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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 27.02.2013

Ella Griffin - An und f├╝r Dich
Dana Strohscheer

Ein Unterhaltungsroman aus der Welt der Reichen und Sch├Ânen, wo erfolgreiche Frauen in Werbeagenturen arbeiten, deren Leben nach dem Plan Job-Mann-Kind verl├Ąuft und die keine Existenz├Ąngste kennen.



Willkommen in der Welt von Saffy. Sie ist Ende Zwanzig, arbeitet bei einem hippen PR-Unternehmen und w├╝nscht sich nichts sehnlicher, als eine Familie mit ihrem Freund zu gr├╝nden. Er h├Ârt auf den Namen Greg, ist ein m├Ą├čig talentierter Schauspieler und h├Ąlt sich f├╝r den Mittelpunkt der Welt.

An dieser Stelle m├Âchte mensch das Buch bereits aus der Hand legen. Doch damit wird dem Debutroman der irischen Autorin Ella Griffin nicht Gen├╝ge getan.

Die Traumwelt von Saffy bricht dann zusammen, als Greg ihr den lang ersehnten Antrag macht und der gro├če Tag immer n├Ąher r├╝ckt. Pl├Âtzlich ist sich die Protagonistin gar nicht mehr sicher, ob Heiraten wirklich das ist, was sie will.

Liest sich Griffins Roman anfangs als nochmaliger Aufguss einer vielfach bekannten Story nach dem Prinzip Liebe-Intrigen-Happy End, entpuppt sie sich doch zu einer etwas anderen Erz├Ąhlung. Indem sich Saffy auf die Suche nach ihren eigentlichen W├╝nschen und Sehns├╝chten macht, wird deutlich, dass sie die Normen des Allt├Ąglichen nur aus einem Grund f├╝r sich in Anspruch nehmen m├Âchte: Als Abgrenzung zu ihrer beruflich erfolgreichen, emotional jedoch unterk├╝hlten Mutter Jill.

Hier schrillen beim Lesen nat├╝rlich die Alarmglocken. Soll hier wieder einmal das Bild einer karriereorientierten Frau gezeichnet werden, die f├╝r alles Zeit hat, nur nicht f├╝r das eigene Kind? Ja und Nein. Die Mutter Saffy┬┤s wird nicht unbedingt sympathisch charakterisiert, doch verharren die Figuren gl├╝cklicherweise nicht nur in oberfl├Ąchlichen Stereotypen. Vielmehr wird deutlich, dass sowohl Mutter als auch Tochter in der Vergangenheit Fehler gemacht und unterschiedliche Lebensentw├╝rfe haben.

Als Gegenpart zu der leicht chaotischen, konsumorientierten Saffy konzipiert die Autorin ein "Paar ohne Trauschein", mit gemeinsamen Kindern, Jess und Connor. Die beiden scheinen trotz permanenter finanzieller Schwierigkeiten gl├╝cklich zu sein. Bis Connors selbst verfasster Roman, an dem er seit Jahren arbeitet, von einem Verlag angenommen wird. Er beginnt dadurch, an seinem bisherigen Lebensweg zu zweifeln. So entwickelt sich eine Nebenhandlung, die der doch etwas d├╝nnen Story ├╝ber die Hauptfigur zu mehr Leben verhilft. Denn nun werden in der Erz├Ąhlung auf einer zweiten Ebene Probleme einer bestehenden Beziehung verhandelt, wie Alltagstrott und die Angst, etwas im Leben zu verpassen - und die permanente Furcht vor dem pers├Ânlichen Scheitern.

Allerdings kann sich die Autorin nicht so ganz entscheiden, welcher Handlung sie den Vorrang geben soll, und so ist mensch beim Lesen immer wieder zwischen den beiden Geschichten hin und her gerissen, die nur lose miteinander verbunden sind.

Leider ├╝berzeugt Griffins auch Sprache und Erz├Ąhlstil nur bedingt:

"Greg war immer gern ein bisschen anders. Er hatte ihr letztes Jahr eine riesige Venusfliegenfalle geschenkt. Sie war ganz h├╝bsch, aber im Februar gab es wenig Fliegen, und sie war gestorben, nachdem Saffy sie mit einem St├╝ck R├Ąucherlachs von ihrem Bagel gef├╝ttert hatte."

Der bem├╝ht lockere Schreibstil der Autorin passt nicht wirklich zu den teilweise eher ernsthaften Themen, wie der schweren Erkrankung von Saffy┬┤s Mutter, weigert sich auf der anderen Seite jedoch, ganz in Banalit├Ąten abzugleiten. So m├Ąandert der Roman vor sich hin, neigt einmal mehr dem Drama, dann der Kom├Âdie zu, ohne eine eigene Sogwirkung zu erzeugen.

Was das Buch trotzdem lesenwert macht, ist die W├Ąrme und Lebenserfahrung, mit der die Autorin ihren Figuren begegnet. Die Hilflosigkeit, mit der Saffy und Connor den Verwicklungen des Lebens gegen├╝berstehen, m├Âgen die LeserInnen aus eigener Erfahrung kennen - und das macht sie sympathisch.

Zudem thematisiert Griffin die schwierige Mutter-Tochter-Beziehung einf├╝hlsam, r├Ąumt auch dem (nicht ganz freiwillig) abwesenden Vater und der daraus resultierenden Unsicherheit der Protagonistin Saffy gen├╝gend Platz ein. Dieser Strang der Erz├Ąhlung ist interessant und lesenswert und wertet den Roman auf.

Zur Autorin: Ella Griffin wuchs als j├╝ngstes von sechs Kindern in Dublin auf. Nach dem College schlug sie sich mit Gelegenheitsjobs durch, bis sie in der Werbebranche landete und dort viele Jahre erfolgreich arbeitete. "An und f├╝r Dich" ist ihr erster Roman. (Quelle:Verlagsinformationen)

Zu den ├ťbersetzerinnen:

Isabel Bogdan
1968 in K├Âln geboren, studierte Anglistik und Japanologie in Heidelberg und Tokio. Sie lebt in Hamburg und arbeitet als Autorin und ├ťbersetzerin. So hat sie beispielsweise das Buch von Jonathan Safran Foer "Tiere essen" (gemeinsam mit Ingo Herzke und Brigitte Jakobeit) und Megan Abbotts "Das Ende der Unschuld" ├╝bersetzt. Im Jahr 2012 ver├Âffentlichte sie bei Rowohlt das Buch Sachen machen. Zudem ist sie Vorsitzende des Vereins zur Rettung des Anderthalb. Im Jahr 2006 erhielt sie den Hamburger F├Ârderpreis f├╝r literarische ├ťbersetzung. Im Jahr 2011 folgte diese Auszeichnung f├╝r ihre eigenen literarischen Arbeiten. (Quelle: www.isabelbogdan.de)

Jenny Merling, geboren 1983, studierte Literatur├╝bersetzen in D├╝sseldorf. Sie ├╝bersetzt aus dem Spanischen und Englischen, unter anderem Patricia Briggs, Antonio Lozano, und Devan Sipher. (Quelle:Verlagsinformationen)

AVIVA-Fazit: Lockere Ferienlekt├╝re, die am Strand oder abends auf dem Sofa konsumiert werden kann. Nicht herausragend, aber durchaus lesenswert. Wie die Protagonistin ihre eigene Familiengeschichte nach und nach aufarbeitet, birgt einiges an Identifikations- beziehungsweise Verst├Ąndnispotenzial.

Ella Griffin
An und f├╝r Dich

Originaltitel: Postcards From the Heart
Aus dem Englischen ├╝bersetzt von Jenny Merling und Isabel Bogdan
Kiepenheuer und Witsch, erschienen August 2012
Gebundene Ausgabe, 480 Seiten
ISBN: 978-3462044164
16,99,- Euro
www.kiwi-verlag.de

Weitere Informationen finden Sie unter:

www.ellagriffin.com

www.goodreads.com

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Anne Cushman - Ich, mein Karma und Er

Megan Abbott - Das Ende der Unschuld

Jonathan Safran Foer - Tiere essen

Ayelet Waldman - B├Âse M├╝tter




Literatur Beitrag vom 27.02.2013 Dana Strohscheer 





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