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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 27.03.2017

Zu guter Letzt. Kinostart 13. April 2017
Hannah Hanemann

OscarpreistrÀgerin Shirley MacLaine und ihre Schauspielkollegin Amanda Seyfried verÀndern ihre Leben gemeinsam zum Besseren in dieser leichtverdaulichen Generationen-Komödie, die als Charakterstudie beginnt, sich aber im vorhersehbaren Plot einer Samstagabend-Unterhaltung verliert.



Der Inhalt ist schnell erzĂ€hlt: Die kratzbĂŒrstige alte Dame Harriet Lauler (Shirley MacLaine) macht sich nach einem fehlgeschlagenen Suizidversuch Sorgen ĂŒber ihren Nachruf. Mit ihrer Schroffheit und ihrem Kontrollzwang hat sie so gut wie jeden Menschen aus ihrem Leben vertrieben und befĂŒrchtet nun, in nicht allzu positiver Erinnerung zu bleiben. Die junge Nachruf-Schreiberin Anne Sherman (Amanda Seyfried) soll das Ă€ndern und eine Lobrede auf sie verfassen. Anne nimmt den Job zwar an, kann bei ihren Recherchen jedoch nicht viel Gutes ĂŒber ihre Auftraggeberin zutage fördern. Im BemĂŒhen, ihrer Biographie nachtrĂ€glich einen freundlicheren Klang zu verleihen, krempelt Harriet daraufhin zusammen mit Anne und der 9-JĂ€hrigen Brenda (Annjewel Lee Dixon), die sie im Rahmen ihres Imagewandels in einem Heim fĂŒr schwer erziehbare Kinder kennenlernt und fortan betreut, ihr Leben um. Diese VerĂ€nderung beinhaltet ein Wiedersehen mit ihrer erwachsenen Tochter Elizabeth (Anne Heche), mit der sie seit Jahren keinen Kontakt mehr hatte, eine Abrechnung mit ihrem alten Arbeitgeber und die ErfĂŒllung ihres Traums, bei einem Radiosender als DJane zu arbeiten.

Patchwork-Freundschaft und ĂŒberschaubare Entwicklungen

Was nach einer seichten (Familien)Komödie mit reichlich konstruierter Handlung klingt, ist leider auch eine. "Zu guter Letzt" (im Original "The Last Word") hat auf seinem Weg zum sehr vorhersehbaren Ende kaum Überraschungen zu bieten. Die Bekehrung Harriet Laulers von der kontrollsĂŒchtigen Egoistin hin zur fĂŒrsorglichen Patin fĂŒr die kleine Brenda und (Groß)Mutterfigur fĂŒr die unsichere Anne vollzieht sich ohne großes emotionales Ringen. Überhaupt ist sie zu Beginn zwar etwas zickig, jedoch weit davon entfernt, tatsĂ€chlich so unausstehlich zu sein, wie es die Beschreibungen ihrer Mitmenschen vermuten lassen. Noch bissigere Kommentare und Provokationen hĂ€tten Harriets Image als weiblicher Ebenezer Scrooge glaubwĂŒrdiger erscheinen lassen und Tempo und Witz des Films verstĂ€rkt. Shirley MacLaine gelingt es dennoch, ihrer Figur Leben einzuhauchen und verströmt mit ihren fast 83 Jahren eine beeindruckende Energie und PrĂ€senz.

Amanda Seyfrieds Charakter Anne Sherman bleibt dagegen etwas blass und eindimensional.Sie verkörpert eine junge Frau, die durch die Begegnung mit Harriet lernt, sich in ihrem Leben zu behaupten und heimlich davon trĂ€umt, Schriftstellerin zu werden. Zwar durchlĂ€uft sie im Laufe des Films eine kleine Entwicklung samt obligatorischer Liebesgeschichte, viel ĂŒber ihr Innenleben erfĂ€hrt die Zuschauerin jedoch nicht.Noch weniger ĂŒber das der stereotyp gezeichneten Brenda, deren Vorgeschichte, WĂŒnsche und individuelle CharakterzĂŒge weitgehend unbeleuchtet bleiben.

Kompromisse trotz kompromissloser Heldin

In AnsĂ€tzen gelingt es dem Regisseur,eine gewisse Melancholie sowie eine filmische SensibilitĂ€t und Tiefe durchblitzen zu lassen, wie etwa zu Anfang des Films, wenn Harriet Laulers Alltag in ihrem großen, leeren Haus gezeigt wird, ihre einsamen Abendessen, der perfekt zurechtgestutzte, aber leblose Garten, ihre teuren Kosmetikutensilien aus einer anderen Zeit.
Zudem sind Harriets scharfzĂŒngige Kommentare und Dialoge mit anderen kurzweilig und amĂŒsant, etwa, wenn sie ihre Abneigung gegenĂŒber Kompromissen kund tut:
"Ein Kompromiss bedeutet, dass hinterher zwei Menschen unzufrieden sind statt einem".

Leider hat sich der Filmemacher dieses Diktum nicht zu Herzen genommen. FĂŒr anspruchsvolle Zuschauer*innen ist der Film zu durchschaubar und oberflĂ€chlich, fĂŒr Familien mit Kindern zu ruhig und zu ernst. HĂ€tte er sich mehr auf die kleinen, melancholischen Momente oder den zynischen Wortwitz seiner Protagonistin konzentriert, statt auf seichte Situationskomik und kitschige Lebensweisheiten, wĂ€re ein emotional ergreifenderes Werk dabei herausgekommen. Denn Shirley MacLaines Harriet ist eine unterhaltsame Figur, der mensch gerne lĂ€nger zusehen wĂŒrde - nur eben im Rahmen eines anderen Plots.TatsĂ€chlich schein es ein wenig, als habe der Drehbuchautor Dickens "Weihnachtsgeschichte" und die Tragik-Komödie "Das beste kommt zum Schluss" in einen Topf geworfen und einmal krĂ€ftig umgerĂŒhrt. Das Ergebnis ist ein Film ohne Ecken und Kanten, dem ein bissen mehr Risikobereitschaft und weniger altbekannte Motive gut getan hĂ€tten.

AVIVA-Tipp: "Zu guter Letzt" ist ein etwas zahm geratener Feel-Good-Movie mit melancholischen Untertönen. Shirley MacLaines Performance ĂŒberzeugt, kann die dĂŒnne Handlung jedoch nicht aufwiegen. Seine anrĂŒhrenden und witzigen Momente hat der Film aber dennoch.

Zu den Schauspielerinnen:

Shirley MacLaine wurde 1934 in Richmond, Virginia, geboren. Nachdem sie Anfang der 1950er Jahre zunĂ€chst als Schauspielerin und TĂ€nzerin am Broadway arbeitete, hatte sie 1955 ihr FilmdebĂŒt in Alfred Hitchcocks schwarzer Komödie "Immer Ärger mit Harry", fĂŒr die sie im selben Jahr einen Golden Globe gewann. Es folgten weitere Rollen in Komödien, bis sie 1958 fĂŒr "Verdammt sind sie alle" ihre erste Oscar-Nominierung erhielt. Weitere Oscar-Nominierungen heimste sie in den folgenden Jahren u.a. fĂŒr "Das Apartment"(1960) und "Irma la Douce" (1963) ein. 1983 gewann sie schließlich den Oscar als beste Hauptdarstellerin fĂŒr ihre Rolle in "Zeit der ZĂ€rtlichkeit". Auf den 49. internationalen Filmfestspielen in Berlin wurde ihr 1999 derGoldene BĂ€r fĂŒr ihr Lebenswerk verliehen.

Amanda Seyfried wurde 1985 in Allentown, Pennsylvania geboren. Sie startete ihre Schauspielkarriere als Darstellerin in Sitcoms, bevor sie 2004 mit ihrer Rolle in "Girls Club" erste Bekanntheit erlangte. Von 2006 bis 2011 spielte sie eine Hauptrolle in der HBO-Serie "Big Love". Nachdem sie in den Erfolgsfilmen "Mamma Mia" (2008) und "Les Misérables"(2012)mitgewirkt hatte, portraitierte sie 2013 die Pornodarstellerin Linda Lovelace in dem Biopic "Lovelace". 2017 ist sie in der Neuauflage der Kultserie "Twin Peaks" zu sehen.

Zum Regisseur: Mark Pellington wurde 1962 in Baltimore, Maryland geboren. Er begann seine Karriere mit Musikvideos fĂŒr Bands wie Pearl Jam, Bon Jovi oder die Nine Inch Nails. FĂŒr die Gedichtvisualisierung "United States of Poetry" arbeitete er u.a. mit Leonard Cohen zusammen. Sein erster Film "Der lange Weg der Leidenschaft" wurde 1997 beim Sundance Filmfestival fĂŒr den Großen Preis der Jury nominiert. Es folgten Filme wie "Arlington Road"(1999), "Die Mothman Prophezeiungen"(2002) und "Henry Poole Is Here" (2008).
Mehr Infos: www.markpellington.com

Zu guter Letzt
Originaltitel: The Last Word
Spielfilm, USA 2017
Regie: Mark Pellington
Drehbuch: Stuart Ross Fink
Kamera: Eric Koretz
Schnitt: Julia Wong, A.C.E
DarstellerInnen: Shirley MacLaine, Amanda Seyfried, Anne Heche, Annjewel Lee Dixon
Verleih: TOBIS Film
LauflÀnge: 108 Minuten
Kinostart: 13.04.2017
www.zuguterletzt-derfilm.de

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Kultur > Kino Beitrag vom 27.03.2017 AVIVA-Redaktion 





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