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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 19.04.2008

Doris Lessing ‚Äď Das Leben meiner Mutter - H√∂rbuch
Silvy Pommerenke

Die letztj√§hrige Nobelpreistr√§gerin f√ľr Literatur hat in ihrer 1985 erschienenen Erz√§hlung ihrer Mutter ein Denkmal gesetzt. Schlie√ülich war sie es auch, die sie in die Literatur einf√ľhrte,...



...in der die Autorin letztendlich Zuflucht vor der eigenwilligen Mutter suchen und finden sollte.

Die Abgr√ľnde des menschlichen Egos und die psychischen Versponnenheiten ihrer Eltern nimmt Doris Lessing genau unter die Lupe, ohne dabei sentimental zu werden. Mit Sicherheit gelingt ihr das auch, weil die Tochter der Mutter in der autobiographischen Erz√§hlung selten als Ich-Erz√§hlerin auftritt. Es soll ja auch nicht um den Spross gehen, sondern um Lessing Senior(a).

Der Text beginnt irgendwann in den zwanziger, drei√üiger Jahren, als die Nachwehen des Ersten Weltkrieges eine f√ľr viele unertr√§gliche wirtschaftliche Situation in Europa ‚Äď im Besonderen in Gro√übritannien - nach sich zog, so dass sie auswanderten. Im Falle Lessings fiel die Wahl auf die damalige britische Kolonie in Afrika, Rhodesien. Statt des erwarteten finanziellen Aufschwungs erwartete die vierk√∂pfige Familie eine Lehmh√ľtte und zerst√∂rte Hoffnungen. Der Vater konzentrierte sich ganz auf die Goldw√§scherei, und jede Sekunde seines Lebens verbrachte er fortan mit dem Traum auf die einmalige Goldader. Die Mutter gr√§mte sich w√§hrenddessen, bar jeder salonf√§higen Gesellschaft und gab sich ganz dem Haushalt hin, der doch von schwarzen Hausangestellten verrichtet wurde - jedoch nie zu ihrer Zufriedenheit. Das ist auch das Stichwort f√ľr die Mutter: Unzufriedenheit. Die Tochter war ihr nicht feminin genug, und w√§hrend diese mit dem Gewehr und ihrem Bruder gl√ľcklich durch die afrikanische Landschaft zog, verzweifelte die Mutter an diesem unschicklichen Benehmen. Es kam, wie es kommen musste, die Tochter rebellierte. Sie nahm Kontakt zu kommunistischen Kreisen auf, zu Schwarzen, zu Deutschen - sehr zum Unbillen der Mutter. Dass letztere zum Teil j√ľdische EmigrantInnen waren, k√ľmmerte sie nicht. Die Deutschen waren per se der Feind und sie kritisierte heftig das Verhalten ihres Kindes. Das heiratete bald, bekam selbst ein Kind und war ebenso schnell geschieden beziehungsweise neu verheiratet und wiederum schwanger. Alles Dornen in den Augen der Mutter.

Die eigenwillige Lebensgeschichte der Literaturnobelpreistr√§gerin Doris Lessing klingt so erdacht wie ein Roman. Aber letztendlich hat ihre Vita sie zum Schriftstellerinnendasein gef√ľhrt. Dies wird wie zuf√§llig in die Erz√§hlung eingewoben, aber wie gesagt, es geht ja auch um "Das Leben meiner Mutter".

Weiterlesen: Doris Lessing "Afrikanische Tragödie" und Stephanie Zweig "Nirgendwo in Afrika"

Zur Autorin: Doris Lessing wurde 1919 als Tochter eines britischen Offiziers in Persien geboren. Sie wuchs auf einer Maisfarm in Rhodesien (heute Simbabwe) auf und √ľbersiedelte 1949 nach England. Mit ihrem umfangreichen, sozial engagierten Werk geh√∂rt sie seit langem zu den modernen Klassikern. 1981 erhielt sie den √∂sterreichischen Staatspreis f√ľr Literatur, 1982 den Shakespeare-Preis. (Quelle: Verlagsinformationen)

Zur Sprecherin: Katharina Thalbach, geboren 1954, entstammt einer Theaterfamilie, ist eine der bekanntesten deutschen Film- und Theaterschauspielerinnen und hat sich auch als Regisseurin einen Namen gemacht. Ihre Spannweite reicht von ihrer Rolle in "Die Blechtrommel" bis hin zum "Hauptmann von Köpenick". Als Sprecherin arbeitet sie ebenfalls seit vielen Jahren und las unter anderem "Die Nebel von Avalon". Thalbach erhielt unzählige Preise, zuletzt im Jahr 2007 den "Verdienstorden des Landes Berlin".

AVIVA-Tipp: Knapp zwanzig Jahre nach der Buchver√∂ffentlichung hat der Klaus-Wagenbach-Verlag diese eindringliche Lebenserz√§hlung Doris Lessings als H√∂rbuch von Katharina Thalbach einlesen lassen, und Der Audio Verlag hat dieses besondere Buch im letzten Herbst erneut auf CD gepresst. Wunderbar transportiert von einer der charismatischsten Schauspielerinnen Deutschlands, Katharina Thalbach, wird damit dem Werk Lessings eine besondere Note verliehen, die die distanzierte Sichtweise der Protagonistin nur noch unterstreicht. Das H√∂rverg√ľngen dieser Audio-CD macht Lust auf eine erneute Lekt√ľre der gro√üen britischen Autorin Doris Lessing!

Doris Lessing
Das Leben meiner Mutter

Sprecherin: Katharina Thalbach
Der Audio Verlag, November 2007
1 Audio CD, Spielzeit 80 Minuten
ISBN: 978-3-89813-750-8
15,99 Euro

Literatur Beitrag vom 19.04.2008 Silvy Pommerenke 





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