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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2018 - Beitrag vom 29.05.2018

AUGENBLICKE: GESICHTER EINER REISE. Kinostart 31. Mai 2018, einen Tag nach Agnès Vardas 90. Geburtstag
Sharon Adler

"Eine neue Art von Bildern zu schaffen" war der große Plan, der die Künstler*innen auf ihrem filmischen Abenteuer mit dem mobilen Fotoautomaten begleitet hat. "Kunst für alle" lautete der Anspruch und Auftrag des ambitionierten Paars: Nouvelle-Vague-Legende, Installationskünstlerin und Filmtheoretikerin Agnès Varda (89) und Streetart-Künstler und Fotograf JR (35) begaben sich in ihrem Roadmovie auf eine künstlerisch-dokumentarische Reise, um Frankreichs Gesichter und Geschichten in überlebensgroßen Bildern festzuhalten und warfen dabei einen gleichsam poetischen wie charmanten Blick auf das Leben.



"Ich bin in der Tat Feministin!" – Agnès Varda

Agnès Varda wird am 30. Mai 90 Jahre alt, aber keinesfalls müde: für Frauenrechte zu kämpfen, ihre ganz eigenen und mit Humor gespickten Filme zu verwirklichen, künstlerisch unabhängig zu bleiben und sich Konventionen zu verweigern. Im Namen von insgesamt 82 Frauen aus der Filmbranche machte die legendäre französische Regisseurin am 12. Mai 2018 auf dem Roten Teppich in Cannes auf die ungleichen Geschlechterverhältnisse aufmerksam und verlas gemeinsam mit Jury-Präsidentin Cate Blanchett ihre Forderungen nach Gleichbehandlung paritätischer Besetzung von Gremien, Rollen und in der Produktion – in allen Gewerken - von Frauen in der Filmbranche.

Die Zahl 82 steht dabei für die Anzahl der Regisseurinnen in der 71-jährigen Geschichte des Cannes Filmfestivals, die in den Wettbewerb eingeladen worden. Demgegenüber stehen 1866 Männer.

Die Ehren-Palmen-Gewinnerin, mit einem Ehrenoscar® für ihr Lebenswerk ausgezeichnet, misst keine 1 Meter 60, aber zählt zu den ganz Großen. Varda gilt als Pionierin des französischen Autor*innenkinos. Mit Filmen wie "La Pointe Courte" (1955) und "Cléo de 5 à 7" (1961) oder "Die Strände von Agnès" (2008) kann sie als Grande Dame der Nouvelle Vague bezeichnet werden und als einzige Frau im Umfeld der Bewegung überhaupt.

Neben der "Großmutter der Nouvelle Vague" war es auch dem Künstler JR in ihrem filmischen Projekt "AUGENBLICKE: GESICHTER EINER REISE" ein Anliegen, vor allem Frauen abzubilden. Frauen, die häufig unsichtbar, beinahe als Statistinnen des realen Lebens erscheinen. Frauen, die weder in Bildern noch in der Geschichtsschreibung wahrgenommen werden. Die Bühne gab das Varda/JR-Team unter anderem den Frauen der Hafenarbeiter von Le Havre, einer jungen Kellnerin und Mutter, sowie der letzten Bewohnerin eines Straßenzugs im ehemaligen Bergbaugebiet.

Agnès Vardas "Regieanweisung" an Nathalie Maurouard, Sophie Riou Und Morgane Riou, die Frauen der Hafenarbeiter von Port du Havre, Seine-Maritime lautete: "Die Idee ist, ihr sollt wie drei riesige Statuen aussehen, drei Totemfiguren, die in diese Männerwelt eintreten und sich behaupten."
Nathalie: "Jetzt erhalten wir auch einen Ehrenplatz, für dieses eine Mal."

Jedes Gesicht erzählt eine Geschichte. Die Magie des Augenblicks

"Alles verändert sich. Das habe ich immer an Dokumentarfilmen geliebt. Du verbringst ein paar Tage mit einigen Leuten, freundest dich an, verlierst den Kontakt, genau in der Art, wie wir sie in großen kurzlebigen Bildern festgehalten haben, die wieder von den Wänden verschwinden werden. Wir wissen, dass diese Momente magisch sind. Der Moment, in dem man die Menschen trifft, der der Moment, in dem wir filmen, die Bilder anbringen und voilà! Ich liebe das." (Agnès Varda)
Eine Reise durch das Gedächtnis. Das individuelle und das kollektive, von Arbeiter*innen, Bäuerinnen und Bauern und Dorfbewohner*innen

Unprätentiös, voller Liebe für die Menschen spielt die filmische Collage mit Worten und Bildern, mit Erwartungen und Erinnerungen. Politische Statements und Kämpfe um soziale Gerechtigkeit sind ebenso präsent wie verlorene Hoffnungen. Neben der Reminiszenz an die Vergangenheit und verstorbene Weggefährt*innen richtet das Paar aber auch den Blick auf die Gegenwart und Zukunft. Vor allem aber lässt es dem Zufall und der Neugierde ausreichend Raum, an der Entwicklung dieses Dokumentarfilms eine entscheidende Rolle zu spielen.

AVIVA-Tipp: Überwältigend. Jedes Bild, jede Szene und jeder Dialog stellt eine Überraschung dar, lässt die Zuschauer*innen teilhaben an der Leidenschaft, den Ideen und Inspirationen, denen die Künstler*innen gefolgt sind. Die Orte, die Menschen und deren Geschichten sind es, die Agnès Varda und JR in ihrem abenteuerlichen Projekt verewigt haben. Allgegenwärtig ist der Respekt der Künstler*innen Varda und JR ebenso füreinander, wie für die Menschen, die sie in ihrem Film abbilden. Unbedingt sehenswert.

AUGENBLICKE: GESICHTER EINER REISE
EIN DOKUMENTARFILM VON UND MIT AGNÈS VARDA & JR

Originaltitel: Visages Villages
Produktionsland/-jahr: Frankreich 2017
Regie: Agnès Varda, JR
Drehbuch: Agnès Varda, JR
Kamera: Claire Duguet (Bonnieux, Reillanne, Usine), Nicolas Guicheteau (Paris, Usine, le Nord), Valentin Vignet (BnF, côte Normande), Romain Le Bonniec (Vexin, Le Havre, Pirou), Raphael Minnesota (Musée du Louvre), Roberto De Angelis (Cuisine, Suisse), Julia Fabr
Schnitt: Agnès Varda, Maxime Pozzi-Garcia
Musik: Matthieu Chedid aka -M-
Produktion: Ciné Tamaris, Social Animals, Rouge International, Arte France Cinéma, Arches films
FSK: 0
Preise: Oscars 2018: Nominierung Bester Dokumentarfilm Independent Spirit Awards 2018: Auszeichnung Bester Dokumentarfilm César 2018: Nominierung Bester Dokumentarfilm und Beste Filmmusik
Lauflänge: 93 Minuten
Weltkino Filmverleih GmbH
Deutscher Kinostart: 31. Mai 2018
Mehr zum Film und der Trailer unter: www.facebook.com/Augenblicke.DerFilm

Zu Agnès Varda

Die vielfach ausgezeichnete Fotografin, Künstlerin und Filmregisseurin gilt als eine der Schlüsselfiguren des modernen Films. Ihre Arbeiten legen den Fokus auf einen dokumentarischen Realismus, feministische Themen und soziale Kommentare.
Agnès Varda wurde 1928 in Ixelles, Belgien geboren und wuchs mit vier Geschwistern auf. Während des Krieges war ihre Familie gezwungen nach Südfrankreich zu ziehen. Sie verbrachte die Jugend in Sète, bevor sie in Paris an der École du Louvre studierte und Abendkurse in Fotografie an der École de Vaugirard besuchte. In dieser Zeit begann sie als Fotografin für die französische Theatergröße Jean Vilar am Théâtre National Populaire in Paris zu arbeiten. 1954 hatte sie ihre erste Einzelausstellung. Im selben Jahr wagte sie den Schritt zum Medium Film – ohne Erfahrung oder Ausbildung. Um ihren ersten Spielfilm LA POINTE COURTE zu drehen und zu produzieren, gründete sie 1954, im Alter von 26 Jahren, die Produktionsgesellschaft Tamaris-Films (später Ciné-Tamaris). Der Film brachte ihr den Titel "Großmutter der Nouvelle Vague" ein. Ab diesem Moment öffnete sich ihr die Tür zur Filmwelt. Sie führte Regie bei Kurz- und Spielfilmen, fiktionaler und dokumentarischer Art. Dabei legte sie stets größten Wert auf ihre künstlerische Unabhängigkeit. Für ihr filmisches Schaffen wurde sie mit einer Vielzahl an Preisen ausgezeichnet. 1965 gewann ihr Film GLÜCK AUS DEM BLICKWINKEL DES MANNES den Silbernen Bären auf der Berlinale. Einen großen Publikumserfolg erzielte sie 1985 mit ihrem Film VOGELFREI, für den sie den Goldenen Löwen in Venedig Film erhielt. Für ihr filmisches Selbstporträt DIE STRÄNDE VON AGNÈS wurde sie mit einem César für den Besten Dokumentarfilm ausgezeichnet. 2014 erhielt sie den Ehrenleopard des Filmfestivals von Locarno. 2017 wurde Varda der Ehrenoscar® für ihr Lebenswerk verliehen.
Auszeichnungen für "AUGENBLICKE: GESICHTER EINER REISE": Oscars 2018: Nominierung Bester Dokumentarfilm Independent Spirit Awards 2018: Auszeichnung Bester Dokumentarfilm César 2018: Nominierung Bester Dokumentarfilm und Beste Filmmusik
Agnès Varda, die am 30. Mai 2018 ihren 90. Geburtstag feiert, lebt in Paris. Mit ihrem 1990 verstorbenen Ehemann, dem französischen Filmemacher Jacques Demy, zog sie ihre beiden Kinder (Kostümbildnerin und Filmproduzentin Rosalie Varda und Schauspieler, Filmregisseur und Drehbuchautor Mathieu Demy) groß.

FILMOGRAFIE (AUSWAHL)
2017 AUGENBLICKE: GESICHTER EINER REISE
2011 AGNES WAR DA (TV-MINISERIE)
2008 DIE STRÄNDE VON AGNÈS
2002 ZWEI JAHRE DANACH
1993 DIE DEMOISELLES SIND 25 JAHRE ALT GEWORDEN
1988 DIE ZEIT MIT JULIEN
1985 VOGELFREI
1981 MENSCHENGESICHTER
1981 MAUERBILDER
1969 LIONS LOVE
1966 DIE GESCHÖPFE
1965 GLÜCK AUS DEM BLICKWINKEL DES MANNES
1962 CLEO – MITTWOCH ZWISCHEN 5 UND 7
1954 LA POINTE COURTE

Weitere Infos zu Agnès Varda und Ciné-Tamaris: www.cine-tamaris.com und www.imdb.com

Fotograf und Street-Artist JR wurde 1983 in der Nähe von Paris geboren. Er gilt als einer der innovativsten Vertreter der internationalen Gegenwartskunst und ist mittlerweile ein Star in der Street-ArtSzene. Mit seinen riesengroßen Porträts erobert wie kein anderer den öffentlichen Raum.
2001 fand er eine Kamera in der Pariser Metro und begann seine Beobachtungen im städtischen Raum festzuhalten und als großflächige Bilder an Außenflächen anzubringen. Dies markierte den Beginn seiner Arbeit mit monumentalen SchwarzWeiß-Fotos.
JR stellt seine Werke allen frei zugänglich auf den Wänden der Welt aus und spricht damit Menschen an, die üblicherweise nicht ins Museum gehen. Sie begegnen der Kunst an Orten, an denen sie nicht damit rechnen würden. Er platziert Fotos in den öffentlichen Raum, um den Gesichtern und Geschichten von Menschen, die nicht sichtbar sind, einen prominenten Platz zu geben – von der französischen Banlieue bis in die Türkei, vom Times Square zum Panthéon in Paris, von den Slums in Kenia zu den Favelas in Brasilien. Die Mitglieder der Gemeinden können sich dabei aktiv am künstlerischen Prozess beteiligen.
Sein Projekt "Women are Heroes" (20082010) erweist starken Frauen weltweit Respekt, die in Krisenregionen täglich um das Überleben ihrer Familien kämpfen. Mit seinen großflächigen Fotografien hat er Dörfer, Slums und Favelas in riesige Galerien verwandelt. Mit derselben Neugier erkundete JR in seinem Projekt "The Wrinkles of the City" die Spuren der Zeit. Auf Dächern und Fassaden Berlins erzählte er die wechselvolle Geschichte der deutschen Hauptstadt mit Hilfe monumentaler Porträts älterer Menschen. 2011 wurde JR für sein Engagement mit dem TED Prize ausgezeichnet und rief das interaktive "Inside Out Project" ins Leben. Eine Initiative, bei der jede/r Einzelne dazu angeregt ist, selbst Porträtfotografien als kollektive Botschaft an Orten zu hinterlassen.
In AUGENBLICKE: GESICHTER EINER REISE verschmelzen Streetart, Fotografie und Dokumentation auf eine ganz besondere Weise.
JR lebt und arbeitet in Paris und New York. Seine Markenzeichen sind Hut und Sonnenbrille.

FILMOGRAFIE

2017 AUGENBLICKE: GESICHTER EINER REISE
2015 ELLIS
2015 LES BOSQUETS
2010 WOMEN ARE HEROES

Kreative Kunstinitiative von JR - das "Inside Out Project" in Berlin

Berlin hat viele Gesichter. Insgesamt 70 von ihnen schmücken aktuell als Teil des interaktiven Inside Out Projects des französischen Streetart-Künstlers JR die Wände der Hauptstadt. In Vorbereitung auf den deutschen Kinostart des Oscar®-nominierten Dokumentarfilms AUGENBLICKE: GESICHTER EINER REISE ist ein facettenreiches Fotoprojekt entstanden.

Das "Inside Out Project" ist eine kreative Kunstinitiative, die der Fotograf JR 2011 ins Leben rief. Hier bekommt weltweit jede/r die Möglichkeit, überlebensgroße Porträtfotografien zu erstellen und als kollektive Botschaften an Orten zu hinterlassen. Fotografin Fernanda Peruzzo hat dafür 70 Menschen in Schwarzweiß-Porträts in Berlin porträtiert.

So wurden Fußballerinnen des Vereins Berolina Mitte, die vom Ausstellungshaus "Me Collectors Room" gesponsert werden, internationale Schüler*innen des GLS Sprachenzentrums Berlin sowie Berliner Fahrradkuriere porträtiert. Am Me Collectors Room in der Auguststraße fanden die Motive der Fußballerinnen und Fahrradkuriere ihren Platz, am Sprachenzentrum in der Kastanienallee sind die Fotografien der Sprachschüler*innen zu sehen.

Weitere Informationen zu der Fotografin Fernanda Peruzzo, Fotos der Aktion und auch der Initiative finden Sie unter: www.instagram.com/ferzinhapb und www.insideoutproject.net/en.

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Interview mit Agnès Varda
Zur Eröffnung der Retrospektive ihres Gesamtwerkes im Kino Arsenal kam die außergewöhnliche französische Cineastin Agnès Varda nach Berlin und teilte mit uns einige Momente, ihre Vorlieben des Lebens und Filmemachens. (2009)

Varda-Retrospektive im Arsenal eröffnet mit Die Strände von Agnès
Das Arsenal würdigt die Pionierin der Nouvelle Vague mit einer umfangreichen Werkschau vom 4.-30. September 2009, Filmstart deren impressionistischen Selbstportraits am 10. September 2009



Quelle: Weltkino Filmverleih, AVIVA-Berlin

Kultur > Kino Beitrag vom 29.05.2018 Sharon Adler 





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