Thelma – der norwegische Oscar®-Beitrag von Joachim Trier mit der norwegischen Neuentdeckung Eili Harboe. Kinostart: 22. März 2018 - Aviva - Berlin Online Magazin und Informationsportal für Frauen aviva-berlin.de Kunst + Kultur Film



AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2021 - Beitrag vom 22.03.2018


Thelma – der norwegische Oscar®-Beitrag von Joachim Trier mit der norwegischen Neuentdeckung Eili Harboe. Kinostart: 22. März 2018
Tina Schreck

Ein neuer Coming-of-Age-Film, der neben den Problemen des Erwachsenwerdens auch Homosexualität, Religion und übersinnliche Fähigkeiten zum Thema hat. Das zerrüttete Innenleben der paranormalen Protagonistin wird so gleich auf mehreren Ebenen auf eine harte Probe gestellt.




Der Weg vom Jugend- zum Erwachsenenalter kann schwer sein. Für die junge Thelma, die in den stillen Tiefen der norwegischen Wälder unter den strengen Augen ihrer religiösen Eltern aufwuchs, stellt das Osloer StudentInnenleben eine große Herausforderung dar. Die neu gefundene Unabhängigkeit bringt aufregende Versuchungen mit sich, die auf das schüchterne Mädchen eine eklatante Faszination ausüben. Alkohol, Drogen und Sex sind plötzlich zum Greifen nah, wären da nicht die von den Eltern forcierten, täglichen Telefonate, die ihr einerseits ein Gefühl von gewohnter Geborgenheit vermitteln, andererseits deren allgegenwärtige Dominanz über ihr Leben durchblicken lassen.

Elektrisierende Emotionen

Als Thelma in der Universitätsbibliothek erstmals Blicke mit ihrer hübschen Kommilitonin Anja austauscht, erleidet sie Sekunden später einen ebenso heftigen wie unerklärlichen Anfall. Doch nicht nur Thelma selbst, auch ihre Außenwelt scheinen davon betroffen: ganz in Hitchcock-Manier fliegt ein Schwarm schwarzer Vögel wie von einer höheren Macht gesteuert gegen die Fensterscheibe. Schnell wird klar, dass die rätselhaften Attacken mit der sexuellen Anziehung zwischen den jungen Frauen zusammenhängen. Denn je näher sich die beiden kommen, desto heftiger werden sie. Besonders deutlich wird dies in einer der Schlüsselszenen: Als die Freundinnen sich in der Dunkelheit des Opernsaals während eines gemeinsamen Ballett-Besuchs körperlich näherkommen, beginnt Thelmas Selbstkontrolle und metaphorisch dazu die hohen Decken des Konzerthauses zu bröckeln. Nur mit Mühe kann sie einen heftigen Anfall und das damit verbundene Desaster verhindern.

"Oh lord, save me from these thoughts"

Die überforderte und zutiefst verunsicherte Thelma verfällt in gewohnte Muster und sucht zunächst Erlösung in der göttlichen Absolution. Als die Situation sich immer weiter zuspitzt und Anja spurlos verschwindet, will sie den mysteriösen Geschehnissen auf den Grund gehen und taucht tief in die Vergangenheit ihrer eigenen Familiengeschichte ein, die beängstigende Antworten liefert.

Etwas von Allem

Joachim Triers ("Reprise", "Oslo, 31. August") neuester Film bedient gleich mehrere Genres und wirkt dabei leider stellenweise überladen. So bedient sich das Coming-of-Age-Horror-Drama Erfolgen wie "Blau ist eine warme Farbe", "Carrie" oder auch der Mystery-Serie "Stranger Things". Fraglich ist hierbei, ob die telekinetischen Fähigkeiten der Protagonistin auch ohne die sehr verhaltenen Szenen der lesbischen Liebe auskommen würden, da sich diese eben durch ihre starke Zurückhaltung nicht ganz ins Bild fügen wollen. Erklärung für Thelmas übertriebene Aversion gegen die eigenen, aufkeimenden Gefühle bietet einzig ihre streng christliche Erziehung, wodurch der Regisseur allerdings noch ein weiteres, sensibles Thema miteinbringt.

Trotzdem beeindruckt "Thelma" mit atemberaubenden Naturaufnahmen der norwegischen, winterlichen Wälder und auch die Hauptdarstellerin Eili Harboe überzeugt mit ihrem sensiblen sowie authentischen Spiel. All die sehnsüchtigen Blicke, ihre anfängliche Scheu, die sich gegen Ende hin in erhabene Coolness wandelt - die Newcomerin glänzt in der Rolle der facettenreichen Protagonistin, die allen Widrigkeiten zum Trotz versucht, ihren Platz in der Welt zu finden.

AVIVA-Fazit: "Thelma" ist die Geschichte einer schüchternen, jungen Frau, die aus ihrer Komfortzone auszubrechen versucht und bei jeder Überschreitung ihrer tief verinnerlichten Grenzen schweren, psychischen Erschütterungen ausgesetzt ist. Ein ideenreicher Film, der durch seine umfangreiche Themenvielfalt leider hier und da an Tiefgang verliert. Wo der Vogelschwarm als unheilvoller Vorbote noch schauderhaften Horror vermuten lässt, hält "Thelma" am Ende leider nicht, was er anfangs verspricht.

Thelma
Norwegen/Frankreich/Dänemark/Schweden 2017
Regie: Joachim Trier
Drehbuch: Eskil Vogt, Joachim Trier
Darsteller_innen: Eili Harboe, Kaya Wilkins, Henrik Rafaelsen, Ellen Dorrit Petersen, Grethe Eltervåg, Marte Magnusdotter Solem, Anders Mossling, Vanessa Borgli, Steinar Klouman Hallert, Ingrid Giæver, u.v.a.
Verleih: Koch Films GmbH
Lauflänge: 116 Minuten
FSK: 12
Kinostart: 22.03.2018
Filmwebsite und Trailer: thelma.film

Zur Hauptdarstellerin:Eili Harboe begann bereits in ihrer Kindheit zu schauspielern und war in Theaterproduktionen und als Sängerin auf der Bühne zu sehen. Ihre Filmkarriere startete sie als Teenagerin in dem Drama "Kompanie Orheim" (2012). In den Folgejahren übernahm sie die Hauptrolle in der romantischen Teenager-Komödie "Küss mich, verdammt nochmal! " (2013) und spielte die Jeanne d´Arc in dem Familienabenteuer "Doktor Proktors Zeitbadewanne" (2015). Außerdem war sie in dem norwegischen Katastrophenfilm "The wave - Die Todeswelle" (2015) zu sehen und spielte eine der Hauptrollen in "The ash lad" (2017). Für die Rolle der Thelma wurde die 23-Jährige beim Mar del Plata Filmfestival als Beste Schauspielerin ausgezeichnet. Zudem repräsentiert sie Norwegen als European Shooting Star bei der Berlinale 2018.

Weitere Infos zu Eili Harboe unter: www.imdb.com

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Carrie - ein Film von Kimberly Peirce mit Chloë Grace Moretz und Julianne Moore
Niemand will sein wie Carrie White: in der Schule wird sie von ihren MitschülerInnen grausam gemobbt und zuhause predigt ihr eine wahnhaft religiöse Mutter Selbsthass und Körperfeindlichkeit. (2013)

BLAU IST EINE WARME FARBE
Mädchen gehen mit Jungs aus – das stellt die 15-jährige Adèle nicht in Frage. Doch das ändert sich schlagartig, als sie Emma trifft. Die Künstlerin mit den blauen Haaren lässt sie ungeahnte Sehnsüchte entdecken, bringt sie dazu sich selbst zu finden, als Frau und als Erwachsene. (2013)


Kunst + Kultur > Film

Beitrag vom 22.03.2018

Tina Schreck 






AVIVA-News bestellen
  AVIVA-Berlin auf Facebook AVIVA-Berlin auf twitter



Das Glück zu leben - The euphoria of being. Ab 30.09.2021 im Kino

. . . . PR . . . .

Das Glück zu leben - The euphoria of being
Dokumentarfilm von Réka Szabó über die Entstehung einer Tanzperformance, in der die 90-jährige Éva Fahidi im getanzten Dialog mit einer jungen Tänzerin über ihr Leben und Schicksal erzählt, als einzige ihrer Familie das KZ Auschwitz überlebt zu haben.
Mehr zum Film und der Trailer unter: www.filmkinotext.de/das-glueck-zu-leben

Dear Future Children. Ab 14. Oktober 2021 im Kino

. . . . PR . . . .

Dear Future Children
Drei Länder, drei Konflikte, drei Frauen und ein ähnliches Schicksal: Doch sie haben nicht vor aufzugeben: Hilda in Uganda, Rayen in Santiago de Chile, und Pepper in Hongkong. Sie kämpfen weiter. Für ihre und unsere zukünftigen Kinder.
Mehr zum Film und Termine der Kinotour unter: www.camino-film.com/filme/dearfuturechildren

fair share! Sichtbarkeit für Künstlerinnen

Walter Kaufmann – Welch ein Leben! Bundesweiter Kinostart am 30.9.21

. . . . PR . . . .

Walter Kaufmann. Welch ein LebenDie Lebensgeschichte des jüdischen Schriftstellers und Korrespondenten Walter Kaufmann vom Kindertransport nach Großbritannien über die DDR und um die ganze Welt erzählt dieser berührende Film.
Alle Infos, der Trailer und Termine unter: www.walterkaufmannfilm.de

Unda Hörner - Scharfsichtige Frauen. Fotografinnen in Paris

. . . . PR . . . .

Unda Hörner - Scharfsichtige Frauen. Fotografinnen in Paris
Biografische Porträts der Fotokünstlerinnen, Porträtfotografinnen und Fotoreporterinnen Marianne Breslauer, Gisèle Freund, Dora Maar und Lee Miller im Paris der 1920er und 1930er Jahre.
Mehr Informationen zum Buch und Bestellung unter: www.ebersbach-simon.de

Online: Die Videoaufzeichnung der Panel-Diskussion "Fragmented Narratives"

Erinnerungspolitiken im Spiegel von Rassismus und Antisemitismus in Geschichte und Gegenwart.
Mit Dr. Lea Wohl von Haselberg, Veronika Kracher, Dr. Ingrid Strobl, Dr. Michal B Ron. Moderiert von Sharon Adler. Im Rahmen der Ausstellung mit Werken von Elianna Renner und Sharon Paz bei alpha nova & galerie futura

Roamers – Follow your Likes, Kinostart: 22. Juli 2021

. . . . PR . . . .

 Roamers – Follow your Likes
Der Dokumentarfilm ROAMERS erzählt von der Suche "Digitaler Nomaden" auf der Jagd nach dem nächsten, perfekten Moment nach Sinn und Halt in einer neuen, digitalen Welt unzähliger Möglichkeiten.
Mehr zum Film und Termine der Kinotour in Anwesenheit der Regisseurin Lena Leonhardt unter: www.camino-film.com/filme/roamers

Iris Schürmann-Mock – Frauen sind komisch. Kabarettistinnen in Porträt

. . . . PR . . . .

Iris Schürmann-Mock - Frauen sind komisch
Liesl Karlstadt, Valeska Gert, Maren Kroymann, Carolin Kebekus ... In zehn ausführlichen und fünfzig kurzen Porträts stellt die Journalistin und Autorin die Königinnen der Kleinkunst vor. Ihre Disziplinen: Comedy, Poetry Slam, Tanz, Pantomime, Chanson, Rap.
Mehr Informationen zum Buch und Bestellung unter: www.aviva-verlag.de


Kooperationen

GEDOK-Berlin
Paula Panke
RuT - Rad und Tat e.V.
Begine