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AVIVA-BERLIN.de im September 2020 - Beitrag vom 12.12.2012


Pussy Riot - Ein Punkgebet für Freiheit
Britta Meyer

Keine drei Minuten dauerte der Auftritt der fünf Frauen am 21. Februar 2012 in der Christ-Erlöser-Kathedrale in Moskau, aber er schrieb Geschichte. Während drei der Aktivistinnen verhaftet und...




... wegen "Rowdytums" und "religiösem Hass" zu jahrelanger Lagerhaft verurteilt wurden, brachen weltweite Proteste gegen den überdimensionierten Schauprozess los. Ob die UnterstützerInnen lautstark demonstrierten, Petitionen aufsetzten oder auf Rockkonzerten die Freilassung der Aktivistinnen forderten – die neonfarbenen Skimützen der Band wurde zum weltweiten Zeichen der Solidarität.

"Jungfrau Maria, heilige Muttergottes,
räum Putin aus dem Weg, räum Putin aus dem Weg!"


Sie protestierten gegen Korruption, Sexismus und gegen die allzu engen Beziehungen der orthodoxen Kirche zum Kreml, angeklagt wurden sie als gewöhnliche Kriminelle, die die Gefühle gläubiger ChristInnen verletzten wollten. Jekaterina Samuzewitsch befindet sich inzwischen auf freiem Fuß, Nadeschda Tolokonnikowa und Marija Aljochina verbüßen je zwei Jahre Haft in Straflagern. Jetzt ist eine Dokumentensammlung des Geschehenen erschienen – ein reales Gerichtsverfahren im 21. Jahrhundert.

"Bitte bewahren Sie den Platz im Gefängnis für echte Kriminelle."
(Yoko Ono in einem Brief an Präsident Putin)

Liedtexte der Band rahmen Briefe aus dem Gefängnis, Gedichte, Schreiben an den Patriarchen Kyrill und Dmitri Medwedew, Protokolle der Gerichtsverhandlung, Plädoyers von StaatsanwältInnen und VerteidigerInnen sowie die Eingangserklärungen und abschließenden Statements der Angeklagten vor Gericht ein. Anmerkungen am Kapitelende erklären Hintergründe und Anspielungen innerhalb der Texte. Die Auszüge aus dem Gerichtsprotokoll lesen sich so absurd, dass mensch sich in einem besonders skurrilen Monthy-Python-Sketch wähnt – und nicht in einem echten Verfahren, das in jahrelangem Freiheitsentzug endete. Wer den Prozess nicht oder nur teilweise verfolgen konnte, findet hier das Versäumte zum Nachschlagen.

"Ägyptische Luft ist gut für die Lungen,
mach aus dem Roten Platz einen Tahrir"


Trotz der gelungenen Zusammenstellung von Dokumenten zum Verfahren stoßen manche Details der Anthologie übel auf. Gleich auf der ersten Seite findet sich das zu Recht scharf kritisierte UnterstützerInnen-Plakat, auf dem Putin als "Pussy" bezeichnet wurde und die Verwendung des Wortes als sexistische Beleidigung mit reproduzierte. Auch dass mensch ausgerechnet in einer Textsammlung zu Pussy Riot vergeblich nach geschlechtergerechter Sprache sucht (sogar aus der Richterin wurde ein Richter gemacht), ist ein Unding. Etwas mehr Reflektion hätte gerade hier vorausgesetzt werden können.

Dennoch sprechen die Texte in ihrer Direktheit und ihrer leidenschaftlichen Wut für sich und bilden eindrücklich ab, was im Jahr 2012 möglich war: eine waschechte Hexenjagd.

Zur Übersetzerin: Barbara Häusler, geboren 1958, arbeitete neun Jahre als Redakteurin für Kultur, Medien und Satire bei der taz in Berlin und kurze Zeit beim Kunstmagazin ART in Hamburg. Sie lebt als freie Journalistin, Lektorin und Übersetzerin in München. (Quelle: Perlentaucher)

AVIVA-Tipp: "Jungfrau Maria, heilige Muttergottes, werd´ Feministin, werd´ Femistin, werd´ Feministin!" Amen.

Pussy Riot!
Ein Punkgebet für Freiheit

Mit einem Vorwort von Laurie Penny
Aus dem Englischen von Barbara Häusler
Edition Nautilus
Deutsche Erstausgabe, erschienen November 2012
Broschur, 128 Seiten
ISBN 978-3-89401-769-9
9,90,- Euro
www.edition-nautilus.de


Weitere informationen finden Sie unter:

Offener Protestbrief zur Kritik an der Band Pussy Riot von engagierten Christen und der Pussy-Riot-Unterstützungs-Community

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Alle AVIVA-Updates zu den Pussy Riots. NEU: Sonderpreis des Westdeutschen Rundfunks geht an die Musikerinnen von Pussy Riot

Der Fall Chodorkowski - ein Film von Cyril Tuschi






Literatur

Beitrag vom 12.12.2012

Britta Meyer 






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