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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 23.08.2012

Volker Koop - Hitlers Muslime. Die Geschichte einer unheiligen Allianz
Claire Horst

Dass Antisemitismus auch in der muslimischen Welt verbreitet ist, ist kein Geheimnis. Wie die Nazis diese Gemeinsamkeit nutzten, um Muslime f├╝r ihre Zwecke einzuspannen, zeigt der Publizist Volker...



... Koop in seinem sorgf├Ąltig recherchierten Buch, das die Hintergr├╝nde der Kooperationen zwischen dem Dritten Reich und der muslimischen Welt aufzeigt.

F├╝r die meisten LeserInnen ist wahrscheinlich Amin al Husseini, der "Mufti von Jerusalem", die erste Assoziation zur Verbindung zwischen Hitler und der muslimischen Welt. Dass es neben dieser fragw├╝rdigen Gestalt, die von gl├╝hendem Antisemitismus gepr├Ągt war, noch weitere, sehr unterschiedliche Kontakte gab, ist vielen wahrscheinlich unbekannt ÔÇô ebenso wie die Tatsache, dass der Mufti keineswegs so viele Muslime vertrat, wie er die Nazis glauben machen wollte.

Man muss schon ein eiskalter Ideologe sein, um den Glauben an ein "Untermenschentum" mit der gleichzeitigen Nutzung der so klassifizierten Personen als Kanonenfutter zu verbinden. Nichts anderes taten die Nationalsozialisten, die gezielt um Muslime als Soldaten f├╝r die Wehrmacht warben. Denn sie sahen in ihnen ideale Soldaten, die sich f├╝r das Paradies opfern und so f├╝r den Nationalsozialismus sterben w├╝rden. Anreiz f├╝r die Muslime sollte dabei zum einen der gemeinsame Kampf gegen das "Weltjudentum" sein, zum anderen der Widerstand gegen Kolonialregime oder gegen die Unterdr├╝ckung der Muslime in den Sowjetrepubliken. Um die Muslime f├╝r sich einzunehmen, wurden sogar Imame ausgebildet und in den Kompanien eingesetzt.

Dass die Muslime f├╝r die Nazis aber lediglich untergeordnetes Mittel zum Zweck, minderwertiges, aber verwertbares Menschenmaterial waren und der rassistischen Klassifizierung niemals entkommen konnten, zeigen Zitate wie dieses: "Im Gegensatz zu den Untermenschentypen einer russisch-asiatischen Vermischung stellen die Vertreter der zentralasiatischen V├Âlker ein ÔÇô nat├╝rlich asiatisches ÔÇô aber wertvolles, ungebrochenes Menschenmaterial dar, das traditionsgebunden und von tiefer Heimatliebe beseelt ist." (aus einem Papier des Reichssicherheitshauptamtes).

Adolf Hitler sollte den Muslimen mit religi├Âser Begr├╝ndung als F├╝hrer schmackhaft gemacht werden. Kaum zu glauben sind einige der Fundst├╝cke, die Koop hierzu auftischt. So beauftragte Heinrich Himmler, der "Reichsf├╝hrer-SS", Historiker, Koranstellen zu finden, die als Ank├╝ndigung der Ankunft Adolf Hitlers gelesen werden k├Ânnten. Offensichtlich war er der Meinung, gemeinsame Feinde, etwa Briten und Juden, reichten nicht aus, um Muslime zum Kampf f├╝r das Dritte Reich zu bewegen ÔÇô und betrachtete die Muslime zugleich als unm├╝ndige Kinder, die mit Legendenerz├Ąhlungen zu ├╝berzeugen w├Ąren. Koops Freude am Scheitern dieser Versuche kann er ebenso wenig verbergen wie sein Vergn├╝gen am unfreiwilligen Humor der Gedichte und Gebete, die f├╝r Hitler, das "Licht des Propheten", verfasst wurden.

Zwar wurden einige wenige Freiwillige rekrutiert, angemessen am Aufwand, den die Nationalsozialisten mit der Ausbildung von Mullahs, der Kontaktaufnahme zu muslimischen F├╝hrern, der akribischen Suche nach Muslimen in Kriegsgefangenenlagern und dem Aufbau einer "Deutsch-Arabischen Lehrabteilung" betrieben, waren die Versuche jedoch erfolglos. Zu den bekannteren Versuchen geh├Ârt etwa das "Unternehmen Zeppelin", der Einsatz sowjetischer muslimischer Kriegsgefangener zu Sabotageaktionen in der Sowjetunion ÔÇô das Unternehmen scheiterte an der geringen Beteiligung.

Koop zeichnet jedoch nicht nur die milit├Ąrischen Nutzungsversuche der Muslime nach, sondern informiert auch ├╝ber das muslimische Leben im Deutschen Reich. Zwar lebten ÔÇô abgesehen von den Kriegsgefangenen ÔÇô nur etwa 3.000 Muslime im Land, diese waren jedoch politisch und religi├Âs gut organisiert und wurden von den Nationalsozialisten gezielt umworben.

Das Fazit, das Koop zieht, ist nicht ├╝berraschend, jedoch ein weiteres Beispiel f├╝r die menschenverachtende und bestens organisierte Vorgehensweis der Nazis. Ihm zufolge waren die Muslime lediglich Mittel zum Zweck. Mit Versprechungen wie der eines souver├Ąnen Nationalstaates sowohl f├╝r die Muslime in den besetzten arabischen L├Ąndern als auch f├╝r diejenigen, die in den Sowjetrepubliken lebten, wollte man sie gewinnen ÔÇô ohne eine solche Souver├Ąnit├Ąt jemals anzustreben. So stellte Hitler schon 1942 fest, es sei Grundsatz, "jede staatliche Organisation zu vermeiden und die Angeh├Ârigen dieser V├Âlkerschaften dadurch auf einem m├Âglichst niedrigen kulturellen Niveau zu halten. Man m├╝sse davon ausgehen, dass diese V├Âlker uns gegen├╝ber in erster Linie die Aufgabe haben, uns wirtschaftlich zu dienen."

Zugleich folgten auch die Muslime, die mit den Nazis kooperierten, weitgehend eigenen Zwecken. Wirklich ├╝berzeugt von der nationalsozialistischen Ideologie waren laut Koop die wenigsten. Einspannen f├╝r deren Weltkrieg lie├čen einige sich dennoch. Dass Koop betont, er wolle der verbreiteten Islamfeindschaft nicht zuspielen und daher verallgemeinernden Aussagen ├╝ber "die" Muslime entgegentritt, ist zu begr├╝├čen. Fragw├╝rdig wird das, wenn er mit den Nazis kooperierende Gruppen ausschlie├člich als Opfer der Weltlage darstellt.

AVIVA-Tipp: "Hitlers Muslime" ist eine hochspannende Lekt├╝re, die Licht in ein weitgehend unbekanntes Feld bringt und Verallgemeinerungen vermeidet. Dank der zahlreichen Zitate und umfassenden Quellenangaben kann das Buch durchaus zum Einstieg in eine weitergehende Besch├Ąftigung mit dem Thema dienen.

Zum Autor: Volker Koop, geboren 1945 in Oberbayern, arbeitet seit 1994 als freier Buchautor und Publizist. Im Jahr 2003 erhielt er gemeinsam mit Marcel Reich-Ranicki in Rom den italienischen Kulturpreis "Capo Circeo". Zuletzt von ihm erschienen: "Himmlers letztes Aufgebot. Die NS-Organisation Werwolf", "Hitlers f├╝nfte Kolonne. Die Auslands-Organisation der NSDAP" sowie "Hitlers Muslime. Geschichte einer unheiligen Allianz". Seine B├╝cher sind u.a. auch ins Japanische und Tschechische ├╝bersetzt worden. (Verlagsinformationen)

Volker Koop
Hitlers Muslime. Die Geschichte einer unheiligen Allianz

Bebra Verlag
Erschienen im Fr├╝hjahr 2012
ISBN 978-3-89809-096-4
288 Seiten, 27 Abb., gebunden
24,95 Euro


Literatur Beitrag vom 23.08.2012 Claire Horst 





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