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AVIVA-BERLIN.de im Mai 2018 - Beitrag vom 25.01.2008

Birgit Daiber und Richarda Buch. Risikoexistenz Frau
Yvonne de Andr├ęs

Zur Geschichte von Frauennetzwerken und Frauenbetrieben in Berlin. Ein kurzer Abriss dar├╝ber, wie in Berlin alles anfing und zum Aufbau von Ideen der Solidarit├Ąt und Selbsthilfe zwischen Frauen.



"Die Geschichte der Frauenbetriebe, Netzwerke und Projekte in Berlin ist ohne die fr├╝he Geschichte der Frauenbewegung der siebziger und achtziger Jahre undenkbar." Birgit Daiber und Richarda Buch unternehmen den Versuch, anhand der wesentlichen Projekte und Netzwerke die Geschichte von Frauennetzwerken in Berlin grob zu umrei├čen. Ausf├╝hrlich dargestellt werden: Das Frauenfinanzierungsnetzwerk Goldrausch, der AK Staatsknete, die Regionale Entwicklungsagentur f├╝r Frauen (REA), die WeiberWirtschaft e.G. und als aktueller Beitrag die Entwicklung der Tauschringe.

Der Fall der Mauer 1989 war eine gro├če Z├Ąsur. Der damals einsetzende Transformationsprozess ist heute noch nicht abgeschlossen. Nicht alle Frauenprojekte in Westberlin haben den Prozess ├╝berlebt. Der AK Staatsknete und die Regionale Entwicklungsagentur f├╝r Frauen (REA) bestehen heute nicht mehr. Das Gr├╝nderInnenzentrum "WeiberWirtschaft", das gr├Â├čte in Europa, hat dagegen an Bedeutung gewonnen. Im Januar 1987 organisierte der AK Staatsknete eine Tagung mit einem Workshop zum Thema "Frauen schaffen sich ihre Arbeitspl├Ątze selbst". Dies war die Initialz├╝ndung f├╝r die Entstehungsidee der "WeiberWirtschaft". 1991 gr├╝ndeten 68 Frauen, die 225 Anteile gezeichnet hatten und damit eine Einlage von 45.000 DM zusammenbrachten, die erste Frauengenossenschaft seit der Weimarer Republik in Westberlin.

├ähnlich interessant ist die Gr├╝ndung des autonomen feministischen Finanzierungsnetzwerks "Goldrausch", die 1982 erfolgte. "Goldrausch" unterst├╝tzt Existenzgr├╝nderinnen mit Rat und Geld. 450 Frauenunternehmen haben bis heute ein zinsloses Darlehen oder Zusch├╝sse erhalten. Es handelt sich meist um Mikrokredite, die oft schwierig von Banken zu erhalten sind oder Zusch├╝sse von "Goldrausch", die den Erhalt eine kleinen Frauenunternehmens erst m├Âglich machen. Im Gegensatz zum Beginn der F├Ârderung werden Mikrokredite und Zusch├╝sse heute deutlich weniger in Anspruch genommen. Ob das an der Untersch├Ątzung des Kapitals der Existenzgr├╝nderinnen liegt, die ungern Schulden machen wollen, oder an einem nicht ausreichenden Bekanntheitsgrad der F├Ârderm├Âglichkeit, bleibt offen.

Die Publikation ist im Rahmen des europ├Ąischen WEFnet-Projektes - Women Engendering the Finance Network - entstanden. Das Fazit der Autorinnen lautet: "Die beruflichen Frauennetzwerke sind im wesentlichen von sehr gut qualifizierten Frauen f├╝r sehr gut qualifizierte Frauen geschaffen worden. (...) Die sozialen Frauennetzwerke haben sich zum gro├čen Teil mit den sehr harten Tatbestand der Gewalt gegen Frauen und Kinder befasst. (...) An der strukturellen Entwicklung orientierte Netzwerke sind solange lebensf├Ąhig gewesen, solange es einen relevanten Einfluss der Frauenbewegung gab. (...) Arbeitsmarktorientierte Netzwerke, die im Bereich Qualifizierung und befristete Besch├Ąftigung arbeiten, haben sich so wie alle anderen sozialen Tr├Ąger vom Selbsthilfegedanken entfernt bzw. entfernen m├╝ssen."

Zur den AutorInnen:

Birgit Daiber
erfahrene Netzwerkerin und Projektfrau, Ex-EU-Abgeordnete und ehemalige Sprecherin der Berliner Gr├╝nen, heute PDS Mitglied und als EU-Consultant f├╝r soziale Integration, integrierte Stadtentwicklung und lokale Wirtschaft und Besch├Ąftigungsstrategie t├Ątig. Kontakt: daiberB@aol.com

Ricarda Buch ist Gymnasiallehrerin f├╝r Deutsch und Englisch, wissenschaftliche Mitarbeiterin von Frauenorganisationen und Multimediakonzepterin. Sie war als Gr├╝ndungsmitglied ma├čgeblich an der Entstehungsidee der WeiberWirtschaft beteiligt. Von 1989 bis 1990 war sie die erste Gesch├Ąftsf├╝hrerin und von 1990 bis 1992 im Aufsichtsrat der WeiberWirtschaft. Ab 1992 war sie bei der Regionalen Entwicklungsagentur f├╝r Frauen t├Ątig. Gemeinsam mit Samirah Kenawi ist sie Gesch├Ąftsf├╝hrerin des Gebr├╝der-Grimm-Kolleg. Sie ist Mitautorin von Beitr├Ągen in: Soziale Arbeit und ├ľkonomie (2000), Tilo Kl├Âck (Hg): Solidarische ├ľkonomie und Empowerment (1998).
Weitere Infos finden Sie unter: www.ricardabuch.de

AVIVA-Tipp: Ein spannender ├ťberblick ├╝ber Betriebe, Projekte und Netzwerke, eine Geschichte der neuen Frauenbewegung in Berlin, geschrieben von Frauen, die selbst einige ihrer Projekte aufgebaut haben. Lesenswert f├╝r politisch aktive Frauen, Existenzgr├╝nderinnen und Interessierte, die wissen wollen, was es bereits alles gegeben hat und ├╝ber neue Formen der Frauensolidarit├Ąt nachdenken.

Birgit Daiber / Ricarda Buch
Risikoexistenz Frau

Inselpresse Lindwerder, erschienen Mai 2007
Kartoniert, 112 Seiten
ISBN: 978-3-939188-03-2
16,80 Euro
Zu beziehen ├╝ber: www.wefnet-berlin.eu oder direkt bei daiberB@aol.com

Literatur Beitrag vom 25.01.2008 Yvonne de Andr├ęs 





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