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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 27.06.2008

Bibliothek verbrannter B├╝cher. Orte der B├╝cherverbrennungen in Deutschland 1933
Yvonne de Andr├ęs

Von M├Ąrz bis Oktober 1933 haben in 62 deutschen St├Ądten 94 ├Âffentliche B├╝cherverbrennungen stattgefunden. Diese Dokumentation zeichnet die Phasen, die Akteure und die Orte nach.



Dies ist das erste der drei wissenschaftlichen Begleitb├Ąnde zur "Bibliothek verbrannter B├╝cher". Gegenstand ist die Besch├Ąftigung mit den Orten der B├╝cherverbrennung. Der einf├╝hrende Artikel von Werner Tre├č geht umfangreich darauf ein. Anschlie├čend werden Einzelportraits von 62 deutschen St├Ądten, in denen die B├╝cherverbrennungen stattfanden, vorgestellt. In mancher dieser Orte fanden B├╝cherverbrennungen gleich mehrfach statt, so z.B. in Berlin, Dresden, Essen, Flensburg, Heidelberg oder Wuppertal.

Oft wird die B├╝cherverbrennung mit dem Datum des 10. Mai 1933 in Verbindung gebracht. Doch bereits im M├Ąrz 1933 setzten "wilde B├╝cherverbrennungen" auf Schulh├Âfen, vor Gewerkschaftsh├Ąusern und anderen Einrichtungen ein, die als Vorphasen gelten k├Ânnen. Der Band zeichnet nach, wie SA, HJ und StudentInnen in Universit├Ątsst├Ądten, aber auch in Kleinst├Ądten wie Speyer, Landau oder Luckenwalde, Autodaf├ęs durchf├╝hrten und diese von breiten Schichten der Bev├Âlkerung getragen wurden. Ebenfalls ist hier zu erfahren, dass die B├╝cherverbrennungen von langer Hand vorbereitet wurden. Pl├╝nderungen von oppositionellen Parteigeb├Ąuden, Razzien und Verhaftungen von Oppositionellen und die "S├Ąuberung" von B├╝chereien, Verlagen und Buchhandlungen geben dar├╝ber Auskunft.

So z. B. in Speyer, wo am 6. Mai 1933, dem "Tag der bayrischen Jugend" und der "B├╝cherverbrennung" ein Festzug der Speyerer Jugendorganisationen mit Musikkapellen vom Festplatz bis zum ehemaligen Marktplatz marschierte. Der Zug setzte sich aus Teilnehmern des Protestantischen Jugendbundes, Stahlhelm, Katholischem Gesellenverein, dem Spielmannszug des Kriegervereins, Turnern, dem Deutschen Bund der M├Ądchen-Bibelkreise sowie den Schulen zusammen und zeigt, wie stark dies als Massenveranstaltung anzusehen ist.

In Berlin fand am 10. Mai 1933 die zentrale "Veranstaltung" auf dem Berliner Opernplatz statt. Die Bilder, die wir heute aus Wochenschauberichten kennen, bilden den Abschluss der zentralen "Aktion wider den undeutschen Geist". Die erste B├╝cherverbrennung fand am Laubenheimer Platz in Berlin im Zentrum der Berliner K├╝nstlerkolonie statt. Weitere folgten auf Schulh├Âfen. Nach dem 10. Mai erloschen die Scheiterhaufen in Berlin jedoch nicht. Bis Oktober 1933 brannten Scheiterhaufen in Deutschland.

Ebenfalls zeichnet das Buch die Geschichte des Gedenkens an die B├╝cherverbrennung nach. Alfred Kantorowicz, "Generalsekret├Ąr des Schutzverbandes deutscher Schriftsteller im Exil" gr├╝ndete 1934 im Pariser Exil die "Deutsche Freiheitsbibliothek", die auch den Namen "Bibliothek des verbrannten Buches" erhielt. Werner Tre├č schreibt hierzu: "Weder konnte man im Exil genau wissen, welche B├╝cher verbrannt worden waren, noch hatte man sichere Kenntnisse ├╝ber die Verantwortlichen. Wohl konnte man aber in der Person von Goebbels einen der hochrangigen Vertreter des `Deutschland Hitlers┬┤ ausmachen. Aus seiner `Festrede┬┤ auf dem Berliner Opernplatz konnte man R├╝ckschl├╝sse ziehen, die der B├╝cherverbrennung ├╝berhaupt erst ihren historischen Rang verlieh und die f├╝r die betroffenen Schriftsteller und Wissenschaftler im Exil identit├Ątsstiftend waren: Nicht `Hinz und Kunz┬┤, sondern Goebbels h├Âchstpers├Ânlich hatte ihre B├╝cher verbrannt."

Zu den Herausgebern: Prof. Dr. Julius H. Schoeps, Direktor des Moses Mendelssohn Zentrum f├╝r europ├Ąisch-j├╝dische Studien in Potsdam.

Werner Tre├č, M.A. Historiker, Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Moses Mendelssohn Zentrum f├╝r europ├Ąisch-j├╝dische Studien in Potsdam, Betreuer des Forschungs- und Editionsprojektes. 2003 hat er sich bereits in Buchform mit dem Thema besch├Ąftigt "Wider den undeutschen Geist! B├╝cherverbrennung 1933".

AVIVA-Fazit: Zum 70. Jahrestag der B├╝cherverbrennungen hat Werner Tre├č in seiner Ver├Âffentlichung "Wider den undeutschen Geist! B├╝cherverbrennung 1933" bereits eine F├╝lle an Details dokumentiert. Leider hat er diese jedoch nicht durch die differenzierteren Erkenntnisse des Bremer Literaturwissenschaftlers Joachim Dyck "Der Zeitzeuge. Gottfried Benn 1929-1949" (2006) in dieser nun vorliegenden Publikation erg├Ąnzt. "Orte der B├╝cherverbrennungen in Deutschland 1933" ist dennoch ein spannendes und wichtiges Nachschlagewerk.


Julius H. Schoeps, Werner Tre├č (Hg.)
Orte der B├╝cherverbrennungen in Deutschland 1933

Reihe: Bibliothek Verbrannter B├╝cher
Olms Verlag, erschienen Mai 2008
Gebunden - 848 S. mit zahlreichen Abbildungen
ISBN: 978-3-487-13660-8
19,80 Euro Subskriptionspreis
ab dem 01.01.2009 24,80 Euro

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"Verfemt, Verboten, Verbrannt und oft Vergessen"

Literatur Beitrag vom 27.06.2008 Yvonne de Andr├ęs 





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