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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2021 - Beitrag vom 19.01.2015


Melissa Etheridge - This Is M.E.
Christina Mohr

Die Musikerin bleibt sich auf ihrem neuen Album absolut treu und schlägt gleichzeitig frische Töne an – kein Widerspruch, sondern lebenshungriges Statement der amerikanischen Musikerin.




Melissa Etheridge ist eine rundum bewundernswerte Künstlerin – frau weiß gar nicht, wo sie anfangen soll: Dass Etheridge seit fast dreißig Jahren erfolgreich Platten veröffentlicht, mit "Bring Me Some Water" und "The Way I Do" unkaputtbare Hits schrieb, sich auf der Vereidigungsfeier von Bill Clinton (!) als lesbisch outete, ihre Brustkrebserkrankung öffentlich machte, sich stets optimistisch zur Genesung äußerte und tapfer mit Chemotherapie-bedingter Glatze auftrat, dass sie überdies zwei Grammys gewann und einen Stern auf dem Walk of Fame bekam?

Die Aufzählung könnte noch einige Zeilen weitergehen, aber auch die verkürzte Version verdeutlicht: Es war an der Zeit für ein Album mit dem so schlichten wie selbstbewussten Titel "This Is M.E.", das – noch ein bedeutsames Zeichen – nicht mehr beim Majorlabel Island erscheint, sondern auf ihrem eigenen. Dass Etheridges Initialen das Wörtchen "me" bilden, ist ein hübsches, doppeldeutiges Detail, obwohl oder gerade weil an der neuen Platte so viele GastmusikerInnen und Producer beteiligt sind wie noch nie in ihrer Laufbahn. Schlagzeuger Jerrod Bettis, der auch für Adele und One Republic trommelt, Jerry Wonda (Produzent von Mary J Blige und den Fugees) und der 26-jährige Rapper und Producer Roccstar sind nur einige von M.E.´s Kollaborateuren.

Etheridge zeigt sich durchaus offen für neue Ideen, wie zum Beispiel den Urban-Beat in "Ain´t That Bad", der auf Roccstars Einfluss zurückgeht, oder den Einsatz von Cellistin Neyla Pekarek (The Lumineers), die für warme Klänge in einigen Songs sorgt. Definitiv im Mittelpunkt steht aber - "This Is M.E."! - Melissas unverwechselbare kratzige Stimme und ihre Les-Paul-Gitarre. Viele der Songs handeln von Liebe, glücklicher und unerfüllter, und behandeln nicht selten ihre eigenen Beziehungen. Mit den Balladen "Won´t Be Alone Tonight" und "Who Are You Waiting For?" dürften sich viele Fans identifizieren können, ebenso mit "Do It Again", einer für Etheridge so typischen "Du-schaffst-das-schon"-Durchhalte-Rockhymne, die ihre positive Energie aus überstandenem Kummer zieht. In "Monster" ertönt eine dreckige, raue Slide-Gitarre, im Text spielt sie auf ihre Rolle als lesbische Frau und Mutter von per Samenspende gezeugten Kinder an – allerdings nicht ohne ironisches Augenzwinkern: "I´m Gigantic / Titanic / I Might Cause A Panic / Here Come the Monster / Everybody Run". Vielen Stücken ist anzumerken, dass sie für Liveauftritte komponiert wurden: Die Refrains von "A Little Hard Hearted" oder "Do It Again" sind wie gemacht für das Mitsingen aus Tausenden Fan-Kehlen. Frau spürt deutlich: Melissa liebt es, auf Tour zu sein – und es dürfte nicht mehr lange dauern, bis M.E. auch hierzulande zu Gast sein wird.

"M.E." ist trotz vieler Gäste ein durch und durch klassisches Etheridge-Album – und das ist das einzige, das frau ihr vorwerfen könnte: Dass sie bis auf ein paar winzige musikalische Experimente so klingt wie immer. Also authentisch-raubeinig und gefühlvoll zugleich, am Liebsten rockend, aber stets auch Rotwein-und-Kerzen-Balladen im Repertoire.

AVIVA-Tipp: Wer nicht erwartet, dass sich Melissa Etheridge "neu erfindet", sondern das Bodenständige und Authentische an ihr schätzt, wird mit "This Is M.E." viel Freude haben. An den vielen privaten Fotos im Booklet auch.

Melissa Etheridge
This Is M.E.
Label: MLE/SPV
VÖ Deutschland Januar 2015

Melissa Etheridge im Netz: www.melissaetheridge.com und www.facebook.com/MelissaEtheridge

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Beitrag vom 19.01.2015

Christina Mohr 






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