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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2021 - Beitrag vom 10.02.2011


Food Inc.. Was essen wir wirklich. Jetzt auf DVD und Blu-ray
Britta Leudolph

Grünes Farmland, glückliche BäuerInnen, Tiere auf grünen Wiesen, all das suggerieren die wenigen Nahrungsmittelkonzerne, die den Markt in den USA zu großen Teilen beherrschen...




... Eine allzu schöne Illusion, das beweisen die ProduzentInnen von Food Inc..

Vor über einhundert Jahren, 1906, erschien in den USA das Buch "Der Dschungel" von Upton Sinclair. Der junge Schriftsteller beschrieb darin die Geschichte einer litauischen EinwandererInnen-Familie, die mit nichts als dem frommen Wunsch nach einem besseren Leben in Chicago ankommt. Alle finden sie eine Arbeit in den Schlachthöfen der Metropole und fast alle gehen aufgrund der unmenschlichen Arbeitsbedingungen an dieser Arbeit zugrunde. Damals ging ein Aufschrei durch die amerikanische Gesellschaft, Gewerkschaften engagierten sich, die Arbeitsbedingungen verbesserten sich Schritt für Schritt. Doch diese positive Veränderung hielt nicht an. Sie war nicht profitabel. Heute, 2011, sind es vorwiegend illegale mexikanische EinwandererInnen, die den unmenschlichen Arbeitsbedingungen ausgesetzt sind. Die Tiere, die in den riesigen Schlachthöfen verarbeitet werden, werden nicht mehr von Farmen geliefert, sondern stammen aus Massentierhaltung. Sie werden nicht mehr als Tiere betrachtet, sondern nur noch als Produkt. Was ist also von Firmen zu halten, die ihre MitarbeiterInnen ähnlich wie ihre Schweine behandeln?

Viele große Schlachtbetriebe werben inzwischen ihre Angestellten in Mexico an, mitunter wird sogar ein Busshuttle eingerichtet. Diese ArbeiterInnen haben einen illegalen Status – und somit auch keine Rechte. Bei Razzien der Einwanderungsbehörde werden in der Regel nicht allzu viele ArbeiterInnen verhaftet, damit der Betriebsablauf nicht gestört wird. Gegen die Konzerne selbst geht der Staat nicht vor.

Der Film "Food Inc. – Was essen wir wirklich?" beschäftigt sich umfassend mit den Auswirkungen der industrialisierten Lebensmittelproduktion. Die AutorInnen begeben sich auf Spurensuche in den USA, immer wieder enden ihre Recherchen vor Zäunen oder Mauern, die Lebensmittelkonzerne sind sehr darauf bedacht, dass niemand ihre riesigen Tierfarmen von innen sieht. Selbst wenn sich die FarmerInnen dazu bereit erklären, bekommen sie massiven Druck von VertreterInnen der Konzerne, dem sie sich nicht entziehen können. Immer sitzen sie am kürzeren Hebel.

"Food Inc." ist ein Rundumschlag gegen die wenigen großen Lebensmittelkonzerne der USA, die mehr als 80 Prozent des Marktes kontrollieren. Diese sind mit so einer umfangreichen Machtfülle ausgestattet, verfügen über so viel Kapital, dass sie es auf jeden Gerichtsprozess ankommen lassen können. Die DomentarfilmerInnen sprechen mit einer Mutter, die ihr Kind verlor, weil es ein mit e.coli infiziertes Fleisch gegessen hatte. Ihr wurde gerichtlich untersagt, das Essen der betreffenden Firma zu verunglimpfen. Sie sprechen mit einem Farmer, der es gewagt hatte, eigenes Saatgut zu verwenden, auf welches die Firma Monsanto ein Patent angemeldet hatte. Auch er konnte das Gerichtsverfahren nicht durchhalten, ihm fehlten schlicht die finanziellen Mittel. Es kommt also nicht darauf an, wer im Recht ist, sondern darauf, wer die finanziellen Mittel hat, den Gerichtsprozess durchzuhalten. Bisher ist das keiner FarmerIn gelungen. Es steht die Vermutung um Raum, dass sich Monsanto besonders erfolgreiche FarmerInnen heraussucht, an denen ein Exempel zur Abschreckung statuiert wird.

Der Film zeigt aber auch die andere Seite: FarmerInnen, die sich auf eine ökologogische Erzeugung spezialisiert haben. Und die sind ein Hoffnungsschimmer. Denn es ist zu spüren, dass immer mehr Menschen nicht mehr irgendetwas essen möchten. Immer mehr Menschen greifen auf Bio-Produkte zurück, wenn sie es sich denn leisten können. "Food Inc." war für den Oscar als bester Dokumentarfilm 2010 nominiert.

Zu den ProduzentInnen:

Robert Kenner
ist ein amerikanischer Drehbuchautor, Filmdirektor und –produzent.
Weitere Infos unter: robertkennerfilms.com/

Elise Pearlstein ist Produzentin und Drehbuchautorin. Vor Food Inc., produzierte sie Jessica Yu´s Dokumentation "Protagonist" und "The Million Dollar Recipe".

AVIVA-Tipp: "Food Inc. – Was essen wir wirklich?" reißt den großen Nahrungsmittelkonzernen ihre wohlbehütete Maske vom hässlichen Gesicht. Die AutorInnen scheuen sich nicht, Namen zu nennen, allerdings müssen sie auch keine Angst haben, dass ihnen die Existenz genommen wird, wie viele ErzeugerInnen, die durch Knebelverträge abhängig gemacht worden sind. Der Dokumentarfilm ist über weite Strecken erschütternd und manchmal so bedrückend, dass das Hinschauen schwer fällt. Nichtsdestotrotz enthält er viele wichtige Informationen für VerbraucherInnen, die verantwortungsbewusst handeln möchten. Ein Hinweis fehlt aber: Es reicht nicht, von nun an nur Bio-Produkte zu kaufen. Wichtig ist ein Wandel auf politischer Ebene, denn für einen großen Teil der Bevölkerung sind Bio-Produkte schier unerschwinglich, in den USA ist ein komplettes Burger-Menu nach wie vor wesentlich billiger als ein halbes Kilo Bio-Äpfel.

Food Inc. – Was essen wir wirklich?
USA, 2008, erschienen November 2010
Lauflänge: 93 Minuten
Sprachen: Deutsch, Englisch
Tonformat: Dolby Digital 5.1
Bildformat 90 Minuten
ProduzentInnen: Robert Kenner, Elise Pearlstein
Co-ProduzentInnen: Eric Schlosser, Richard Pearce, Melissa Robledo
Ausführende ProduzentInnen: William Pohlad, Robin Schorr, Jeff Skoll,
Diane Weyermann
Schnitt: Kim Roberts
Musik: Mark Adler
Verleih: Sunfilm Entertainment
www.foodincmovie.com

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Good Food. Bad Food. Anleitung für eine bessere Landwirtschaft

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Beitrag vom 10.02.2011

Britta Leudolph 






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