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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 08.10.2012

Doris Hermanns - Meerkatzen, Mei├čel und das M├Ądchen Manuela. Die Schriftstellerin und Tierbildhauerin Christa Winsloe
Annika H├╝ttmann

W├Ąhrend der Name Christa Winsloe wahrscheinlich nur noch wenigen etwas sagt, ist ihr erstes Theaterst├╝ck bzw. dessen Verfilmung unter dem Titel "M├Ądchen in Uniform" umso bekannter. Die Antiquarin..



... Doris Hermanns begibt sich auf die Spuren einer besonderen und mutigen Frau, die trotz ihres gro├čen Ruhmes in den 1930er Jahren heute fast vergessen ist.

Dass zwischen Christa Winsloes Geburt 1888 in Darmstadt und ihrer Ermordung als Spionin 1944 in Frankreich ein bewegtes Leben lag, l├Ąsst sich mit Sicherheit sagen, auch wenn sich heute mangels Material vieles nicht mehr genau rekonstruieren l├Ąsst.
1909 entschied Winsloe sich, Bildhauerin zu werden, etwas, das damals als "M├Ąnnersache" galt, weswegen Teile ihrer Familie zun├Ąchst mit starker Befremdung auf diese Berufswahl reagierten. Ihr Kunststudium f├╝hrte sie von M├╝nchen ├╝ber Italien nach Paris, in letztere Stadt ging sie gemeinsam mit ihrem damaligen Ehemann, dem wohlhabenden ungarischen Baron Lajos Hatvany. Nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs mussten beide jedoch nach Ungarn zur├╝ck kehren und Winsloe bekam zum ersten Mal einen Eindruck davon, was sie einige Jahrzehnte sp├Ąter am eigenen Leibe sp├╝ren w├╝rde: Dass Kriege Kunst, Literatur und Kultur verdr├Ąngen und vernichten k├Ânnen.

In Ungarn stand Winsloe mit vielen literarischen Gr├Â├čen der Zeit in Kontakt und war weiterhin als Bildhauerin t├Ątig. Sie schuf vor allem Tierplastiken, die auch wiederholt ausgestellt wurden. Ber├╝hmt werden sollte sie aber als Schriftstellerin. 1930 wurde ihr Theaterst├╝ck "Ritter N├ęrestan" in Leipzig uraufgef├╝hrt. 1931 verfilmte Leontine Sagan das St├╝ck unter dem Titel "M├Ądchen in Uniform" mit gro├čem Erfolg. 1958 entstand die heute noch bekannte Verfilmung mit Romy Schneider.

Die Macht├╝bernahme der Nationalsozialisten zerst├Ârte Winsloes Karriere jedoch nach und nach. Ihre Geliebte, die Journalistin Dorothy Thompson, die es sich schon fr├╝h zur Aufgabe machte, die Welt vor den Entwicklungen in Deutschland zu warnen, lie├č auch Winsloe den Nazis verd├Ąchtig erscheinen. In Amerika bei Thompson konnte Winsloe noch einige Zeit erfolgreich ver├Âffentlichen. Nachdem sie nach Europa zur├╝ckgekehrt war, zerbrach die Beziehung der beiden Frauen jedoch allm├Ąhlich. Christa Winsloe verbrachte die letzten Jahre ihres Lebens unter recht ├Ąrmlichen Umst├Ąnden mit ihrer neuen Lebensgef├Ąhrtin Simone Gentet in Frankreich, wo beide schlie├člich als vermeintliche Spioninnen hingerichtet wurden.

Christa Winsloe war eine Frau, die es definitiv verdient hat, dass jemand eine Biographie ├╝ber sie schreibt. Doris Hermanns hat sich gro├če M├╝he gegeben, so viele Informationen ├╝ber Winsloe zu sammeln wie m├Âglich, doch trotzdem gibt es L├╝cken und Unklarheiten, die auch sie nicht beseitigen kann. Als Informationsquelle f├╝r ihre Jugendjahre muss h├Ąufig eine als recht autobiographisch geltende Erz├Ąhlung Winsloes herhalten und an vielen Stellen kann Hermanns nur spekulieren, wie es gewesen sein k├Ânnte. Anderes, vor allem aus der zweiten Lebensh├Ąlfte ist durch Briefwechsel und Tagebucheintr├Ąge weitaus besser dokumentiert. Aus diesen Gr├╝nden liest sich die Biographie mal mehr mal weniger gut. Die Schilderung von Ereignissen und Lebensabschnitten, zu denen es wenig Informationen gibt, sind teilweise recht trocken, da Hermanns - was mensch ihr zugute halten muss - hier ehrlich zugibt, nicht mehr zu wissen. Dagegen kann beispielweise die Beziehung von Winsloe und Thompson intensiver und mitrei├čender geschildert werden, denn zahlreiche Briefe geben einen direkten Eindruck davon, wie die beiden miteinander umgingen. Insgesamt gelingt hier ein liebevolles Portrait einer Frau, die nicht in Vergessenheit geraten sollte.

AVIVA-Tipp: Doris Hermanns stellt sich der Schwierigkeit, ein Leben zu beschreiben, von dem vieles f├╝r immer verloren ist. Das Ergebnis ist eine interessante Spurensuche, die nicht nur Christa Winsloe gerecht wird, sondern ebenso eine Beziehung zwischen deren Leben, den politischen Entwicklungen der Zeit und anderen intellektuellen und k├╝nstlerischen Gr├Â├čen herstellt.

Zur Autorin: Doris Hermanns, 1961 in Bardenberg bei Aachen geboren, studierte P├Ądagogik und Soziologie in Bielefeld. Seit 1990 lebt sie in Utrecht/Niederlande und arbeitet dort als selbst├Ąndige Antiquarin im Antiquariaat Vrouwenindruk - Modern & Antiquarian Women┬┤s Books, online unter: www.xs4all.nl. Daneben ist sie als freie Journalistin t├Ątig, schreibt unter anderem f├╝r die Virginia Frauenbuchkritik und ver├Âffentlichte Artikel und Buchbeitr├Ąge zu Christa Winsloe und anderen Frauen. Parallel zur Winsloe-Biographie verfasste sie auch das Nachwort zur Neuausgabe von "Das M├Ądchen Manuela", dem Roman zum Film "M├Ądchen in Uniform", der soeben im Verlag Krug & Schadenberg erschienen ist. (Verlagsinformationen)

Ausstellung im Schwulen Museum:
30. November 2012 ÔÇô 4. M├Ąrz 2013

M├Ądchen in Uniform ÔÇô Christa Winsloe (1888-1944)
Erstmals werden aus Privatbesitz Skulpturen und Skizzen gezeigt, Manuskripte und Pressebeitr├Ąge repr├Ąsentieren ihr schriftstellerisches Werk. In Briefen beschreibt sie ihren Alltag. Postkarten zeigen die Lebensorte Hatvan, M├╝nchen und S├╝dfrankreich. Dokumente belegen die Ungewissheit der Freundinnen ├╝ber das Schicksal Christa Winsloes nach Kriegsende. Kost├╝me, Plakate, Szenen- und Kost├╝mentwufszeichnungen, Fotos und Dokumente zeigen die Rezeption der drei Filme und ausgew├Ąhlter Theaterinszenierungen von 1930 bis heute. Die Exponate sind Leihgaben aus deutschsprachigen Museen.
KuratorInnen: Heike Stange, Wolfgang Theis
Veranstaltungsort: Schwules Museum, Mehringdamm 61, 10961 Berlin
www.schwulesmuseum.de

Die AVIVA-Rezension zu "Das M├Ądchen Manuela", erschienen im Verlag Krug & Schadenberg, Berlin, folgt demn├Ąchst!

Doris Hermanns
Meerkatzen, Mei├čel und das M├Ądchen Manuela. Die Schriftstellerin und Tierbildhauerin Christa Winsloe

AvivA Verlag, erschienen im September 2012
Gebunden, 320 Seiten, 70 Abbildungen
978-3-932338-53-3
19,90 Euro
www.aviva-verlag.de

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Literatur Beitrag vom 08.10.2012 Annika H├╝ttmann 





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