OSAMA. Der Film, den es bis jetzt nicht geben konnte - Aviva - Berlin Online Magazin und Informationsportal für Frauen aviva-berlin.de Kultur
AVIVA-Berlin .
.
P
R
.
.

Frauensommer 2018 - Mythos 68 WOHNE LIEBER UNGEW√ĖHNLICH
AVIVA-Berlin > Kultur AVIVA-Newsletter bestellen
AVIVA-Berlin auf Facebook AVIVA-Berlin auf twitter
   Aviva - Home
   Veranstaltungen in Berlin
   Women + Work
   Public Affairs
   Kultur
   Kultur live
   Kino
   DVDs
   Veranstaltungen in Berlin
   J√ľdisches Leben
   Interviews
   Literatur
   Music
   Sport
   E-cards
   Gewinnspiele
   Werben bei uns
   About us
   Frauennetze
 


Happy Birthday AVIVA




AVIVA wishes you a happy and peaceful New Year 2018




Aviva-Berlin.de

Versatel






 



AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 11.01.2004

OSAMA. Der Film, den es bis jetzt nicht geben konnte
Iris Wegner

Der erste afghanische Spielfilm nach dem Ende der Taliban-Herrschaft. Siddiq Barmak, Regisseur und Drehbuchautor, erzählt die bewegende Geschichte eines Mädchens in Kabul, der Hauptstadt Afghanistans



Nach der Macht√ľbernahme durch die Taliban stehen in Afghanistan tausende von Witwen und alleinstehende Frauen vor einem un√ľberwindlichen Problem: Wie sollen sie ihren Lebensunterhalt verdienen, wenn sie nur in Begleitung m√§nnlicher Verwandter das Haus verlassen d√ľrfen?
In Kabul wird ein ausländischer Reporter Zeuge einer Massendemonstration afghanischer Frauen gegen das neue Regime. "Wir sind nicht politisch, wir haben Hunger" steht auf ihren Transparenten.
Die Demonstration wird brutal niedergeschlagen. Viele Frauen und der Reporter werden verhaftet.

Eine Mutter beschlie√üt, ihre 12 j√§hrige Tochter als Sohn zu verkleiden. Als Junge muss das M√§dchen die Familie ern√§hren, lebt in st√§ndiger Furcht vor Entdeckung. Sie arbeitet f√ľr einen Milchmann, der mit dem im Krieg gefallenen Vater der Familie befreundet war. Er wei√ü von der Verkleidung und begibt sich in Lebensgefahr, um sie zu sch√ľtzen.

Die Taliban holen das M√§dchen gemeinsam mit allen anderen Jungen in die Koranschule. Espandi, der gemeinsam mit ihr und ihrer Mutter w√§hrend der Frauendemonstration gefl√ľchtet war, erkennt sie trotz ihrer Verkleidung wieder und hilft, ihr Geheimnis zu wahren. Er gibt ihr den Namen Osama und zeigt ihr, wie sie sich als Junge verhalten muss.
Doch Osama fällt auf. Sie wird wegen Feigheit öffentlich bloß gestellt und bestraft. Dabei entdeckt ein alter Mullah, dass sie ein Mädchen ist. Sie wird als Verräterin ins Gefängnis geworfen, wo bereits unzählige andere Frauen auf ihre Verurteilung warten.

Beim √∂ffentlichen Prozess wird sie Zeugin, wie die Todesurteile an dem ausl√§ndischen Reporter sowie einer westlichen √Ąrztin vollstreckt werden. Sie selbst wird dazu verurteilt, den alten Mullah, der sie in der Koranschule enttarnt hat, zu heiraten. Sein Hochzeitsgeschenk ist ein Vorh√§ngeschloss.

In seiner poetischen Sprache macht der Film den physischen und psychischen Terror sp√ľrbar, dem Frauen unter dem extremistischen Regime ausgesetzt waren. Dabei vermeidet Barmak allerdings jede Schwarz-Wei√ü-Malerei und zeigt, dass auch M√§nner von dem Regime unterdr√ľckt und instrumentalisiert wurden.

Dieser Film hat einen Atem, den Atem der Angst - die Angst dieses 12 jährigen Mädchens. Nur in wenigen Momenten, wo sie ihren Kopf in den Schoß der Großmutter legen darf und von ihr in den Schlaf gestreichelt wird, lässt diese Angst ein wenig nach. Doch diese Momente haben bald ein Ende, denn nach der öffentlichen Bestrafung in der Koranschule, bei der sie an den Armen in das Loch eines Brunnens gehängt wird, sieht sie ihre Familie nie wieder.

In Barmaks Film spielen nur Laiendarsteller, die der Regisseur fast ausschlie√ülich von der Stra√üe aufgelesen hat. "Die Menschen in meinem Film spielen nicht nur, sie k√∂nnen auf eigene Erfahrungen zur√ľckgreifen. So wurde Marinas (das M√§dchen, Anm.d. Red.) Vater von den Taliban zum Kr√ľppel geschlagen.".
"Mein Film ist eine Hommage an die Geduld der Afghanen, die so viel Leid erfahren haben. Der Preis gilt ihrem Widerstand und ihrer unzerstörbaren Hoffnung auf die Zukunft"
meint der Regisseur, dessen Film von der Camera-d¬īOr-Jury in Cannes 2003 lobend erw√§hnt wurde und den Preis der franz√∂sischen Arthouse-Kinos 2003 bekam. Barmak selbst erhielt die Fellini-Medaille der UNESCO.




OSAMA
Regie und Drehbuchautor: Siddiq Barmak
DarstellerInnen: Marina Golbahari, Mohmmad Nadre Khwaja, Mohmmad Arif Herati, Zubaida Sahar, Hamida Refah, Gul Rahaman Ghorbandi, Mohmmad Nabi Nawa.
Dauer: 83 Minuten
Kinostart: 15.01.2004
Afghanistan, Irland, Japan 2003
www.osama-derfilm.de

Kultur Beitrag vom 11.01.2004 AVIVA-Redaktion 





  © AVIVA-Berlin 2018 
zum Seitenanfang suche sitemap impressum datenschutz home Seite weiterempfehlenSeite drucken