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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 18.10.2011

R├Âmer + R├Âmer - Meer der Freundschaft
Lisa Scheibner

Das K├╝nstlerInnenpaar R├Âmer + R├Âmer ├╝bertr├Ągt digitale Momentaufnahmen in gro├čfl├Ąchige Malereien und wirft so einen Blick auf gesellschaftliche Bewegungen und die Globalisierung kultureller Zeichen.



Aus der N├Ąhe sind nur vielfarbige Tupfen zu sehen, erst bei der Betrachtung aus einigem Abstand sind die Motive der Bilder erkennbar. In "Meer der Freundschaft" zeigen R├Âmer + R├Âmer eine Auswahl ihrer Malereien, die im Zentrum ihrer gemeinsamen Arbeit stehen. Portraitiert werden h├Ąufig Gruppen junger Menschen am Rande von politischen Zusammenk├╝nften, in ihrer Freizeit, bei Festivals, beim Baden oder im Caf├ę.

Leger gekleidete junge Erwachsene sitzen auf dem Boden, reden, trinken Bier, im Hintergrund ein Banner mit einem Protestslogan gegen die R├Ąumung eines Bauwagenplatzes. Eine junge Frau mit rotem Lippenstift, Sonnenbrille und hellblauem Kopftuch, die inmitten einer Demonstration selbstbewusst die Arme hochreckt, wir sehen ein Plakat, das George W. Bush als Terroristen brandmarkt. Im glei├čenden Abendsonnenlicht entspannen sich ein paar FreundInnen auf einer Wiese am Rande eines Festivals.
Was von Weitem wie spontane Fotos aussieht, ist aus der N├Ąhe betrachtet kleinteilige Arbeit: Die visuell an die ImpressionistInnen erinnernde Technik der R├Âmers besteht darin, digitale Fotos gro├čformatig mit ├ľlfarbe zu malen, die erkennbare Pixelung der aufgeblasenen Fotos wird auf die Leinwand ├╝bertragen und erzeugt so ihren besonderen Effekt, den Unterschied zwischen der Betrachtung aus der N├Ąhe oder Ferne. Der Entstehungsprozess, nacheinander digital und handwerklich, ist beinahe greifbar und in den Detailabbildungen auch in gedruckter Form gut zu erkennen.

Cola in Casablanca

Das K├╝nstlerInnenduo, das seit 1998 ausschliesslich an gemeinsamen Projekten und Kunstwerken arbeitet, bereist gemeinsam die Welt um Menschen in der ├ľffentlichkeit, unter anderem in S├╝d-Korea, Marokko, USA, Italien, Armenien, Israel, Japan, Polen und Deutschland zu beobachten. Gesellschaftliche und kulturelle Ereignisse faszinieren R├Âmer + R├Âmer, sie zeigen in ihren Kunstwerken hybride (post-)moderne Lebenswelten die sich st├Ąndig ver├Ąndern. Spa├č und politischer Protest scheinen in Deutschland zum Beispiel kein Gegensatz zu sein, wenn man die Bilder aus Berlin betrachtet. Welch ein Luxus!

Durch die mehrfache Verarbeitung der Momentaufnahmen - das Fotografieren, die Auswahl von Motiv, Ausschnitt und Farben, die ├ťbertragung in das Medium Malerei- wird ein Denkprozess in Gang gebacht, der sich mit der jeweiligen Gesellschaft und Kultur, deren Alltag, Freizeit, sozialen Verh├Ąltnissen und (politischer) Bewegung besch├Ąftigt. Werbung und andere kulturelle Zeichen tauchen immer wieder im Hintergrund auf und weisen auf Widerstand, oder aber auf die allm├Ąhliche Globalisierung verschiedener Kulturen hin: Coca-Cola in Casablanca und Paris, Graffiti auf Steinskulpturen in Tokio, Skateboarding, T-Shirts, Protestbanner an einer Mauer, Warten auf ein Date, manchmal ist es schwer zu sagen, ob das Foto in Moskau oder in S├╝d-Korea aufgenommen wurde.

ChronistInnen des Umbruchs

Peter Funken, der den Text zu "Meer der Freundschaft" geschrieben hat, beschreibt die Haltung der R├Âmers als dokumentarisch, als "moderne Chronisten in einer Welt des Umbruchs". Eine gewisse Sympathie f├╝r soziale- und Protestbewegungen lasse sich erkennen, eindeutig Stellung bezogen werde jedoch nicht.
Funken spricht in seinem Essay au├čerdem ├╝ber die performative Qualit├Ąt sozialer Bewegungen und (post-)moderner Kommunikation: Jede ├Âffentliche ├äu├čerung wird zugleich zu einem reflektiven Akt, wir stellen uns selbst dar, erfinden uns immer wieder, Identit├Ąt und Simulation sind nicht wirklich zu unterscheiden.

Durch die ├ťbertragung von einem Medium in ein anderes wird die Aufmerksamkeit auf Einzelheiten gelenkt, ein sinnlicher wie analytischer Zugang wird gleichzeitig er├Âffnet: Die lebendigen Farben und emotionalen Situationsportraits stehen dem komplizierten, kleinteiligen ├ťbersetzungsakt und der Distanz, die die Betrachterin r├Ąumlich nehmen muss, gegen├╝ber.

AVIVA-Tipp: "Meer der Freundschaft" ist eine farbenfrohe Reflexion ├╝ber postmoderne Gesellschaften in denen zwar globalisierter Konsum die Kulturen gleichzuschalten scheint, aber politische Bewegungen, Protest und das Bed├╝rfnis nach Gemeinsamkeit immer wieder an Bedeutung gewinnen und Menschen zueinander bringen. Von Weitem sind spontane Fotografien zu sehen, beim n├Ąheren Betrachten erst ist, vor allem auch in den Detaildarstellungen, die aufwendige Maltechnik der R├Âmers zu erkennen. Das Licht, Pixel f├╝r Pixel wiedergegeben, beleuchtet Momente des Zusammenseins in einem erfreulich optimistischen Ton.

Zu den K├╝nstlerInnen: Nina R├Âmer, die als Nina Tangian in Moskau geboren wurde, stammt aus einer russischen K├╝nstlerInnenfamilie, ihr Gro├čvater war der in Russland sehr bekannte Schriftsteller Juri Walentinowitsch Trifonow, ihre Gro├čmutter Operns├Ąngerin, ihr Urgro├čvater Maler. Im Studium an der Kunstakademie D├╝sseldorf lernte sie Torsten R├Âmer kennen, die beiden waren als Duo Meistersch├╝lerInnen bei Prof. A. R. Penck und gr├╝ndeten 1998 gemeinsam das internationale Kunstprojekt "MAIS". Neben zahlreichen Performances und Landart-Installationen ist seit einigen Jahren die Malerei der Mittelpunkt ihrer k├╝nstlerischen Arbeit. Seit 2000 lebt das Paar in Berlin.

R├Âmer + R├Âmer waren in zahlreichen internationalen Einzel- und Gruppenausstellungen vertreten, von S├╝d-Korea, China, den USA, ├╝ber Moskau, Bosnien-Herzegowina bis nach Berlin und Rostock.

Neben Ausstellungskatalogen existieren auch einige eigene Publikationen zu "MAIS", sowie ein Dokumentarfilm von Lilia Schimpf, der eine der Perfomances des K├╝nstlerInnenpaares portraitiert.
Gleichzeitig zu "Meer der Freundschaft" erscheint eine aufwendige Collector`s Edition mit 50 Unikat-Bildern vom Mount Fuji.
Weitere Infos und Kontakt unter: www.roemer.tv.de

R├Âmer + R├Âmer
Meer der Freundschaft

Mit einem Essay von Peter Funken
In deutscher und englischer Sprache
Prestel Verlag, M├╝nchen, London, New York, erschienen im August 2011
Paperback, Klappenbroschur, 144 Seiten mit 84 farbigen Abbildungen
ISBN: 978-3-7913-4508-6
29,95,- Euro
www.randomhouse.de

Literatur Beitrag vom 18.10.2011 AVIVA-Redaktion 





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