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AVIVA-BERLIN.de im Mai 2019 - Beitrag vom 07.05.2019


Carmen & Lola. Kinostart am 09. Mai 2019
Saskia Balser

Der Debütfilm der spanischen Regisseurin Arantxa Echevarría thematisiert die Beziehung zweier Romnja*-Mädchen, die sich den Traditionen ihrer Familien widersetzen müssen, um ihre Liebe zu verteidigen.



Carmen ist ein 17 jähriges Mädchen, dem das gleiche Leben bevorsteht wie zahlreichen anderen Frauen aus ihrer Gemeinde: früh verheiratet werden, als Friseurin arbeiten und so viele Kinder wie möglich aufziehen. Das ist die Zukunft, auf die sie sich, gemeinsam mit ihrem Verlobten Rafa, vorbereitet hat und freut.
Die 16 jährige Lola hingegen interessiert sich nicht für Männer, oder Hochzeiten: Sie sprüht heimlich Graffitis, lernt viel für die Schule, wo sie das einzige Romnja*-Mädchen in einer ansonsten weißen Klasse ist, und sie träumt davon, Lehrerin zu werden.

Als sich die beiden auf dem Gemüsemarkt treffen, wird eine zufällige Begegnung schnell zu einer emotionalen Achterbahnfahrt. Die Unterschiede zwischen ihnen wecken gegenseitiges Interesse, doch als Lola ein herzförmiges Graffiti an Carmens Hauswand sprüht, wehrt sich diese energisch gegen ihre Avancen und beteuert, keins dieser "seltsamen Mädchen" zu sein.

Lola ist daraufhin zutiefst verletzt und wünschte, sie könnte ihrer Familie und ihrer Kultur entkommen: "Ich hasse es zutiefst, eine Frau zu sein. Es bedeutet nur, Kinder zu haben, einen Mann, ein Haus zum Putzen, sich um Kinder zu kümmern, den ganzen Tag Windeln zu wechseln... Nein, das ist das Leben meiner Mutter. Ich will das nicht. Ich möchte reisen, einen Abschluss machen, rauchen können, ohne mich zu verstecken."

Während Lola unter den Traditionen ihrer Familie leidet, erkennt auch Carmen langsam, dass sie von den Männern, auch ihrem Verlobten, unterdrückt wird. Sie trifft sich weiterhin mit Lola und beginnt, trotz anfänglicher Abwehr, eine heimliche Beziehung mit ihr. In einem Liebesbrief an Lola schreibt sie: "Es ist mir egal, dass du ein Mädchen bist. Ich mag dich genug, um dich zu heiraten, wenn ich könnte."

Doch das Glück der Mädchen währt nicht lange: Lolas Mutter findet den Brief und beschimpft ihre Tochter. Sie hat Angst davor, wie die Gemeinde und insbesondere Lolas Vater auf das Geheimnis reagiert: "Lola, das ist eine schreckliche Sünde. Sag mir, dass es nicht wahr ist! Bitte, ich flehe dich an." – "Aber warum ist es eine Sünde, Mama? So fühle ich eben."

Ihr Vater ist außer sich vor Wut, er bringt sie zu einer Pastorin und hofft, sie "mit Gottes Hilfe" zu heilen, ihr den Teufel, der seiner Überzeugung nach für ihre Homosexualität verantwortlich ist, auszutreiben zu können. Die Scham, die ihretwegen auf der Familie lastet, erträgt er nicht.
Den von der Gemeinde und den eigenen Familien verstoßenen Mädchen bleibt nichts anderes übrig, als zu fliehen. Durch die Hilfe einer Freundin gelingt es ihnen, mit dem Bus ans Meer zu fahren, wo sie sich nun ein neues Leben, fernab der ihnen bekannten Kultur, aufbauen müssen.

Die Entstehungsgeschichte des Films – Casting auf den Straßen

Die Idee für den Film, so Regisseurin Arantxa Echevarría, kam ihr 2009 durch einen Nachrichtenbericht aus Granada. Dabei ging es um das erste weibliche Romnja*-Pärchen, das in Spanien geheiratet hatte. Die Ehe war bereits 2005 für homosexuelle Paare legalisiert worden, doch es hat vier Jahre gedauert, bis jemand diesen Schritt gegangen ist. Die Frauen benutzten zudem falsche Namen, weil sie bereits von ihren Nachbar*innen, Familien und Gemeinden ausgestoßen wurden und weitere gesellschaftliche Ächtung fürchteten. Echevarría macht mit ihrem Film auf die mehrfache Belastung lesbischer Romnja*-Frauen aufmerksam. Sie sagt: "Being a woman, I think I have a different view of the world, of observing reality and even telling stories. I am a director and a woman, perhaps not in that order, and that marks me. I have felt a moral obligation to give a voice to those who don´t have their own."

In den Romnja*-Gruppen gibt es nur sehr wenige Schauspieler*innen, weil viele sich nicht trauen, diesen Berufsweg einzuschlagen. Für die Regisseurin und ihr Team war es daher eine besondere Herausforderung, zwei Jugendliche innerhalb der Gemeinde zu finden, die bereit sind, die beiden Charaktere zu spielen. Sie haben überall gesucht, sogar auf den Straßen, und in über sechs Monaten mehr als 1000 Romnja*s gecastet, bis sie endlich die perfekten Mädchen für Lola und Carmen gefunden haben. Nur eine Figur des Films wird von einer professionellen Schauspielerin gespielt, alle anderen ca. 150 Mitwirkenden sind Romnja*s, die vorher noch nie vor der Kamera standen, weshalb der Film absolut authentisch wirkt.

Diese Authentizität wird zudem verstärkt durch den bewussten Einsatz von Filmmusik, Stille und Gesang. In den Romnja*-Gemeinden ist Musik extrem wichtig, zu allen Veranstaltungen wird gesungen und getanzt – Der Film fängt diese Musikverbundenheit ein. Lola singt beispielsweise in einem Gospelchor, aber auch zahlreiche andere Szenen, die sowohl Feiern als auch intime Momente zeigen, werden von Gesang begleitet.

Zu den Bezeichnungen "Gypsy", "Romnja" und "Roma"

Im Englischen wird über Carmen und Lolas ethnische Gruppe als "Gypsy"-Community gesprochen. Dieses Wort wird oft mit dem Wort "Zigeuner" übersetzt, was jedoch eine abwertende Fremdbezeichnung und damit eine Diskriminierung darstellt. Respektvoller und richtiger ist daher die Bezeichnung "Roma".
Die Initiative Neue Deutsche Medienmacher definiert in ihrem Online-Glossar der Formulierungshilfen für Berichterstattungen diese Bezeichnung folgendermaßen: "Roma ist sowohl Selbstbeschreibung als auch allgemeiner Sammelbegriff für eine heterogene Gruppe von Menschen, die im 13. und 14. Jahrhundert von Indien und dem heutigen Pakistan nach Mittel-, West- und Nordeuropa gekommen sind. Sie bilden die größte ethnische Minderheit in Europa. Expert*innen sprechen häufig von Roma-Gruppen oder Angehörigen der Roma-Minderheiten, da es zahlreiche verschiedene Untergruppen gibt, die sich in Sprachen, Religionen und Gewohnheiten voneinander unterscheiden. Im weiblichen Singular spricht man von Romni (Plural: Romnja), im männlichen von Rom (Plural: Roma)."

AVIVA-Tipp: Arantxa Echevarría macht durch die tragische Geschichte von Carmen und Lola auf die Hindernisse aufmerksam, die lesbische Romnja*-Frauen überwinden müssen, um ein selbstbestimmtes Leben führen zu können. Aufgrund der Besetzung durch nicht-professionelle Schauspieler*innen überzeugt der Film durch einen starken Bezug zur Realität.

Zur Regisseurin: Arantxa Echevarría, 1968 in Bilbao geboren, arbeitet als Regisseurin, Drehbuchautorin und Produzentin des spanischen Kinos und Fernsehens. Im Jahr 2010 veröffentlichte sie ihren ersten Kurzfilm namens "Panchito", der ebenfalls mit nicht-professionellen Schauspieler*innen gedreht wurde – er wurde unter anderem mit dem Telemadrid-Preis ausgezeichnet. Darauf folgten mehrere Dokumentationen und Kurzfilme, welche unter anderem für die spanischen Goya Awards nominiert waren. "Carmen und Lola" ist ihr erster Spielfilm, er wurde bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes 2018 gezeigt und lief bei den Europäischen Filmtagen "Frauen führen Regie" in Hamburg. Er erhielt mehrere Auszeichnungen, darunter zwei Goya-Awards: Den "Best New Directing Award" für Echevarría und den Preis für die beste Nebendarstellerin Carolina Yuste. Zudem wurde "Carmen & Lola" beim Cinespaña Festival von Toulouse mit der "Violette d´Or" für den besten Film ausgezeichnet und gewann den Publikumspreis.

Zu den Hauptdarstellerinnen: Zaira Romero, die Schauspielerin der Lola ist eine 16 Jahre alte "merchera, a mix between gypsy and white". Sie stand für diesen Film das erste Mal vor der Kamera. Rosy Rodriguez, die die Figur der Carmen verkörpert, war gerade erst 17 Jahre alt zur Zeit des Castings, wurde bereits mit 15 verheiratet und verließ ihren Ehemann sechs Monate später. Aus diesem Grund wird sie in der Romnja*-Community als "badly married" bezeichnet.

Carmen & Lola
Spanien 2018
Regisseurin: Arantxa Echevarría
Produzentinnen: Pilar Sánchez Díaz und Arantxa Echevarría
Kamerafrau: Pilar Sánchez Díaz
Artdirector: Soledad Seseña
Kostümdesign: Teresa Mora
Filmeditor: Renato Sanjuán
Productionsdirektor: Eduardo Santana
Musik: Nina Aranda
Makeup: Gloria Pinar and Soledad Padilla
Regieassistenz: Jorge Calatayud
Sounddesign: Fabio Huete und Dani Peña
105 Minuten
Format: Digital 4K
Ton: Dolby 5.1
Kinostart: 9. Mai 2019
In Zusammenarbeit mit: Orange Spain, Madrid Regional Government, Spanish Film and Audio-visual Arts Institute
Verleih: PRO-FUN MEDIA Filmverleih / Frankfurt am Main
Mehr Infos zum Film, aktuelle Kino- & Festivaltermine und der Trailer unter:
www.pro-fun.de

Mehr Infos:

Romaniphen, ein selbstorganisiertes, feministisches Rromani Projekt: www.romnja-power.de

Die Initiative IniRomnja: inirromnja.wordpress.com

Der Zentralrat deutscher Sinti und Roma sowie das Dokumentations- und Kulturzentrum deutscher Sinti und Roma: www.sintiundroma.de

Denkmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Europas: www.stiftung-denkmal.de

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Eva Ruth Wemme, Silvia Cristina Stan – Amalinca
Zum richtigen Zeitpunkt erscheint der Roman über zwei Freundinnen, einer Gadscha und einer Romni, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Die Schneiderin und Sozialassistentin Silvia Cristina Stan und ihre Freundin, die Übersetzerin und Dramaturgin Eva Ruth Wemme zeigen, wie neugierige und interessierte Zugewandtheit alle Grenzen überwinden kann. (2018)

Neue deutsche Medienmacher veröffentlichen Online-Glossar mit Formulierungshilfen für die Berichterstattung
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Kultur > Kino Beitrag vom 07.05.2019 AVIVA-Redaktion 





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