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AVIVA-BERLIN.de im April 2021 - Beitrag vom 04.04.2011


Marianne Faithfull - Horses and High Heels
Lisa Erdmann

Auch nach 40 Jahren Showbiz hat diese Frau eines nie verloren - ihre einmalige Charakterstimme. Auf ihrem mittlerweile 23. Album röhrt und kratzt, jubelt und leidet die Ausnahmesängerin ...




... wieder sympathisch mainstreamfern und bodenständig – und hat nach vielen Jahren endlich auch wieder einige eigene Songs im Gepäck.

Nach drei Jahren der Pause meldet sich die lkone der 1960er Jahre, Marianne Faithfull, mit ihrem neuen Album "Horses und High Heels" zurück. Die tiefere Bedeutung des Titels bleibt Vermutung, sicher ist jedoch, dass wilde Pferde der Britin schon einmal zu großer Aufmerksamkeit verhalfen. Der angeblich von Ex-Lover Mick Jagger verfasste Song "Wild Horses" sorgte im Jahr 1969 für Aufsehen. Angeblich basierte er auf etwas, das Faithfull nach einem Drogenabsturz zu Jagger gesagt hatte.

Die mittlerweile 64-Jährige, die einst regelmäßig im Heroinrausch unterging, ist heute eine lebende Legende des Pop/Rock und tritt mit ihrem aktuellen Werk endlich wieder als Songwriterin in Erscheinung. Lieh sie bei ihren letzten Veröffentlichungen noch fremden Songs ihre Stimme, hat sie sich diesmal, neben einigen Coverversionen, bei vier der dreizehn Songs als Co-Autorin versucht.

Produziert wurde "Horses and High Heels" von ihrem langjährigen Weggefährten Hal Wilner. Betrachtet frau das Tracklisting dieses Albums einmal genauer, dann scheint es, als könne dieser Grande Dame noch immer keiner widerstehen. Wenn die Faithfull ruft, dann strömen selbst die wildesten Kerle in Scharen ins Studio. Da greift Lou Reed beherzt die Gitarre, schwingt Dichter Frank McGuinness die Songwriter-Feder und auch Altrocker Wayne Kramer und Folk-Legende R. B. Morris lassen sich für die Diva nicht lumpen.

Dennoch sind es vor allem die vier eigenen Songs, mit denen Marianne Faithfull ihre Hörerinnen überzeugen kann. Das auf den düsteren Opener folgende "Why did we have to part" hadert glaubwürdig mit Trennungsschmerz, das countryeske "Prussian Love" lässt frau wieder hoffen und spätestens bei "Eternity" wippen die Füße gut gelaunt mit. Jackie Lomax` "No Reason" rettet sich vor allem durch groovige Gitarrenriffs und auch das von Dr James P Walsh arrangierte "Past Present And Future" tanzt zuweilen auf dem schmalen Grad zwischen Graus und Größe. Etwas zu gestenreich und getragen kommen schließlich die Titel "Horses and High Heels" und das chorale "Back In Baby`s Arms" daher.

Trotzdem, oder gerade deshalb: Marianne Faithfull ist und bleibt auch nach über vierzig Jahren eine unbestreitbare Größe des Singer-/SongwriterInnentums. Nicht nur durch ihre unzähligen Songs, auch durch ihre schauspielerische Leistung (zum Beispiel in dem Film "Irina Palm") bewies sie, dass sie mehr ist, als ein ehemaliges Rock-Sternchen und Groupie der Stones – nämlich eine Ausnahme-Erscheinung des letzten Jahrhunderts. Und wenn diese Frau uns den Blues so klangschön wie bei "Thats How Every Empire Falls" spielt, verzeihen wir ihr von Herzen gern den ein oder anderen musikalischen Fehlgriff.

Marianne Faithfull im Netz: www.mariannefaithfull.org.uk

AVIVA-Tipp: Auf die anfängliche Dunkelheit folgen die ersten Sonnenstrahlen. "Horses and High Heels" zieht soulig runter und baut rockig wieder auf. Was am Ende bleibt, ist ein Lächeln und eine gute Portion Zuversicht. Und die innige Bitte, dass dieses Album nicht Marianne Faithfulls letztes Klangwerk war.


Marianne Faithfull
Horses and High Heels

Label: Naive (Indigo), VÖ: Januar 2011


Weiterhören/sehen auf AVIVA-Berlin:

Marianne Faithfull - Before The Poison

Marianne Faithfull - Kissin Time

Marianne Faithfull - Memories

Irina Palm



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Beitrag vom 04.04.2011

Lisa Erdmann 






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