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AVIVA-BERLIN.de im November 2020 - Beitrag vom 20.11.2007


Persepolis
Jule Fischer, Silvy Pommerenke

Aus den kultisch verehrten und autobiographischen Comicbänden von Marjane Satrapi "Persepolis – Eine Kindheit im Iran" und "Persepolis - Jugendjahre" ist ein grandioser Animationsfilm entstanden.




Teheran Ende 1970. Seit mehr als 30 Jahren regiert der Schah, der von vielen IranerInnen als Marionette der US-Regierung gesehen wird. Die Opposition ist geteilt. Das liberale Bürgertum erhofft sich von einer Revolution den Ausbau von Säkularisierung und Demokratie, allerdings ohne die Rechnung mit den ultrakonservativen Mullahs zu machen.

Der Schah wird 1979 abgesetzt, doch statt der ersehnten Demokratie folgt die Diktatur in Form der Islamischen Revolution. Marjane ist zu diesem Zeitpunkt zehn Jahre alt und bekommt hautnah die Repressionen mit. Sie erlebt aber auch die andere Seite der Gesellschaft, die sich trotz Unterdrückung zu vergnügen weiß. Davon lässt sich Marjane anstecken und eckt bald aufgrund ihres renitenten Verhaltens an, so dass die Eltern beschließen, ihre 14-jährige Tochter ins Wiener Exil zu schicken. Hier aber prallen die östliche und westliche Kultur aufeinander und sie fühlt sich fremd dort. Aus Heimweh kehrt sie in den Iran zurück, muss aber erkennen, dass es dort für sie keinen Platz mehr gibt...

Die fantastische zeichnerische Leistung verdankt der Film neben der Erfinderin der Comics, Marjane Satrapi, auch dem Zeichner Vincent Paronnaud. Als AnhängerInnen des deutschen Expressionismus und des italienischen Neorealismus schufen die beiden einen Realfilm, bei dem sie auf übliche Animationsmittel verzichteten und ihn wie einen Spielfilm schnitten.

Als weiterer Glücksgriff erweisen sich auch die Synchronstimmen, denn im französischen Original leiht Catherine Deneuve ihre Stimme der Mutter Marjanes, während für die deutsche Synchronisierung unter anderem Jasmin Tabatabai und Nadja Tiller gewonnen werden konnten.

Marjane Satrapi sagt über ihren Film: "Wenn ein westliches Publikum Iraner nach dem Film als die gleichen menschlichen Wesen ansieht wie den Rest von uns und nicht mit abstrakten Begriffen wie "Islamistische Fundamentalisten", "Terroristen" oder der "Achse des Bösen" bekleidet, dann habe ich das Gefühl, etwas erreicht zu haben."

Mit Sicherheit hat sie mehr als nur etwas erreicht, denn bei den 60. Filmfestspielen in Cannes erhielt Persepolis die längsten Standing Ovations des Festivals und wurde mit dem "Preis der Jury" ausgezeichnet.

Marjane Satrapi, geboren 1969 in Teheran, wurde durch die beiden Comicbände von "Persepolis" weltbekannt. Mit vierzehn Jahren verließ sie den Iran und absolvierte ihre Ausbildung in Wien. Vier Jahre später kehrte sie in ihre Heimat zurück, studierte visuelle Kommunikation, emigrierte 1994 erneut und lebt heute in Paris. 2004 wurde "Persepolis" auf der Frankfurter Buchmesse zum "Comic des Jahres" gewählt. Als letztes erschien ihre Gesellschaftssatire "Sticheleien".



Soundtrack:

Passend zum Kinofilm gibt es eine wundervoll tragische und magische Filmmusik, mit der man sich die beeindruckenden Bilder immer wieder musikalisch vor Augen führen kann. Komponiert wurde sie vom Newcomer Olivier Bernet, der seinen Schwerpunkt auf vielfältige Streichinstrumente gelegt hat. Um für den Film die angemessene östliche Stimmung zu erzeugen, bediente er sich – für europäische Ohren ungewohnt – typisch persischer Instrumente wie dem Santour ("Hackbrett"), der Zarb ("Handtrommel") oder der Daf ("Rahmentrommel"). Mit das schönste Stück auf dem Soundtrack ist wohl "The eye of the tiger", das im Original als Rockversion von "Survivor" geschrieben, und nun als orchestrale Songperle mit der Stimme von Chiara Mastroianni, der Tochter Catherine Deneuves, eingespielt wurde. Alles in allem ein gelungener und ansprechender Soundtrack, den man in Ruhe zu Hause genießen kann.

Persepolis
Original Soundtrack

Label: EMI / Delabel, November 2007

AVIVA-Tipp: "Persepolis" ist ein unkonventioneller, tiefgehender und sehr ästhetischer Animationsfilm in Schwarz-Weiß, dem es gelingt, tragische und hochkomplexe Themen nicht nur spannend, sondern sogar humorvoll zu erzählen.

Persepolis
Frankreich 2007, 96 Minuten
Regie: Marjane Satrapi, Vincent Paronnaud
Nach den gleichnamigen Comics von Marjane Satrapi
Verleih: Prokino Filmverleih GmbH
Kinostart: 22.11.2007
Weitere Informationen finden Sie auf der Website von "Persepolis": www.myspace.com/persepolislefilm

Marjane Satrapi
Persepolis - Eine Kindheit im Iran, Bd.1

Verlag Carl Ueberreuter, 2005
Einband Halbleinen, Seiten nicht paginiert, 160 Seiten
ISBN: 978-3-8000-5128-1
18,20 Euro

Persepolis – Jugendjahre, Bd. 2
Verlag Carl Ueberreuter, 2006
Einband Halbleinen, Seiten nicht paginiert, 160 Seiten
ISBN: 978-3-8000-5192-2
18,20 Euro


Kunst + Kultur > Film

Beitrag vom 20.11.2007

AVIVA-Redaktion 






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