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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 26.03.2008

J├╝disches Brandenburg
Britta Leudolph

Die Herausgeberin Irene A. Diekmann und 28 weitere AutorInnen legen ein umfangreiches Werk ├╝ber die Geschichte und Gegenwart j├╝discher Brandenburger vor. 13 Orts- und 17 Essaykapitel belegen...



... die Vielfalt und Bedeutung des Lebens und Wirkens der Juden in Brandenburg.

Seit dem 13. Jahrhundert siedelten sich j├╝dische B├╝rgerInnen in Brandenburg an. Damit begann eine facettenreiche und wechselvolle Geschichte einer kontinuierlichen Weiterentwicklung j├╝dischen Lebens, das in der Zeit des Nationalsozialismus von 1933 bis 1945 fast vollst├Ąndig ausgel├Âscht wurde.
Das Land Brandenburg war bei seiner Gr├╝ndung das einzige neue Bundesland, in dem keine j├╝dischen Gemeindestrukturen mehr existierten. Die Shoa hatte diese zerst├Ârt und nahezu komplett ausgel├Âscht, die SED-Diktatur kn├╝pfte an diese Traditionen nicht an.

Diese Publikation spannt den Bogen vom Beginn j├╝discher Ansiedlungen bis in die Gegenwart.
Im ersten Teil wird in dreizehn Ortskapiteln, die Entstehung ausgew├Ąhlter Synagogengemeinden beschrieben, und somit ein historischer ├ťberblick vom Mittelalter bis 1945 gew├Ąhrt. Die AutorInnen geben anhand von Zeitdokumenten, Bildern und Schicksalsberichten j├╝discher Pers├Ânlichkeiten einen umfangreichen Einblick in die Geschichte j├╝dischen Lebens, aber auch in die jahrhundertelange antisemitische Tradition in Brandenburg. Viele der Dokumente, Fotos und Karten sind hier zum ersten Mal abgedruckt, da sie erst jetzt bei der Recherche entdeckt wurden.

Die Ortskapitel sind mit ausf├╝hrlichen Anmerkungen sowie mit weiterf├╝hrender Literatur ausgestattet. Behandelt werden die Orte Beelitz, Brandenburg / Havel, Eberswalde, Finsterwalde / Niederlausitz, Frankfurt / Oder, Guben, Lindow, Luckenwalde, Neuruppin, Oderbruch, Potsdam, Prenzlau und Rathenow.

Im zweiten Teil widmen sich die AutorInnen in siebzehn Essaykapiteln ├╝bergreifenden Themen, die Vielfalt und Bedeutung des Lebens und Wirkens der J├╝dischen Gemeinde belegen. Im Essay von Wolfgang Wei├čleder wird der Neuaufbau j├╝discher Gemeinden in Brandenburg nach 1990 beschrieben, der vor allem auf der Einwanderung von Juden aus der ehemaligen Sowjetunion beruht. Weiterhin wird zum Beispiel in "Theodor Fontane und die `Judenfrage┬┤" die zwiesp├Ąltige Haltung des brandenburgischen Dichters zu seinen j├╝dischen Mitb├╝rgern anhand von Gedichten und Schriftst├╝cken nachvollzogen. Andere Essays besch├Ąftigen sich etwa mit hebr├Ąischem Buchdruck in Frankfurt / Oder, Moses Mendelssohns Weg von Dessau nach Berlin oder j├╝dischen Tabakh├Ąndlern. Auch die Essaykapitel sind mit ausf├╝hrlichen Anmerkungen versehen.

Der Band bietet zudem eine Chronologie, ein Glossar und ein Orts- und Personenregister und Kurzinfos zu den AutorInnen.


In seinem Vorwort w├╝rdigt der brandenburgische Ministerpr├Ąsident Matthias Platzeck das Buch daf├╝r, dass es den Blickwinkel erweitere "[...] indem es erstmalig und differenziert die Vielfalt und Bedeutung j├╝discher Einfl├╝sse auf das einstige und heutige Brandenburg darlegt."

Zu der Herausgeberin: Dr. Irene Diekmann ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl f├╝r Neuere Geschichte II und stellvertretene Direktorin des Moses Mendelsohn Zentrums f├╝r europ├Ąisch-j├╝dische Studien an der Universit├Ąt Potsdam.

Zu den AutorInnen: Das Werk wurde von 28 AutorInnen gestaltet. Exemplarisch seien hier genannt:

Jani Pietsch, geboren 1947, Politikwissenschaftlerin und Historikerin, lebt als freie Autorin und Sachbuchlektorin, Themenschwerpunkt, Geschichte und Holocaustforschung, in Sch├Âneiche bei Berlin. Sie arbeitete f├╝nfzehn Jahre lang als Pressereferentin im Rahmen von Nord-S├╝d-Zusammenarbeit f├╝r den Deutschen Entwicklungsdienst (DED) und den Weltfriedensdienst (WFD). Weiterhin beteiligt sie sich an der Stolpersteininitiative in Sch├Âneiche.

Dr. phil. Julius H. Schoeps, geboren 1942, ist ein deutscher Historiker mit den Arbeitsschwerpunkten deutsch-j├╝dische Geschichte, Religions- und Geistesgeschichte sowie politische Ideengeschichte. Er ist Direktor des Moses Mendelsohn Zentrums f├╝r europ├Ąisch-j├╝dische Studien an der Universit├Ąt Potsdam und Autor zahlreicher Ver├Âffentlichungen, u.a. ist er auch Herausgeber des Buches "Juden in Berlin".

Apl. Prof., Dr. phil. habil. Brigitte Meier ist Professorin f├╝r Neuere Geschichte und Landesgeschichte an der Europauniversit├Ąt Viadrina in Frankfurt / Oder. Sie hat zahlreiche Publikationen zur brandenburgischen Landes-, Wirtschafts- und Sozialgeschichte verfasst, u.a. "J├╝dische Seidenunternehmer und die soziale Ordnung zur Zeit Friedrichs II. Moses Mendelssohn und Isaak Bernhard ÔÇô Interaktion und Kommunikation als Basis einer erfolgreichen Unternehmerentwicklung"

AVIVA-Tipp: "J├╝disches Brandenburg ÔÇô Geschichte und Gegenwart" widmet sich umfangreich und sehr detailliert der Geschichte und Gegenwart j├╝dischen Lebens in Brandenburg. Es enth├Ąlt eine Vielzahl von Zeitdokumenten, Abbildungen, Fotografien und Briefen und ist umfassend recherchiert. Einen besonderen Fokus legen die AutorInnen auf die Dokumentation pers├Ânlicher Schicksale. Alles zusammen macht diesen Band zu einem unentbehrlichen Nachschlagewerk, nicht nur f├╝r BrandenburgerInnen.

Weiterlesen:

"Ich besa├č einen Garten in Sch├Âneiche bei Berlin", von Jani Pietsch

J├╝dische Friedh├Âfe in Berlin, von Johanna von Koppenfels

J├╝disches im Gr├╝nen. Ausflugsziele im Berliner Umland von Judith Kessler und Lara D├Ąmmig.


Irene A. Diekmann (Hg.)
J├╝disches Brandenburg ÔÇô Geschichte und Gegenwart

Verlag f├╝r Berlin-Brandenburg, erschienen M├Ąrz 2008
Hardcover, ca. 656 Seiten mit ca. 300 S/W-Abbildungen
ISBN 978-3-86650-093-8
29,95 Euro

Literatur Beitrag vom 26.03.2008 Britta Leudolph 





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