Anna Karenina. Kinostart: 6. Dezember 2012 - Aviva - Berlin Online Magazin und Informationsportal für Frauen aviva-berlin.de Kunst + Kultur



AVIVA-BERLIN.de im Mai 2021 - Beitrag vom 05.12.2012


Anna Karenina. Kinostart: 6. Dezember 2012
Dana Strohscheer

Was auf den ersten Blick als Kostümfilm alter Schule daherkommt, entwickelt einen eigenwilligen künstlerischen Blick auf das Schicksal einer jungen Frau, die sich gegen die gesellschaftlichen...




... Konventionen ihrer Zeit auflehnt. Dies geschieht unter anderen Vorzeichen als in bisherigen Filmadaptionen.

Im Mittelpunkt der Klassikerverfilmung von Leo Tolstoi durch Joe Wright steht die junge und schöne Anna Karenina (Keira Knightley), die Ende des 19. Jahrhunderts in einer unglücklichen Ehe mit dem gefühlskalten, bürokratischen Alexej Karenin (Jude Law) gefangen ist. Sie hat einen halbwüchsigen Sohn namens Serjoscha, ist in den adligen Kreisen St. Petersburgs etabliert und bewegt sich sicher auf dem gesellschaftlichen Parkett. Da ihr Bruder Stepan Oblonski (Matthew Macfadyen) Eheprobleme hat, fährt Anna nach Moskau, um zwischen ihrer Schwägerin Dolly (Kelly Macdonald) und Stepan zu vermitteln. Dort lernt sie auf einer Abendgesellschaft den jungen Offizier Alexej Wronski (Aaron Taylor-Johnson) kennen und entbrennt leidenschaftlich für ihn.

Da beide ihre Affäre nicht geheim halten, werden sie von der adligen Gesellschaft verstoßen, Annas Sohn bleibt bei Karenin. Das Liebespaar verlässt St. Petersburg und lebt in Italien, wo Anna erneut schwanger wird. Aus Sehnsucht nach ihrem Sohn kehrt sie gemeinsam mit Wronski nach Russland zurück. Anna kann sich nicht zur Scheidung entschließen, da sie dann den Kontakt zu Serjoscha verlieren würde. So fristen Anna und Wronski ein glückloses Leben auf dem Land. Während Wronski bemüht ist, wieder Anschluss an die Gesellschaft zu bekommen, verliert sich Anna immer mehr in Wahnvorstellungen über die abkühlende Liebe Wronskis zu ihr. Am Ende sieht sie für sich nur noch einen Ausweg.

Ein Theatersaal als Filmset

Joe Wright überträgt das Drama Annas auf die große Bühne, im wörtlichen Sinn. Dem Regisseur von Filmen wie "Stolz und Vorurteil" (2005) und "Abbitte" (2007) dient für "Anna Karenina" eine Theaterbühne als Filmkulisse, auf der geliebt, gehasst und gestorben wird. Bühnenbilder schweben an Seilen hinunter, um zum Schauplatz neuer Ereignisse zu werden. Doch es ist keine Nummernrevue, die Wright mit seinen aufwendigen Kulissen darbietet. So hebt sich der Bühnenvorhang mitunter auch, um den Blick auf realistische Szenen und Stadtansichten freizugeben. Türen öffnen sich, die Kamera zeigt einen Saal mit prächtiger Einrichtung, nur um sich anschließend wieder den ProtagonistInnen auf der Bühne zu nähern. Dies führt bei den ZuschauerInnen immer wieder zu Überraschungsmomenten: mensch kann sich nie sicher sein, wo sich die Kamera gerade befindet. Mit dieser Vorgehensweise erzeugt Wright Abstand zur literarischen Vorlage und befreit die Figuren von festgelegten Zuschreibungen.

Neuer Blick auf Bekanntes

Immerhin zwölf Mal wurde "Anna Karenina" bisher verfilmt, mit Schauspielerinnengrößen wie Greta Garbo (1935) oder Vivien Leigh (1948), deren Figur immer die unglückliche Frau war, die für die Liebe ihres Lebens alles aufgibt und sich selbst verliert. Ganz anders in dieser Adaption - die Anna, wie sie Keira Knightley darstellt, ist eine junge Frau, die sich in der adligen Gesellschaft wohlfühlt und einer Leidenschaft verfällt. Ihr selbst ist nicht klar, wo die Heftigkeit ihrer Gefühle herrührt, aber Knightley überzeugt mit einer energiegeladenen Darstellung, die durch ihre körperliche Zartheit eher unterstrichen denn konterkariert wird. Annas Regungen sind dringlich und intensiv, sie ist ihren Emotionen aber auch hilflos ausgeliefert und kommt nicht dagegen an. Auch Graf Wronski scheint gegen den Typ besetzt - Aaron Taylor-Johnson agiert als blonder Jüngling, der sich selbst genügt und dadurch eher ein Objekt der Begierde Annas ist denn ein Mann, der eigene Entscheidungen fällt.

Eine berührende Filmszene ist ein Gespräch zwischen Dolly und Anna, als erstere zugibt, Anna nicht als `gefallene Frau` zu sehen: "Ich wünschte, ich hätte dasselbe getan, aber mich hat niemand gefragt". Anna ist nicht nur verstoßen worden und geächtet, sondern wird auch für ihren Mut bewundert.

Gesellschaftliche Gegensätze

Als Gegenentwurf legte Tolstoi in seinem Roman die Liebe zwischen Kitty (Alicia Vikander) und dem Gutsbesitzer Lewin (Domhnall Gleeson) an, der sich der wahren Gefühle und dem einfachen Leben auf dem Lande verpflichtet fühlt (ganz so wie Tolstoi selbst). Diesen Gegensatz inszeniert Wright in eindringlichen Bildern - hier die reiche, wollüstige adlige Gesellschaft, dort das einfache russische Holzhaus und ein hemdsärmeliger Mann, der gemeinsam mit seinen Bauern das Gras mäht. Was wie eine soziale Utopie wirkt, bekommt durch den Widerspruch zwischen künstlicher Theaterkulisse und realistisch gehaltenen Aufnahmen eine neue Deutungsebene - wer ist mehr gefangen in Wertvorstellungen?

AVIVA-Tipp: Opulent verfilmte Weltliteratur, die durch rauschhafte Bilderwelten beeindruckt und einen neuen Blick auf die Figur Anna Kareninas wirft. Ein Kostümfilm par excellence mit eigenwilligen Interpretationen. Sehenswert!

Zur Hauptdarstellerin: Keira Knightley, geboren 1985 in Teddington, Großbritannien, schaffte ihren Durchbruch als Schauspielerin 2002 mit dem Film "Kick it like Beckham". Nach "Stolz und Vorurteil" aus dem Jahr 2005 und "Abbitte" aus dem Jahr 2007 ist "Anna Karenina" ihre dritte Zusammenarbeit mit Regisseur Joe Wright. Zudem war sie in den Filmen "Fluch der Karibik" 1-3 zu sehen und gehört zu den erfolgreichsten Schauspielerinnen weltweit. Im vergangenen Jahr verkörperte sie überzeugend Sabina Spielrein in "Eine dunkle Begierde". Knightley lebt in London.
www.keiraknightley.com

Zum Regisseur: Joe Wright, Jahrgang 1972, studierte am Camberwell College of Arts und eröffnete 2007 mit seinem Film "Abbitte" das 64. Filmfestival von Venedig. Damit war er der jüngste Regisseur, dem diese Ehre bisher zuteil wurde. 2009 folgte "Der Solist" über den hochbegabten, an Schizophrenie erkrankten Cellisten Nathaniel Ayers nach einer wahren Begebenheit. Im vergangen Jahr lief "Wer ist Hanna?" an, nun folgt "Anna Karenina". Wright lebt mit seiner Frau und Kind in London.
(Quelle: Verleih)

Anna Karenina
Originaltitel: Anna Karenina
Großbritannien/ Frankreich 2012
Regie: Joe Wright
Drehbuch: Tom Stoppard nach dem Roman von Leo Tolstoi
DarstellerInnen: Keira Knightley, Jude Law, Aaron Taylor-Johnson, Kelly Macdonald, Matthew Macfadyen, Olivia Williams, Emily Watson, Ruth Wilson, Domhnall Gleeson, Alicia Vikander
Kamera: Florian Ballhaus
Verleih: Universal Pictures International Germany
Lauflänge: 130 Minuten
Kinostart: 06. Dezember 2012

Weitere Informationen unter:

www.annakarenina-film.de

www.facebook.com/Anna.Karenina.DE

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Beitrag vom 05.12.2012

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