Brigitte - A bouche que veux-tu - Aviva - Berlin Online Magazin und Informationsportal für Frauen aviva-berlin.de Kunst + Kultur Music



AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2021 - Beitrag vom 09.11.2015


Brigitte - A bouche que veux-tu
Kristina Tencic

Das zweite Album des französischen Erfolgsduos Brigitte lässt uns wieder sinnlich die Hüften schwingen - die Neo-Soul-Sisters Aurélie Saada und Sylvie Hoarau hauchen uns ihren sehr eigenen...




... Diskorhythmus ein, der mit Konnotationen sowohl zur Erotik als auch zu einem Frauenbild der 70er Jahre spielt.

Dieser Fingerzeig in Richtung 70er Jahre ist etwa in Track 4, Oh Charlie cherie zu vernehmen, wenn sich das Frauen-Duo dem Schwarm Charlie zu Füßen legt. Der Song lässt an Jackie Moores "Sweet Charlie" von 1973 denken, in dem Jackie Moore den tollsten Mann der Stadt, Charlie, anhimmelt und sich hingebungsvoll einreiht in die Schlange seiner Anwärterinnen, und einfach auf ihn wartet, bis er sich vielleicht irgendwann erbarmt, sie zu heiraten. So weit gehen die toughen Französinnen natürlich nicht, aber vielleicht haben sie sich ja inspirieren lassen, wer weiß.

Brigitte, die sich 2008 auf der Asche der Solokarrieren der Sängerinnen Aurélie Saada und Sylvie Hoarau gegründet haben, bewegen sich musikalisch zwischen Neo-Folk, Indiepop und Neo-Soul, äußerlich hingegen zwischen urbanem Hippietum, dem sie sich vor allem mit ihrem ersten Album verschrieben haben. Strenge-Lehrerin-Erotik-Look mit akkuratem Schnitt und schwarzer Hornbrille, und nun auch dem 70er Jahre Diva-Diskopop. Ihr zweites Album "A bouche que veux-tu" ist an vielen Stellen ein bisschen wie eine Musikgewordene Burlesque-Show – frau/man sieht nichts und doch lässt die Fantasie einiges erahnen und wird beflügelt.

Brigitte hauchen lasziv Gute-Laune-Songs, aber warten auch mit genügend Tiefsinn und Chuzpe auf. Chuzpe etwa, wenn das Duo singt, dass Mädchen nicht weinen und auch nur wie jeder andere Junge sind, mit oder ohne etwas in der Hose (Track 8: Les Filles ne pleurent pas) oder nachdenklich, wenn in ihrem geträllerten Liebeslied (Track 5: Le déclin) die Frage aufgeworfen wird, ob er sie denn auch morgen noch lieben wird. Das Lied erzählt von der Liebe, die langsam verschwindet und der leisen Hoffnung, dass diese ersten verrückten Liebesmomente vielleicht doch noch einmal wiederkehren, Fragezeichen.

Sehr hörens- und auch lesenswert ist das Lied und der Songtext von Embrassez-vous (Track 6), das eine poetische Hymne an das Küssen ist, in dem uns Brigitte auffordern, uns mal wieder ausgiebig zu küssen, um die blutrünstige Einsamkeit zu beseitigen. Alle Melodien und Songtexte sind im übrigen von Brigitte komponiert und geschrieben, was nur noch einmal das Herzblut hervorhebt, das in Brigittes musikalischem Oeuvre steckt.

AVIVA-Tipp: "A bouche que veux-tu" ist ein Ausdruck aus dem 17. Jahrhundert, der auf die Üppigkeit, Fülle und im zweiten Schritt auch auf erotische Er- / Ausfüllung hinweist. Hier ist es mit Sicherheit die Herzensgröße, überbordende Liebe und Lebenslust, die Brigitte ihren ZuhörerInnen mitgeben, die von Überfluss zeugen und den Ton angeben. Mit Gelassenheit und Augenzwinkern sind Brigitte einfach alles, was Frau von heute sein kann - Lolita, Mutter, feurige Liebhaberin, ausgelassene Partygängerin, verständnisvolle Freundin, reflektierende Schreiberin, schwärmerischer Teenie, selbstbestimmte Diva…wir können uns die Freiheit erlauben nicht wählen zu müssen, wie Brigitte in Plurielle (Track 10) singen ("Oser choisir de ne pas choisir et s´offrir l´infini des possibles").

Zu den Sängerinnen: Aurélie Saada und Sylvie Hoarau hatten beide schon eine gescheiterte Solokarriere hinter sich, als sie sich zusammengetan und das Duo Brigitte gegründet haben. Brigitte spielt natürlich auf Brigitte Bardot, aber auch an Brigitte Fontaine und Brigitte Lahaie. Ihr erstes Album "Et vous - tu m´aimes?" aus dem Jahre 2011 verkaufte sich über 200.000 mal und wurde auf über 250 Live-Auftritten performt. 2012 erhielt die Gruppe den Newcomer-Preis bei der "Victoires de la Musique" Musikpreisverleihung.

Schon seit ihrer Kindheit waren die zwei Sängerinnen von Musik umgeben. Sylvies Vater, der von der Insel La Reunion stammt, begeisterte die Tochter nicht nur für die kreolische Küche, sondern mit seiner Gitarre auch für Musik und Gesang. Die Pariserin Aurélie, Tochter tunesicher JüdInnen, übernahm von ihrer Mutter die Begeisterung für Led Zeppelin und trat schon früh in der Pianobar ihres Onkels mit Stücken von Stevie Wonder, Prince und Elton John auf. Außerdem spielte sie in der jiddischen Band Adama. Aurélie versucht sich aber auch in anderen Kunstformen: Sie besuchte Kurse an Theaterschulen und ist seit den neunziger Jahren in Kurzfilmen, TV-Serien und am Theater zu sehen, noch lieber arbeitet sie allerdings als Autorin hinter der Bühne.
Ihr liebstes Steckenpferd bleibt bis heute jedoch die Musik. Im Alter von 23 Jahren unterschrieb Aurélie ihren ersten Plattenvertrag und veröffentlichte unter dem Pseudonym Mayane Delem 2003 mit mäßigem Erfolg ihr erstes Soloalbum Un monde ailleurs.
Ihr zweites Album produzierte sie selbst, nun nur noch als Mayane (hebräisch für "die Quelle"). Für drei ihrer Songs bat sie die Sängerin der Band Vendetta, die Musik zu schreiben. Aurélie sah die Band auf einer Party in Paris und war sofort von der Frontfrau begeistert. Es war Sylvie Hoarau.

Diese wurde in der Hafenstadt Rouen geboren, zog Anfang der Neunziger nach Caen, wo sie mit zwei Schulfreunden ihre Band Topaze gründete. 2004 erschien ihr erstes Album Drôle d´idée beim Label Barclay, der große Erfolg blieb jedoch auch für Sylvie aus. Ihren zweiten Longplayer stellten sie zwar fertig, allerdings wurde er nie veröffentlicht. Daraufhin löst sich Vendetta auf.

Nachdem Sylvie die Musik für Aurélies Songs komponiert hatte, beschlossen sie, gemeinsam die Musik zu schreiben, die sie schon immer spielen wollten. Morgens brachte Sylvie ihre Kinder in die Schule und machte sich dann auf den Weg zu Aurélie und deren zwei kleinen Töchtern. Am Küchentisch setzten sie sich zusammen, komponierten Songs, weinten, lachten, und wurden als Sängerinnen und Musikerinnen selbstbewusster.

Der musikalische Durchbruch für Brigitte kam mit ihrer Coverversion des NTM-Rapsongs Ma Benz, die sie für ein Vintage Erotik Festival aufgenommen hatten. In Brigittes Version wollten sie und Sylvie die positive Botschaft besonders für Frauen herausstellen. Es geht um Sexualität und Begehren – nicht allein Männerthemen. Ihr Coversong ist ein Aufruf, sich freizumachen von Restriktionen: "don´t be afraid to be the most beautiful, the most sexy woman you have inside you"

Der Videoclip dazu wurde ein Internethit und bei MTV und im Radio gespielt. Bald unterschrieben die Zwei einen Plattenvertrag bei 3eme bureau . Das Label ließ ihnen absolute artistische Freiheit: Die individuell gestalteten Outfits, Fotoserien und Musikvideos, die das Meisterwerk Brigitte abrunden, sind allesamt den kreativen Köpfen von Sylvie und Aurélie entsprungen.

Brigitte
A bouche que veux-tu

B. Records
Veröffentlichung: 27.03.2015
19,99 Euro
www.brigitteofficiel.com

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Die Rezension zu Brigittes Debut-Album "Brigitte - Et vous, tu m´aimes?" (2012) Vintage-Chic, große Brillen und ein Herz wie Kaugummi. Der neue Geheimtipp aus Frankreich nimmt uns mit auf eine swingende Zeitreise in die Sechziger, Siebziger und zurück.

Das AVIVA-Berlin-Interview mit Brigitte (2012). The French duo was transformed from "losers" to successful musicians and self-confident women. But how? With their unique musical and fashion style they are definitely a band to look out for.




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Beitrag vom 09.11.2015

Kristina Tencic 






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