Die Staatsbibliothek und ich. Bettina Flitner porträtiert 24 Persönlichkeiten mit Schätzen aus der Staatsbibliothek zu Berlin - Aviva - Berlin Online Magazin und Informationsportal für Frauen aviva-berlin.de Kunst + Kultur



AVIVA-BERLIN.de im Mai 2021 - Beitrag vom 09.09.2011


Die Staatsbibliothek und ich. Bettina Flitner porträtiert 24 Persönlichkeiten mit Schätzen aus der Staatsbibliothek zu Berlin
AVIVA-Redaktion

Vom 21. September bis zum 30. Dezember 2011 zeigt die berühmte Berliner Bibliothek anlässlich ihres 350-jährigen Jubiläums Photos von der preisgekrönten Künstlerin im Lesesaal Potsdamer Straße.




In ihrem Bildband "Frauen, die forschen" aus dem Jahr 2008 gab sie Forscherinnen, von denen mensch oft nur den Namen über dem Titel der Publikation kennt, ein Gesicht. Auch in dieser Ausstellung verfolgt Bettina Flitner das Ziel, ungewöhnliche Portraits von Menschen zu schaffen, die dem/der DurchschnittsbetrachterIn aus ganz anderen Szenerien bekannt sind.

Die Ausstellung "Die Staatsbibliothek und ich" führt dieses Motiv regelrecht fort. So hat auch sie das Potenzial, konventionelle Blickwinkel zu verschieben, und zwar auf drei Ebenen zugleich. Erstens transformiert Flitner den öffentlichen Raum der Bibliothek. Durch die intimen und ruhigen, aber oft auch humoristischen Darstellungen wird dieser sowohl zu einem Ort der Ruhe als auch zu einem Bereich, der sich spielerisch aktiv gestalten lässt. Zweitens verändert sich die Betrachtungsweise der dargestellten Personen des öffentlichen Lebens, von denen die meisten konventionell sprechend oder handelnd auftreten – hier sind sie still, vertieft in ihr Lieblingsobjekt. Die dritte Verschiebung ist von besonderer Bedeutung: Die in Archiven verstaubenden, wertvollen Gegenstände aus den geschlossenen Magazinen der Stiftung Preußischer Kulturbesitz werden durch die Bilder Flitners in die Öffentlichkeit zurückgeführt – denn wer weiß heutzutage schon noch, wie die wertvollen Handschriften und Zeichnungen tatsächlich aussehen?

Die Liste der dargestellten Personen ist lang. So zeigt die Ausstellung beispielsweise die Nobelpreisträgerin Herta Müller mit dem Autograph von Kleists "Der zerbrochene Krug", den Klimaforscher Hans-Joachim Schellnhuber mit einem Astrolabium aus dem 13. Jahrhundert, den ehemaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker mit dem ersten deutschen Schachbuch von 1616, die Sopranistin Annette Dasch mit dem Eichendorff-Autograph "Mondnacht", Staatsminister Bernd Neumann mit Beethovens Partitur der 9. Sinfonie, Politiker Klaus Wowereit mit einer großformatigen Zeichnung von der Straße Unter den Linden ("Lindenrolle" 1849), die Verlegerin Friede Springer mit der Vossischen Zeitung sowie den Moderatoren Günter Jauch mit Zedlers-Universal-Lexicon aus dem 18. Jahrhundert.

Außerdem sind zu sehen: Die Verlegerin Liz Mohn, die Schriftsteller Günter de Bruyn, Ingo Schulze und Wladimir Kaminer, Bundesministerin Ursula von der Leyen, die Politikerin Petra Pau, der Präsident des Goethe-Instituts Klaus-Dieter Lehmann, die Generaldirektorin der Kulturstiftung der Länder Isabel Pfeiffer-Poensgen, der Architekt HG Merz, der Wissenschaftler Paul Nolte, der Regisseur Wim Wenders, die Publizistin Alice Schwarzer, der frühere Verleger Klaus G. Saur und der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz Hermann Parzinger.

Für alle Aufnahmen fand Bettina Flitner in den Gebäuden der Staatsbibliothek zu Berlin perfekte Kulissen. Auf eine für die Beteiligten oft überraschende Weise inszenierte sie die Dreiklänge Person – Objekt – Gebäude. Das gleichnamige Buch, in dem neben den Portraitierten auch die jeweiligen Sammlungsstücke abgebildet und kurz erläutert sind, ist für zehn Euro erhältlich.

Bettina Flitner, geboren 1961, machte eine Ausbildung zur Filmcutterin beim WDR in Köln, bevor sie von 1986-1992 ein Studium an der Deutschen Film- und Fernsehakademie in Berlin absolvierte. Seit 1986 arbeitet sie als freie Fotografin. Ihre Arbeiten wurden vielfach im In- und Ausland ausgestellt, sie erhielt zahlreiche Auszeichnungen, zum Beispiel den Sonderpreis für politische Fotografie bei der Rückblende im Jahr 2000. Ihre letzten beiden Publikationen, "Frauen mit Visionen" und "Frauen, die forschen", beschäftigen sich mit realen Frauen, deren Lebensentwürfe in der europäischen Gesellschaft leider noch immer als ungewöhnlich wahrgenommen werden.
Weitere Infos und Kontakt unter: www.bettinaflitner.de

© Bettina Flitner, die Künstlerin im Lesesaal der Staatsbibliothek


Ausstellung im Lesesaal der Staatsbibliothek zu Berlin – Bettina Flitner: "Die Staatsbibliothek und ich." – 21. September bis 30. Dezember 2011

Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 9 bis 21 Uhr, Samstag 9 bis 19 Uhr

Veranstaltungsort: Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz
Haus Potsdamer Straße: Allgemeiner Lesesaal
Potsdamer Straße 33
10785 Berlin

Weitere Informationen finden Sie unter:

www.staatsbibliothek-berlin.de

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Frauen die forschen – Fotos Bettina Flitner, herausgegeben von Dr. Jeanne Rubner

Frauen mit Visionen – 48 Europäerinnen, ein Bildband von Bettina Flitner aus dem Jahr 2004.


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Beitrag vom 09.09.2011

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