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AVIVA-BERLIN.de im Juli 2021 - Beitrag vom 19.05.2016


Rokia Traoré - Né So
Christina Mohr

Mit ihrem sechsten Album "Né So" platziert die Sängerin, Songwriterin und Multi-Instrumentalistin Rokia Traoré wie schon auf ihrem Vorgängeralbum "Beautiful Africa" ihre Heimat Mali eindrucksvoll auf der popkulturellen Landkarte.




"Né So" bedeutet Heimat auf Bambara, Rokia Traorés Muttersprache, und Heimat bzw. deren Abwesenheit durchzieht ihr Werk von Anfang an. 1974 wurde die Künstlerin in der Stadt Kolokani geboren, wegen der diplomatischen Tätigkeit ihres Vaters musste die Familie oft umziehen. Rokia wuchs unter anderem in Algerien, Saudi-Arabien, Belgien und Frankreich auf und sog vor allem die verschiedenen Musikrichtungen der jeweiligen Länder in sich auf. Traorés Eltern wollten auf keinen Fall, dass ihre Tochter Musikerin wird – aber wie es oft so kommt: Rokia entschied sich genau für diese Laufbahn. Schon vor gut zwanzig Jahren wurde sie mit renommierten französischen Musikpreisen ausgezeichnet, darunter von Radio France Internationale,, und bis heute gilt sie als eine der politisch engagiertesten künstlerischen Stimmen aus Afrika. Im August 2013 ehrte sie die französische Regierung mit dem Orden der Künste und der Literatur, der ihren herausragenden Beitrag zur Kunst würdigte, sie selbst bezeichnet ihre Musik lapidar als "zeitgenössische Musik aus Mali". Traorés Lieder weisen allerdings weit über Mali hinaus, erreichen Menschen in aller Welt, vor allem in Europa: Als 1998 ihr erstes Album Mouneïssa erschien, wurde es für die Kombination unterschiedlicher afrikanischer Traditionen gelobt und in Europa stolze 40.000 Mal verkauft. Im Mittelpunkt ihrer Texte stehen vor allem soziale Themen, sie singt aber auch von Beziehungen und Liebe. Ein weiterer ihr wichtiger Punkt ist die Stellung von Frauen und Kindern in Afrikas Gesellschaft.

Auf ihrem neuen Album äußert sich Rokia Traoré deutlich zur politischen Situation in Mali: Nach langem Herumreisen zog sie 2009 zurück in ihr Heimatland, das kurz darauf vom Bürgerkrieg gebeutelt und zerrissen wurde. Um sich und ihren kleinen Sohn zu schützen, ging sie zurück nach Europa – eine Entscheidung, die ihr nicht leicht fiel und mit der sie bis heute durchaus hadert. Ihre Erfahrungen mit den politischen Veränderungen flossen in die neuen Songs ebenso ein wie ganz persönliche Thematiken wie Selbstzweifel und Trauer. Ihre Coverversion von Billie Holidays Klassiker "Strange Fruit" berührt daher auf ganz besondere Weise, aber es sind vor allem Traorés eigene Songs, die bewegen: Sie mischt französisch anmutende Chanson-Elemente mit afrikanischen Rhythmen und Melodiebögen, und dockt unüberhörbar an angloamerikanisch geprägten Popsound an – was nicht von ungefähr kommt, denn "Né So" wurde wie das Vorgängeralbum "Beautiful Africa" von John Parish produziert, der für seine Arbeit mit PJ Harvey und Tracy Chapman bekannt ist. Traoré singt auf Französisch ("Amour", "Tu Voles"), meist aber auf Bambara, was ihre Songs authentisch macht. Auch wenn frau die Texte nicht verstehen kann, bleibt dank Traorés rauher, warmer Stimme ein intensiver Eindruck – Musik, die mehr sein will als glatte Oberfläche. Als GastsängerInnen sind John Paul Jones, Devendra Banhart und die große afrikanische Schriftstellerin Toni Morrison zu hören. Mit Morrison und Regisseur Peter Sellars kollaborierte Rokia unlängst für ein Theaterstück, ein weiterer Beleg für Traorés Vielseitigkeit.

AVIVA-Tipp: Rokia Traoré verknüpft mit leichter Hand die unterschiedlichsten musikalischen Einflüsse – dass sie "nebenbei" politisch brisante Botschaften vermittelt, gehört zur großen Kunst dieser faszinierenden Frau.

Rokia Traoré
Né So

Album 2016, elf Tracks, Nonesuch/Warner

Rokia Traoré im Netz: www.rokiatraore.net

Weiterhören auf AVIVA-Berlin:

Rokia Traore – Tchamantche
Mal einfühlsam, mal fordernd, zart dahingehaucht und raumeinnehmend – die Stimme der aus Mali stammenden Sängerin ist vielseitig und auf ihrem neuen Album das wichtigste Instrument. (2008)

Tracy Chapman - Greatest Hits
Die Künstlerin singt mit ihrer typisch warmen, tiefen und rauen Stimme von Liebe, häuslicher Gewalt, Armut, Rassismus und Ausgrenzung. Ihre Songs berühren uns seit 25 Jahren. Ihre besten Songs in einer neuen Compilation. (2016)

Fatoumata Diawara - Fatou
Lebhafte Gitarrensongs, getragen von einer unverwechselbaren Stimme: Mit ihrem Debütalbum erfindet die junge Malierin Fatoumata Diawara das einst von Joan Baez geprägte Bild des Mädchens mit der Gitarre neu - passend zu einer anderen Zeit und einem anderen Kontinent. (2011)




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Beitrag vom 19.05.2016

Christina Mohr 






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