Same Same But Different - Aviva - Berlin Online Magazin und Informationsportal für Frauen aviva-berlin.de Kunst + Kultur Film



AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2021 - Beitrag vom 15.12.2009


Same Same But Different
Claire Horst

Aus Thailand stammt die titelgebende Redewendung und auch die Hauptdarstellerin, doch die Geschichte von Benjamin und Sreykeo spielt in Kambodscha. Benjamin Prüfer, Journalist, hatte 2006 in der ...




... Zeitschrift "Neon" über seine Liebe zu der Kambodschanerin Sreykeo geschrieben. Auf einer Rucksackreise hatte der damals 23-Jährige die junge Frau in einem Club in Phnom Penh kennen gelernt. Was darauf folgte, war für ihn zunächst ein ganz normaler One Night Stand, eine Begegnung von vielen, wenn man jung und auf der Suche nach sich selbst ist. Wohin will ich, was mache ich hier, und wer bin ich überhaupt? Diese Fragen hat Benjamin im Kopf, als er sich ins Partyleben der Rucksackreisenden wirft.

Die Begegnung mit Sreykeo stellt alles auf den Kopf. Am Morgen nach der gemeinsam verbrachten Nacht fragt sie nach Geld. Ihre Familie lebt von ihren Einkünften als Prostituierte. Die Liebesgeschichte, die sich trotz dieser widrigen Umstände zwischen den beiden entwickelt, hat Prüfer in seinem Buch "Wohin du auch gehst" beschrieben, Detlev Buck hat sie jetzt verfilmt. Der recht naive und blauäugige Benjamin verliebt sich in Sreykeo und zieht zu ihr und ihrer Familie, als sein Freund Ed nach Deutschland zurückkehrt. Die Aufnahmen im Wohnblock "La Building" in Phnom Penh zeigen ein ungeschminktes Bild vom Alltagsleben in Kambodscha, ein Leben, das von Armut geprägt ist.

Sreykeos Blick auf die Dinge ist ein anderer und steht in dem Film gleichberechtigt neben der Perspektive von Benjamin. Sreykeo sieht sich als Geschäftsfrau, die für das Überleben ihrer Familie verantwortlich ist. Sentimentalitäten kann sie sich nicht leisten – umsonst ist nichts, und so muss Benjamin für das Zusammensein bezahlen. Als sie sich verlieben, schließen sie ein Abkommen: Nach seiner Rückkehr in die Heimat schickt Benjamin ihr Geld, wenn sie dafür auf die Prostitution verzichtet.
Same same but different – zwar wollen beide zusammen sein, doch Benjamin findet sich noch zu jung zum Heiraten, während Sreykeo genau darauf hofft. Für sie ist das eine existentielle Frage. Diese Situation ändert sich für beide abrupt, als Sreykeo einen Befund erhält: Sie ist HIV-positiv.

Kambodscha hat die höchste Infektionsrate in Asien – nach dem Abzug der vietnamesischen Besatzung 1991 und damit der Öffnung für den (Sex-)Tourismus breitete die Krankheit sich rasant aus. Dass die medizinische Versorgung katastrophal ist, hängt ebenfalls mit der Geschichte des Landes zusammen – die jahrzehntelange Abschottung führte dazu, dass es außer über Hilfsorganisationen keinen Zugang zu Medikamenten gibt.

Benjamin kämpft dafür, seine Geliebte medizinisch zu versorgen und muss dabei auch gegen ihre eigene Abwehr kämpfen, denn ihr Vertrauen zur westlichen Medizin ist nicht sehr hoch. Die AIDS-Problematik in Kambodscha steht allerdings nicht im Mittelpunkt des Films. Zwar zeigt "Same Same But Different" großartige Aufnahmen aus Kambodscha und vermittelt durchaus einen Einblick in die soziale Lage des Landes. Doch im Grunde ist es vor allem eine klassische Liebesgeschichte, die Detlev Buck erzählt: "Seit der Filmhochschule will ich einen Film machen, der nicht nur, wie so oft, ein bisschen Liebe beinhaltet, sondern nichts außer Liebe thematisiert. … Jetzt mit dieser wahren Geschichte von Benjamin Prüfer und Sreykeo sehe ich endlich die Zeit gekommen, den Film zu machen. Nie zuvor wurde mir so klar bewusst, dass die Bedeutung der Liebe mit der Verantwortung wächst."

AVIVA-Tipp: Die Liebe von Sreykeo und Benjamin hat sehr unterschiedliche Facetten. Es geht um Versorgung, um finanzielle Abhängigkeit, aber auch um Vertrauen und das Einstehen füreinander. Die zunächst absurd anmutende Geschichte des jugendlichen Praktikanten, der noch gar nicht weiß, was er mit seinem Leben anfangen soll und plötzlich Verantwortung übernimmt, berührt. Gerade dass die Beziehung zwischen einem westlichen Touristen und einer asiatischen Prostituierten so ganz anders erzählt wird als üblich, gerade dass beide nachvollziehbar und sympathisch geschildert werden, macht den Film zu etwas Besonderem.

Neben den beiden HauptdarstellerInnen Apinya Sakuljaroensuk und David Kross begeistern auch die NebendarstellerInnen. In Kambodscha hat das Team zahlreiche Mitwirkende gecastet, übrigens nicht nur als SchauspielerInnen, sondern auch für Aufgaben hinter der Kamera. Allein für die Szene in einer Diskothek wurden 150 StatistInnen engagiert. Zudem wartet der Film mit einem großartigen Soundtrack von Noir Desir über Cat Power zu Schubert auf.

"Same Same But Different" wurde am 13. August 2009 auf dem 62. Internationalen Filmfestival von Locarno erstaufgeführt und im Rahmen des Festival-Wettbewerbs mit dem "Variety Piazza Grande Award" ausgezeichnet. Außerdem lief er auf dem Toronto International Film Festival und auf dem London Festival of German Films.

Zum Regisseur: Detlev Buck ist Schauspieler, Autor, Regisseur und Produzent. Nach seinem Studium an der DFFB gründete er 1991 mit Claus Boje die Boje Buck Produktion. Für seine Filme erhielt Detlev Buck zahlreiche Preise, darunter den Bayerischen Filmpreis sowie den Deutschen Filmpreis in Silber für den Besten Film. Mit "Same Same But Different" inszenierte Buck seinen ersten Film außerhalb Deutschlands.

Same Same But Different
Deutschland 2009, 100 Minuten
Regie: Detlev Buck
Produktion: Boje Buck Produktion GmbH
mit David Kross, Apinya Sakuljaroensuk, Stefan Konarske u.v.a.
Dolby Digital, 35 mm
Starttermin Deutschland 21.01.2010

Der Film im Netz: http://samesame-themovie.com und www.mein-moment-der-liebe.de/

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Detlev Buck – "Knallhart"

"Der Vorleser" mit David Kross

Lesen Sie auch unser Interview mit Apinya Sakuljaroensuk.


Kunst + Kultur > Film

Beitrag vom 15.12.2009

Claire Horst 






AVIVA-News bestellen
  AVIVA-Berlin auf Facebook AVIVA-Berlin auf twitter



Dear Future Children. Ab 14. Oktober 2021 im Kino

. . . . PR . . . .

Dear Future Children
Drei Länder, drei Konflikte, drei Frauen und ein ähnliches Schicksal: Doch sie haben nicht vor aufzugeben: Hilda in Uganda, Rayen in Santiago de Chile, und Pepper in Hongkong. Sie kämpfen weiter. Für ihre und unsere zukünftigen Kinder.
Mehr zum Film und Termine der Kinotour unter: www.camino-film.com/filme/dearfuturechildren

Zuhurs Töchter. Kinostart am 04.11.2021

. . . . PR . . . .

Zuhurs Töchter
Das Regie-Team Laurentia Genske und Robin Humboldt zeichnet in ihrem neuen Werk das Porträt der beiden Transgender-Teenager Lohan und Samar, die in ihrer neuen Heimat Deutschland endlich ihre weibliche Identität entfalten können.
Mehr zum Film und der Trailer unter: www.camino-film.com/filme/ zuhurstoechter

Walter Kaufmann – Welch ein Leben! Bundesweiter Kinostart am 30.9.21

. . . . PR . . . .

Walter Kaufmann. Welch ein LebenDie Lebensgeschichte des jüdischen Schriftstellers und Korrespondenten Walter Kaufmann vom Kindertransport nach Großbritannien über die DDR und um die ganze Welt erzählt dieser berührende Film.
Alle Infos, der Trailer und Termine unter: www.walterkaufmannfilm.de

Das Glück zu leben - The euphoria of being. Ab 30.09.2021 im Kino

. . . . PR . . . .

Das Glück zu leben - The euphoria of being
Dokumentarfilm von Réka Szabó über die Entstehung einer Tanzperformance, in der die 90-jährige Éva Fahidi im getanzten Dialog mit einer jungen Tänzerin über ihr Leben und Schicksal erzählt, als einzige ihrer Familie das KZ Auschwitz überlebt zu haben.
Mehr zum Film und der Trailer unter: www.filmkinotext.de/das-glueck-zu-leben

Unda Hörner - Scharfsichtige Frauen. Fotografinnen in Paris

. . . . PR . . . .

Unda Hörner - Scharfsichtige Frauen. Fotografinnen in Paris
Biografische Porträts der Fotokünstlerinnen, Porträtfotografinnen und Fotoreporterinnen Marianne Breslauer, Gisèle Freund, Dora Maar und Lee Miller im Paris der 1920er und 1930er Jahre.
Mehr Informationen zum Buch und Bestellung unter: www.ebersbach-simon.de

Online: Die Videoaufzeichnung der Panel-Diskussion "Fragmented Narratives"

Erinnerungspolitiken im Spiegel von Rassismus und Antisemitismus in Geschichte und Gegenwart.
Mit Dr. Lea Wohl von Haselberg, Veronika Kracher, Dr. Ingrid Strobl, Dr. Michal B Ron. Moderiert von Sharon Adler. Im Rahmen der Ausstellung mit Werken von Elianna Renner und Sharon Paz bei alpha nova & galerie futura

Roamers – Follow your Likes, Kinostart: 22. Juli 2021

. . . . PR . . . .

 Roamers – Follow your Likes
Der Dokumentarfilm ROAMERS erzählt von der Suche "Digitaler Nomaden" auf der Jagd nach dem nächsten, perfekten Moment nach Sinn und Halt in einer neuen, digitalen Welt unzähliger Möglichkeiten.
Mehr zum Film und Termine der Kinotour in Anwesenheit der Regisseurin Lena Leonhardt unter: www.camino-film.com/filme/roamers

Iris Schürmann-Mock – Frauen sind komisch. Kabarettistinnen in Porträt

. . . . PR . . . .

Iris Schürmann-Mock - Frauen sind komisch
Liesl Karlstadt, Valeska Gert, Maren Kroymann, Carolin Kebekus ... In zehn ausführlichen und fünfzig kurzen Porträts stellt die Journalistin und Autorin die Königinnen der Kleinkunst vor. Ihre Disziplinen: Comedy, Poetry Slam, Tanz, Pantomime, Chanson, Rap.
Mehr Informationen zum Buch und Bestellung unter: www.aviva-verlag.de

fair share! Sichtbarkeit für Künstlerinnen


Kooperationen

GEDOK-Berlin
Paula Panke
RuT - Rad und Tat e.V.
Begine