Rose Ausl√§nder ‚Äď Deiner Stimme Schatten - Aviva - Berlin Online Magazin und Informationsportal für Frauen aviva-berlin.de
AVIVA-Berlin .
.
P
R
.
.

AVIVA_gegen_AFD
AVIVA-Berlin > Literatur AVIVA-Newsletter bestellen
AVIVA-Berlin auf Facebook AVIVA-Berlin auf twitter
   Aviva - Home
   Veranstaltungen in Berlin
   Women + Work
   Public Affairs
   Kultur
   J√ľdisches Leben
   Interviews
   Literatur
   Romane + Belletristik
   Biographien
   J√ľdisches Leben
   Sachbuch
   Graphic Novels
   Art + Design
   Lesungen in Berlin
   Music
   Sport
   E-cards
   Gewinnspiele
   Werben bei uns
   About us
   Frauennetze
 


Happy Birthday AVIVA




AVIVA wishes you a happy and peaceful New Year 2018




Aviva-Berlin.de

Versatel






 



AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 18.11.2007

Rose Ausl√§nder ‚Äď Deiner Stimme Schatten
Annegret Oehme

Anl√§sslich ihres 20. Todestags am 3.1.2008 ver√∂ffentlicht der Herausgeber Helmut Braun im S. Fischer Verlag "Gedichte, kleine Prosa und Materialien aus dem Nachlass" der j√ľdisch-deutschen Dichterin.



"Gefangen wer aus sich nicht auswandern nicht in sich einwandern kann"

Am 3. Januar 2008 jährt sich zum 20. Mal der Todestag dieser besonderen Dichterin, die, trotz aller damit assoziierten Schrecken, ihrer Muttersprache zutiefst verbunden blieb, in ihr lebte und atmete.
Zu Unrecht ist der Name "Rose Ausl√§nder" immer noch sehr unbekannt, denn ihre Gedichte k√∂nnen sich durchaus mit denen Else Lasker-Sch√ľlers oder Mascha Kal√©kos messen.

Geboren wurde die Lyrikerin unter dem Namen Rosalie Beatrice Ruth Scherzer am 11.5.1901 in Czernowitz. Die damalige Hauptstadt der Bukowina galt als Vielv√∂lkerstadt und brachte bedeutende K√ľnstler und Wissenschaftler hervor. Nach fast 200 Jahren wurde dieses kulturelle Zentrum von den Nationalsozialisten zerst√∂rt.
Beseelt vom geistigen Klima ihrer Heimatstadt nahm sie das Studium der Literaturwissenschaft und Philosophie an der dortigen Universität auf.
Wegen finanzieller Sorgen ihrer Familie, die sich nach dem Tod des Vaters einstellten, gab sie ihr Studium auf und wanderte nach Amerika aus, um dort als Bankangestellte zum Unterhalt beizutragen. Begleitet wurde sie von ihrem Studienfreund Ignaz Ausl√§nder, den sie 1923 heiratete. Nach nur drei Jahren lie√ü das Paar sich scheiden und Rose kehrte 1931 mit ihrer gro√üen Liebe, dem Schriftsteller und Graphologen Helios Hecht, nach Czernowitz zur√ľck.

Bereits in Amerika hatte sie das Schreiben begonnen und Texte ver√∂ffentlichen k√∂nnen. Zur√ľck in Europa verst√§rkte sie ihre schriftstellerische T√§tigkeit und war unter anderem f√ľr die Zeitschrift "Der Tag" und das Czernowitzer Morgenblatt t√§tig. 1939 wurde ihr erster Gedichtband unter dem Titel "Der Regenbogen" publiziert. Doch w√§hrend des Krieges gingen sowohl die Restauflage des Buches, als auch ihre Tageb√ľcher und Essays √ľber Spinoza, Plato und Freud verloren.

Auf Dr√§ngen einiger FreundInnen, die sich um die immer bedrohlicher werdende Situation in Europa Gedanken machten, emigrierte sie 1939 nach New York. Noch im selben Jahr kehrte sie jedoch nach Czernowitz zur√ľck, um bei ihrer schwerkranken Mutter zu sein.
Nachdem im Juli 1941 die Deutschen Truppen Czernowitz besetzten, wurde das alte j√ľdische Viertel zum Ghetto gemacht, in das auch Rose Ausl√§nder und Paul Celan gebracht wurden. Bald verband die beiden eine Freundschaft und sie lasen sich ihre Gedichte vor. Gemeinsam konnten sie sich in Kellern verstecken, als die Deportation in ein Vernichtungslager drohte.

1944 wurde Czernowitz befreit und mit Zwischenstation in Bukarest verlies Rose Ausl√§nder zum dritten Mal ihre Heimat mit dem Ziel USA. Sie wurde Fremdsprachenkorrespondentin und verfasste von da an ihre Gedichte in Englisch. Ein weiteres Treffen mit Paul Celan im Jahr 1957 pr√§gte sie jedoch entscheidend. Er machte sie mit der Moderne vertraut, die sie so stark beeindruckte, dass sie ‚Äď nun in ganz neuem Stil ‚Äď wieder in Deutsch zu dichten beginnt.
1965 schlie√ülich lie√ü sie sich in D√ľsseldorf nieder, wo sie auch bis zu ihrem Tod am 3. Januar 1988 lebte. Obwohl sie ab 1971 in das Nelly-Sachs-Altenheim der J√ľdischen Gemeinde in D√ľsseldorf zog und mit schweren gesundheitlichen Beeintr√§chtigungen zu k√§mpfen hatte, sind die folgenden Jahre, in denen der gr√∂√üte Teil ihres Werkes entstand, die produktivsten.

Das Schreiben war f√ľr Rose Ausl√§nder lebensnotwendiger Trieb. Dabei sah sie auch die Verpflichtung, den Worten Raum zu geben und betonte immer wieder, dass sie f√ľr ihre Mitmenschen schrieb und ihnen geh√∂re.
Ihre Gedichte, die h√§ufig ganz auf Satzzeichen verzichten, zeichnen sich durch eine hohe Musikalit√§t und das Erfinden neuer Metaphern aus. Vieles bleibt dabei nicht verschl√ľsselt sondern erschlie√üt sich den LeserInnen und nimmt sie mit hinein in die Gedanken der Dichterin. Immer wieder thematisiert wird die Widerspr√ľchlichkeit der Welt, die tragischen Erlebnisse w√§hrend des Holocaust, aber auch die Beziehung zur Sprache und die Liebe.

"Deiner Stimme Schatten" stellt einen wundervollen Band mit Gedichten aus dem Nachlass der Poetin dar. Diese werden erg√§nzt durch Faksimile, k√ľrzere Aufs√§tze und Notizen. Dabei wird ihre Hassliebe zu New York ebenso thematisiert, wie das Sprachproblem der LiteratInnen im Exil.

Der Nachlass der Dichterin umfasst etwa 20.000 Seiten Manuskript, unter denen es sicher noch viele Schätze zu Tage zu fördern gilt.

Zum Herausgeber: Helmut Braun ist es hoch anzurechnen, dass er sich seit der ersten Begegnung mit Rose Ausl√§nder im Jahr 1975 um die Popularit√§t ihres Werkes bem√ľhte und sie bis zu ihrem Lebensende beriet und unterst√ľtzte.
Als Arthritis ihre Handbewegungen stark einzuschränken begann, fungierte Helmut Braun als Sekretär und brachte fortan ihre Ideen zu Papier.

AVIVA-Tipp: In einer unver√∂ffentlichten Notiz hei√üt es "[...]das stillste Gedicht hat eine Stimme und will so reden, da√ü viele, wenn m√∂glich alle Menschen es h√∂ren. Allein gelassen, schl√§ft es ein, es stirbt nicht ‚Äď es schl√§ft den Dornr√∂schenschlaf, jeder der es liest, wie es sich sucht, wie es aus dem himmlischen Nichts entstanden ist, der seine wahre Gestalt sieht, der es liebt, ist der erl√∂sende Prinz, erweckt es." "Deiner Stimme Schatten" bietet eine vortreffliche M√∂glichkeit, die poetischen Sch√§tze Rose Ausl√§nders zu entdecken und zu erwecken.

Rose Ausländer
Deiner Stimme Schatten. Gedichte, kleine Prosa und Materialien aus dem Nachlass

Helmut Braun (Herausgeber)
S. Fischer Verlag, erschienen Oktober 2007
128 Seiten, gebunden
ISBN 978-3-10-001528-0
17,90 Euro

Weitere Informationen zu Rose Ausländer finden Sie unter:
Rose Ausländer-Stiftung

Literatur Beitrag vom 18.11.2007 AVIVA-Redaktion 





  © AVIVA-Berlin 2018 
zum Seitenanfang suche sitemap impressum datenschutz home Seite weiterempfehlenSeite drucken