaten Malschule. In den folgenden 5 Jahren nahm sie an zahlreichen Ausstellungen und Wettbewerben teil. 1935 erh├Ąlt die Malerin Berufsverbot und ist als Kunstlehrerin an einer j├╝dischen Privatschule t├Ątig. Ausstellungen d├╝rfen nur noch im Rahmen des J├╝dischen Kulturbundes stattfinden. 1937 emigriert sie nach Schweden, Stockholm und stellt erfolgreich in der Galerie "Moderne" aus. Mit der Portrait Malerei verdient sie ihren Unterhalt. 1938, nach einer Scheinheirat mit Sven Marcus, erh├Ąlt sie die schwedische Staatsb├╝rgerschaft. Vergeblich versucht sie, ihre Mutter und Schwester mit Lebensgef├Ąhrtin aus Nazi-Deutschland herauszuholen. Ihre Mutter stirbt im KZ Ravensbr├╝ck, die Schwester ├╝berlebt 3 Jahre versteckt in einem Erdloch.
1954 Umzug nach Kalmar/Smaland, in der Hoffnung auf bessere berufliche Chancen. In den sp├Ąten 50er und 60er Jahren ausgedehnte Reisen nach Frankreich, Italien und Spanien, Schweiz und in die USA.
Lotte Laserstein wird nach einer Ausstellung bei Agnew┬┤s und The Belgrave Gallery in London international wieder entdeckt.
Am 21.1.1993 stirbt Lotte Laserstein 94j├Ąhrig in Kalmar.

W├Ąhrend die K├╝nstlerin in der englischsprachigen Welt l├Ąngst als eine der gro├čen Realistinnen des 20. Jahrhunderts gew├╝rdigt wird, gilt es, sie in Deutschland erst noch einer breiteren ├ľffentlichkeit bekannt zu machen.


Eine Ausstellung des Vereins Das Verborgene Museum in Zusammenarbeit mit der Stiftung Stadtmuseum Berlin
Museum Ephraim-Palais
Poststra├če 16
10178 Berlin
Dauer der Ausstellung: bis 1.Februar 2004
Dienstags - sonntags 10-18.00 Uhr
Geschlossen am 24 + 31.12. 2003
Eintritt: 3 Euro, erm. 1,50 Euro
www.stadtmuseum.de

Kultur Beitrag vom 24.12.2003 Sabine Grunwald 





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