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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 14.01.2004

Lies Lust Art & Fashion - eine Ausstellung zu Mode und Kunst
Sabine Grunwald

Kleider haben Signalwirkung, sie betonen unsere Individualit√§t oder verstecken sie hinter einem Dresscode - mit diesem Ph√§nomen setzen sich K√ľnstlerInnen im Podewil vom 10. - 24. 1. 2004 auseinander



Kleidung bestimmt unser Leben und ist Teil unserer Identität. Egal was man trägt, die persönliche Bekleidung sendet Signale aus, die je nach Herkunft, persönlicher Vorlieben oder aktuellem Anlass von der Umgebung unterschiedlich akzeptiert werden.

Die Verbindung von Kunst und Mode wird f√ľr viele K√ľnstlerInnen zunehmend interessant. Die Ausstellung "Lies Lust Art & Fashion", kuratiert von dem israelischen K√ľnstler Dodi Reifenberg, hat wie die Mode - ein pers√∂nliches und gleichzeitig ein √∂ffentliches Gesicht.
21 Werke von internationalen K√ľnstlerInnen - die in einer Gruppenausstellung und sechs Einzelinstallationen pr√§sentiert werden, belegen diese Aussage.
Teilweise wurden die Einzelinstallationen speziell f√ľr diese Ausstellung produziert. Eine davon ist die Video - und Disco - Installation von Ana Laura Al√°ez. In der die Wahrheit der L√ľge, die Verzweiflung des Verlangens und die Einsamkeit durch pers√∂nliche Darstellung repr√§sentiert wird.
Tanja Ury verbindet in ihrer Fotografiearbeit Texte mit Bildern. Die Fotos sind eine Annäherung an die Modefotografie, in der Jugend und Schönheit ikonisiert werden.
In der Video-Performance "K√∂lnisch Wasser" setzt sie sich mit ihrem j√ľdischen Erbe auseinander. 4711 ist das "Markenzeichen" der Stadt, aus der ihre Eltern fl√ľchten mussten. Sie konfrontiert durch Tattoos mit der Aussage: "Niemand j√ľdischen Glaubens darf mit einer T√§towierung auf einem j√ľdischen Friedhof begraben werden." Ihre Arbeiten handeln von pr√§historischen Assoziationen des Geruchssinns und setzen sich mit der Sterblichkeit und der Illusion des k√∂rperlichen Vergn√ľgens auseinander.
Lily Poran benutzt pure Materialien als Grundlage ihrer Arbeit. Ihre neun Schuhe und Sandalen, bestehen aus Rohstoffen (Holz, Pflanzen, Erde, Fasern, Schafwolle, Trockenfr√ľchte, alte orientalische Stoffe etc.), die sie in der N√§he ihres Hauses in Israel gefunden hat. Die Objekte, deren urspr√ľngliches Material durch Natur ersetzt ist, scheinen befremdlich und doch seltsam vertraut.
Lucy Ortas Installation "Connector Mobile Village iX" l√§sst sich mit dem Etikett "Sozialplastik" oder "Umwelt-Skulptur" beschreiben. Aus ihrer Arbeit spricht ihr soziales Bewusstsein, ihre Haltung zur Mode ist eher als subversiv zu beschreiben. Ihre Gewebe erinnern an Astronautenanz√ľge.
Susie Freeman und Liz Lee (eine √Ąrztin) arbeiten zusammen mit dem Videok√ľnstler David Critchley. Ihre Gruppe nennt sich Pharmacopeia. Ausgestellt sind kostbar erscheinende Roben, die mit Antibabypillen oder Zigarettenstummeln dekoriert sind. Einerseits geht es um die Kontrolle die in den Entwicklungsl√§ndern ausge√ľbt wird und andererseits darum wie Wissenschaft und Medien die westliche Welt bestimmen.
Ein weiterer Augenschmaus, die luxuri√∂sen Gew√§nder und Taschen von Georges-Pascal Ricordeau, sind allesamt aus Plastikt√ľten gearbeitet. Er ist eng mit der Pariser Modewelt verbunden und thematisiert mit seiner Materialwahl Fragen der Umwelt und die globale menschliche Situation.
Die Objekte von Amit Epstein in "JEWellery" assoziieren lebensbedrohliche Gefahr.
Sybille Kesslaus "Modell Partykleid" aus Kartoffelchips thematisiert den Widerspruch seiner Erscheinung. Sie schafft hoch √§sthetische Objekte aus den gew√∂hnlichsten Konsumg√ľtern. Einerseits assoziiert ihr Modell Panzerung und Fischschuppen, andererseits ist uns die gro√üe Zerbrechlichkeit des Materials bewusst und reizt zum Essen.
Die beteiligten K√ľnstlerInnen kommen aus 11 verschiedenen L√§ndern und sind zwischen Mitte 20 und Ende 70 Jahre alt.

K√ľnstlerInnen: Ana Laura Al√°ez (E), Jimmi Durham (USA), Amit Epstein (IL), Kristian Hornsleth (DK), Andreas Hofer (BRD), Fabrice Hybert (F), Sybille Kesslau (BRD), Milovan Destil Markovic (SCG), Chris Newman (GB), Erwin Olaf (NL), Lucy Orta (GB), Susie Freeman, Liz Lee &/ David Critchley (GB), Lily Poran (IL), Khalil Rabah (PSE), Jamie Reid (GB), Georges-Pascal Ricordeau (F), Antonio Riello (I), Peter R√∂sel (BRD), Tanya Ury (GB), Olav Westphalen (BRD), Emmett Williams (USA)




Lies, Lust, Art & Fashion
Signale der Kleidung
10 - 24. Januar 2004
√Ėffnungszeiten: 12.00 - 20. 00 Uhr
Eintritt 4 ‚ā¨/2,50 ‚ā¨
Podewil - Zentrum f√ľr aktuelle K√ľnste Berlin
Klosterstraße 68 - 70
10179 Berlin
www.podewil.de

Die Ausstellung läuft zeitgleich zur Berlin Fashion Week 17/18 Januar 2004

Kultur Beitrag vom 14.01.2004 Sabine Grunwald 





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