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AVIVA-BERLIN.de im Mai 2021 - Beitrag vom 03.09.2017


EMA - Exile in the Outer Ring
Christina Mohr

Die aus Portland stammende Musikerin EMA bezeichnet sich selbst als Nihilistin – tatsächlich ist sie eine der engagiertesten politisch aktiven Künstlerinnen zurzeit. Und vielleicht will Erika Michelle Anderson alias EMA mit ihrem Verständnis von Nihilismus etwas anderes ausdrücken als die Verneinung des Lebenssinns – ein Blick auf...




... ihre Facebook-Seite legt das nahe: auf ihrem Profil spricht sie sich gegen Hass, Bigotterie, Sexismus, Rassismus und Klassismus aus.

Vielmehr wendet sich ihre Kunst gegen Ungerechtigkeit im Allgemeinen und Präsident Trumps Politik im Besonderen, noch nie war sie dabei so explizit.

EMAs Alben "Past Life Martyred Saints" (2011) und "The Future´s Void" (2014) bekamen viel Aufmerksamkeit, platzierten die amerikanische Elektro-Künstlerin, Bassistin, Sängerin mitten im Popgeschehen. Doch als Mainstreamstar taugt die 35-jährige nicht: Sie will nicht die Rolle des "blonden Babes" (Zitat) spielen, zeigte auf früheren Fotos nur selten ihr Gesicht. EMA stammt aus der avantgardistischen Indie-Szene Portlands, spielte lange Zeit in der Drone-Folkband "Gowns", denen sie mit der Neuaufnahme von "Always Bleeds" auf ihrem aktuellen Album Respekt und Verbundenheit zollt. Auf "Exile in the Outer Ring" prangert sie die Verdrängung ärmerer Bewohnerschichten (und auch Künstlerinnen und Künstler!) an den Rand der Städte an. Im Kontrast zum Ghetto, das ein abgegrenztes Armenviertel in der Stadt bezeichnet, steht der "outer ring" für Ausgrenzung, Vertreibung aus der Mitte – aber auch: Neuanfang. Dort, wo sich die drop outs versammeln, kann Neues entstehen, fernab etablierter Strukturen – Anarchie im positiven Sinn.

Sie sei "pro outer ring", sagt EMA, die sich von Jugend an mit Outlaws identifiziert und als "männlich sozialisiert" bezeichnet – auch diese Formulierung wirft wie ihr Bekenntnis zum Nihilismus Fragen auf, heißt aber vor allem, dass sie stets harsche, krasse Positionen einnimmt. Ihre Haltung drückt sie auf "Exile" musikalisch drastisch und eindrucksvoll aus, es klingt wie das fehlende Glied zwischen Nine Inch Nails und Planningtorock: Das siebenminütige Noise-Gewitter "Breathalyzer" lässt die Hörerin verstört und aufgewühlt zurück, Tracks wie "7 Years", "Aryan Nation" oder "I Wanna Destroy" thematisieren die politische Gegenwart Amerikas (und dem Rest der Welt).

EMA singt in verschiedenen Rollen/Stimmen, sucht bei aller Verachtung für Rassisten nach Verständnis, was sie weniger zur Nihilistin als zur humanistischen Künstlerin macht.

AVIVA-Tipp: Herausfordernd, explizit und definitiv kein nihilistisches "Babe" - das ist EMA, eine der derzeit spannendsten amerikanischen Musikerinnen. Wenn ein Album Präsident Trump stürzen könnte, dann "Exile in the Outer Ring".

"Exile In The Outer Ring" Tracklist:
1. 7 Years
2. Breathalyzer (Official Video)
3. I Wanna Destroy
4. Blood and Chalk (Official Audio)
5. Down and Out (Official Video)
6. Fire Water Air LSD
7. Aryan Nation (Lyric Video)
8. Nihilistic and Female
9. Receive Love
10. Always Bleeds
11. Where The Darkness Began


EMA im Netz: www.iwannadestroy.com und www.facebook.com/cameouttanowhere

EMA
Exile In The Outer Ring

CD 2017, 11 Tracks, CitySlang

Weiterhören auf AVIVA-Berlin:

EMA - Past Life Martyred Saints
Mit dem Kultduo Gowns machte sich Erika M. Anderson in LA einen Namen als vielversprechende Newcomerin. Nach der Trennung startet sie alleine durch und beeindruckt mit leidenschaftlich lärmigem, melodramatisch funkelndem Electro Folk. (2011)

Girlpool - Powerplant
Kindlich anmutende Strichzeichnungen auf dem Cover, abwechselnd sehr leichte und sehr schwere Gitarren, darüber mal lauter, mal gehauchter Gesang, immer im Duett – mit diesen eigenartigen und dabei überaus charmanten Elementen ziehen Girlpool sofort in ihren Bann. (2017)

Bad Cop / Bad Cop – Warriors
Kriegerischer Titel, angriffslustige Attitüde – das feministische Punkrockquartett Bad Cop/Bad Cop ("Not Sorry") aus Los Angeles/Kalifornien macht keine Kompromisse, ihr Album "Warriors" (Single: "Womanarchist") ist ein einziger Energierausch wobei das Thema Drogen-Rausch zumindest bei Sängerin/Shouterin Stacey Dee abgehakt ist. (2017)

Juliana Hatfield – Pussycat
Juliana Hatfield meldet sich mit einem Album zurück, das an politischer Eindeutigkeit nichts zu wünschen übrig lässt – wobei sich Hatfield nicht nur am aktuellen Präsidenten der Vereinigten Staaten abarbeitet. (2017)

Hurray for The Riff Raff - The Navigator
Die Band um Frontfrau, Songwriterin und Sängerin Alynda Segarra ("Small Town Heroes"), hat ein beeindruckendes Konzeptalbum geschaffen, das Folk und Lateinamerikanische Musiktradition vereint, um von Identitätssuche und Mut zum Widerstand in Verhältnissen der Unterdrückung zu erzählen. (2017)

Beth Ditto - Fake Sugar
Die feministische Popikone, Buchautorin, Designerin und ehemalige "Gossip"-Sängerin startet jetzt mit ihrem ersten Soloalbum durch. Riot Grrrl meets Country Girl. Unterstützt wurde sie dabei von der Grammy-nominierten Songwriterin, Bassistin und Produzentin Jennifer Decilveo. (2017)


Kunst + Kultur

Beitrag vom 03.09.2017

Christina Mohr 






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