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AVIVA-BERLIN.de im Mai 2018 - Beitrag vom 28.04.2008

Avram Kantor - Die erste Stimme. Ich und mein Bruder - Mein Bruder und ich
Anna-Lena Berscheid

Die zwiesp√§ltige Geschichte eines Jungen, der weder stumm noch zur√ľckgeblieben ist, und seines Bruders Kobi, dessen neue radikale Fr√∂mmigkeit erst bemerkt wird, als es schon fast zu sp√§t ist.



Avram Kantor vereint in seinem Buch zwei Geschichten: Zum Einen die von der schwierigen Beziehung zweier ungleicher Br√ľder. Zum Anderen geht es um die Religion und ihre Stellung, die sie im heutigen Israel einnimmt.

Protagonist und Ich-Erz√§hler ist ein namenloser Junge, der mit seinen Eltern und den √§lteren Geschwistern Meirav und Kobi in Tel Aviv lebt. Der Bruder h√§lt ihn f√ľr zur√ľckgeblieben, weil er nicht sprechen kann. Die Eltern wollen ihm die Geb√§rdensprache beibringen, da denken, er sei taubstumm. Doch nur, weil er nicht sprechen kann, ist er noch lange nicht taub. Der Zw√∂lfj√§hrige h√∂rt sehr gut und verpasst nichts von dem, was um ihn herum geschieht. Eine Stimme hat er auch, eine wundersch√∂ne sogar, doch entgegen aller Bem√ľhungen bringt er es nicht fertig, seine Worte nach au√üen zu tragen.

Dass der Junge lesen und schreiben kann, weiß niemand. Nicht einmal seine ältere Schwester Meirav, die ihm diese Fähigkeiten unbewusst beim Spielen beigebracht hat. Da er sich scheinbar niemandem mitteilen kann, sprechen die Menschen in seiner Gegenwart ganz offen. Ganz so, als könne er sie nicht hören.

Der Erz√§hler ist ein sehr sonderbarer Junge. So sonderbar, dass sich sein gro√üer Bruder Kobi f√ľr ihn sch√§mt: In der Schule soll niemand erfahren, dass sie verwandt sind. Auch zuhause ist die Beziehung nicht sehr innig. Kobi l√§sst seinen Bruder zwar an seinem Computer spielen, richtet aber ansonsten kein nettes Wort an ihn.

Eines Tages verschwindet Kobi √ľber das Wochenende und kommt ver√§ndert zur√ľck. Er h√§lt sich pl√∂tzlich an die Vorschriften des Talmud und kritisiert seine Eltern, die ihre Kinder sehr weltlich erzogen haben. Sein kleiner Bruder findet am Computer heraus, wo Kobi sich aufgehalten hat und bemerkt: Er entwickelt sich zu einem "Frommen" und sympathisiert mit einer ultraorthodoxen Sekte.

Die Eltern lassen Kobi gewähren, bis sie ihn nicht mehr erreichen können. Der kleine Bruder begreift, dass er aus seiner Welt ausbrechen und Kobi helfen muss...

Die vom Protagonisten selbst gew√§hlte Unf√§higkeit, mit seiner Umgebung zu kommunizieren, l√§sst an Oskar Matzerath aus G√ľnter Grass¬ī Blechtrommel erinnern - jedoch ist Kantors Figur weit weniger exzentrisch und h√§lt sich selbst f√ľr einen ganz normalen Jungen. Die Sorgen, die sich seine Eltern aufgrund seiner Sprachunf√§higkeit machen, kann er deshalb auch kaum verstehen. Scheinbar stumm berichtet der Erz√§hler aus dem Blickwinkel eines Au√üenseiters, der dennoch wissbegierig alles registriert. Was er nicht kennt, schl√§gt er heimlich im Lexikon nach. Bereits im Vorwort animiert der Autor die LeserInnen, es seinem Protagonisten gleich zu tun. Neben der Lekt√ľre der Geschichte k√∂nnen Jugendliche dadurch viel √ľber die Traditionen des Judentums erfahren. Beim Lesen als st√∂rend erweist sich jedoch die angestrengt kindliche Sprache des Erz√§hlers, die bisweilen eher an einen F√ľnf- als an einen bereits Zw√∂lfj√§hrigen erinnert.

Zum Autor:
Avram Kantor
wurde 1950 in Haifa geboren und wuchs im Kibbuz Mizra auf. Er studierte hebr√§ische Literaturwissenschaften in Haifa und Deutsch in Konstanz. Er ist Verleger, √úbersetzer aus dem Englischen und Deutschen und Autor. Sein Werk umfasst sechs Romane, zwei Erz√§hlb√§nde und zwei Kinderb√ľcher. 1995 wurde Kantor mit dem renommierten Ze¬īev Preis ausgezeichnet.
(Quelle: Verlagsinformationen)

Zur √úbersetzerin:
Mirjam Pressler
wurde 1940 in Darmstadt geboren und wuchs bei Pflegeeltern auf. Nach dem Studium an der Akademie f√ľr Bildende K√ľnste in Frankfurt und in M√ľnchen lebte sie f√ľr ein Jahr in einem Kibbuz in Israel. Sie hat drei inzwischen erwachsene T√∂chter und lebt heute als freie Autorin und √úbersetzerin bei M√ľnchen.
Lesen Sie auch unsere Rezensionen zu Mirjam Presslers Romanen "Golem Stiller Bruder" und "Wenn das Gl√ľck kommt, muss man ihm einen Stuhl hinstellen" auf AVIVA-Berlin.

AVIVA-Fazit: Avram Kantor hat mit "Die erste Stimme. Ich und mein Bruder - Mein Bruder und ich" eine faszinierende Geschichte √ľber zwei ungleiche Br√ľder geschrieben, verliert sich dabei aber allzu oft in abschweifenden Erz√§hlungen, so dass ein roter Faden kaum zu erkennen ist. Angesichts der recht langen Vorgeschichte ger√§t der H√∂hepunkt des Buches entt√§uschend. F√ľr die LeserInnen kann es lehrreich sein zu erfahren, dass es religi√∂sen Fundamentalismus in allen Religionen gibt. Die Frage, wieso sich junge Menschen wieder verst√§rkt dem Glauben zuwenden, vermag Kantor jedoch nicht zu beantworten: Auch Kobis Motiv bleibt im Dunkeln. Dieses Manko erkl√§rt sich mit der Wahl der Erz√§hlperspektive, die den LeserInnen zwar einen speziellen Blickwinkel bietet, dabei aber stets sehr einseitig bleibt.

Avram Kantor
Die erste Stimme. Ich und mein Bruder - Mein Bruder und ich

Originaltitel: Leading Voice
Aus dem Hebr√§ischen √ľbersetzt von Mirjam Pressler
Hanser Verlag, erschienen im März 2008
Pappband, 208 Seiten
Ab 12 Jahren
ISBN-13: 978-3-446-20903-9
14,90 Euro

Literatur Beitrag vom 28.04.2008 AVIVA-Redaktion 





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