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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2021 - Beitrag vom 14.06.2011


Madeleine Peyroux - Standing On The Rooftop
Marie-Luise Wache

Mit mutigeren Klängen, einer reiferen Stimme, die sich auch über den Jazz hinaus orientiert und neuen musikalischen WeggefährtInnen begeistert die US-amerikanische Sängerin mit einem fünften,...




...abwechslungsreichen Album.


Im Alter von 22 Jahren erschien das Debüt "Dreamland" der ehemaligen Straßenmusikerin, seitdem sind drei weitere erfolgreiche Alben erschienen.
Nachdem sie mehrere Auszeichnungen und Anerkennung von internationalen Top-MusikerkollegInnen für ihre Arbeit erhielt, fand Madeleine Peyroux zwei Jahre nach dem letzten Album "Bare Bones" nun die Inspiration, sich auf andere Art und Weise mit Eigen- und Fremdkompositionen auseinander zu setzen.

"Für dieses Projekt wünschte ich mir ein breiteres musikalisches Szenario als auf den vorausgegangenen Alben", erklärt Madeleine Peyroux. "Ich wollte diesmal härtere, ja sogar hässliche Klänge ausprobieren..."
Dass die Klänge, die Peyroux einsetzt, nicht wirklich hässlich sind, versteht sich von selbst. Nach wie vor ist der gewohnt sanfte Klang ihrer Stimme und die Ähnlichkeit zu Billie Holiday und Sarah Vaughn unverkennbar, wie sie ihr unter anderem auf AVIVA-Berlin bescheinigt wird, und verleiht "Standing On The Rooftop" die typische Handschrift der Künstlerin. Jedoch erweitern verzerrte Gitarrenlaute und ein übereinandergelegter Hall streckenweise den Sound des neuen Albums erheblich.

Um ihr selbst gesetztes Ziel eines neuen Klangs zu erreichen, hat sie sich Unterstützung durch hochkarätige SongwriterInnen und MusikerInnen geholt. Nachdem die letzten drei Alben von Larry Klein produziert worden sind, übernahm Craig Street, der dafür bekannt ist, KünstlerInnen aus der Reserve zu locken und unter anderem mit Rebekka Bakken, Norah Jones oder k.d. lang zusammenarbeitete, diesen Part bei "Standing On The Rooftop".

Neben einigen selbstkomponierten Stücken sind Neuinterpretationen der Klassiker "Martha My Dear" von den Beatles, "Love In Vain" vom Blueshelden Robert Johnson und Bob Dylans "I Threw It All Away" auf dem neuen Album zu hören, von der Künstlerin in aufregender Weise neu interpretiert.

Eine weitere Herausforderung bildete die Zusammenarbeit mit neuen Partnern fürs Songwriting, so mit dem ehemaligen Rolling-Stones-Bassisten Bill Wyman. Gemeinsam komponierten sie einen der stärksten Songs auf dem Album: "The Kind You Can`t Afford", welcher mit einem groovigen Bass eine Coolness und Lässigkeit transportiert, wie man sie in der Vergangenheit von Madeleine Peyroux selten zu hören bekommen hat. Nur David Batteau, der auf dem Album unter anderem den Titelsong beisteuerte, ist zum wiederholten Mal als Komponist für die aus Georgia stammende Sängerin tätig.

Das Zusammenspiel mit den in verschiedenen Musikstilen verankerten Bandmitgliedern und Madeleine Peyroux, die sich eher im Jazz zu Hause fühlt, macht den Sound des neuen Albums aus. Die verschiedenen Einflüsse der außerordentlich talentierten MusikerInnen ist mal groovig, mal bluesig oder funky und bildet den Hintergrund für die unverkennbare Stimme der Sängerin.
Besetzt ist das Ensemble mit der Bassistin Me`Shell Ndegeocello, welche unter anderem für Santana und die Rolling Stones spielte, dem Gitarristen und Banjospieler Marc Ribot, der bereits mit Tom Waits und Elvis Costello arbeitete, Schlagzeuger Charley Drayton, welcher mit Neil Young und Johnny Cash auf der Bühne stand, der mit Norah Jones arbeitende Keyboarder John Kirby und Gitarrist Chris Bruce, der sein Können mit Seal oder John Legend unter Beweis stellte.

Anspieltipps: Mit "The Things I`ve Seen Today" ist der Sängerin gemeinsam mit der Violinistin Jenny Scheinman ein sehr düsteres, faszinierendes Stück gelungen. Dunkle Gitarren und eine schwere Melodie tragen Madeleine Peyrouxs Gesang, ein Hall, der mehr Tiefe schafft, unterstützt den etwas unheimlichen Sound.
Ein weiteres Stück , das zu dieser neuen, experimentellen Riege zählt und mit einem besonders verzerrten Klang wirkt, ist der Titelsong zum Album "Standing On The Rooftop". Die Mystik einer stürmischen Nacht, die außerhalb von Zeit und Raum steht - bis die Sonne aufgeht – wird durch einen abgehackten Rhythmus, dunkle Trommeln und wiederholt von einem groovigen Basslaut eingefangen. Gleichzeitig brilliert Madeleine mit einem in den Blues abdriftenden Gesang.
Langjährige Peyroux-HörerInnen können aber beruhigt sein, denn es finden sich neben diesen abenteuerlichen Songs auch verträumte, bluesige und funkige Stücke, wie "Lay Your Sleeping Head My Love", das einen leichten Genuss durch eine einfache Melodie von Gitarre und Piano schenkt oder das Bob Dylan Cover "I Threw It All Away". Mit langgezogenen Lauten, einer schleppenden Sprache und elektronisch veränderten Instrumenten interpretiert Madeleine die alte Version "Love in Vain" von Blueslegende Robert Johnson völlig modern, jedoch ohne die Einflüsse des ursprünglichen Genres auszublenden.

"Ich bin noch dieselbe Sängerin, die ich schon als Teenager war, das heißt: eine Sängerin, die in die Musik hineinwachsen möchte, egal woher sie stammt. Ich denke nicht, dass ich etwas aufgegeben habe. Ich habe vielmehr etwas hinzugefügt."

AVIVA-Tipp: In "Standing On The Rooftop" hat Madeleine Peyroux in Zusammenarbeit mit hervorragenden KünstlerInnen die komplette Spannbreite ihres Talents ausgeschöpft. Die US-amerikanische Sängerin ist an der neuen Herausforderung gewachsen, ohne etwas von ihrer alten musikalischen Stärke zu verlieren. Sowohl für Fans als auch für "Neuzugänge" ist es diese spannende Entwicklung, die unbedingt zum Hören anregen sollte.


Madeleine Peyroux
Standing On The Rooftop

Label: Emarcy Records (Juni 2011)

www.madeleinepeyroux.com

www.jazzecho.de/madeleine-peyroux

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Madeleine Peyroux - Half the perfect world

Madeleine Peyroux - Bare Bones


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Beitrag vom 14.06.2011

AVIVA-Redaktion 






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