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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 08.08.2014

Eva Hesse - One More than One
Dorothee Kr├Âger

"Can It Be Different Each Time?", fragte die New Yorker K├╝nstlerin. Der Ausstellungskatalog geht dieser Frage mit Abbildungen ihrer Werkausstellung in Hamburg, Tagebuchnotizen, Interviews...



...und Zeitungsartikeln in biographisch-philosophischer Melange nach.

One More than One ÔÇô Line as object

Unter diesen dialogischen Ausstellungstiteln stellte die Hamburger Kunsthalle vom 29. November 2013 bis zum 2. M├Ąrz 2014 die Objektkunst der international bekannten, aus Hamburg stammenden K├╝nstlerinnen Eva Hesse und Gertrud Goldschmidt vor. Die fr├╝h verstorbene Eva Hesse, die die meiste Zeit ihres Lebens in New York lebte, entwickelte einen eigenen Ansatz f├╝r Objektkunst und gab pr├Ągende Impulse f├╝r die Minimal ÔÇô und Prozesskunst.

Die Ausstellung "One More than One" setzte sich aus einer Vielzahl von Leihgaben internationaler Museen und Privatsammlungen zusammen. Pr├Ąsentiert wurden circa 50 Zeichnungen und Skulpturen, unter denen sich auch einige Schl├╝sselwerke Hesses wie die f├╝nfteilige Arbeit Sans II (1968), Repetition Nineteen (1968) und Accession (1968)befanden.
Der reich bebilderte Ausstellungskatalog "One More than One" fokussiert Zeichnungen und Skulpturen der K├╝nstlerin aus den Jahren 1966 bis 1970, ihrer Sp├Ątphase. Erg├Ąnzt werden die Abbildungen in Englisch und Deutsch durch ausf├╝hrliche Erl├Ąuterungen zu Eva Hesses Werk, Interviews mit Bekannten, GaleristInnen und Familienmitgliedern, sowie zu ihren Ausstellungen. Damit ├Âffnet der Katalog auf vielseitige Weise einen Zugang zu dem faszinierenden Werk Hesses und schl├╝sselt Unzug├Ąnglichkeiten auf.

Kunst im Exil

Die J├╝din Eva Hesse verlie├č Deutschland 1938 und emigrierte mit ihren Eltern und der ├Ąlteren Schwester zun├Ąchst ├╝ber die Niederlande und England schlie├člich nach New York. Die Traumatisierung des Holocaust und der Selbstmord der Mutter sch├╝rten ├ängste, mit denen sich die K├╝nstlerin bis zu ihrem Tod auseinander setzte.
In den USA besuchte sie unter anderem die New York High School of Industrial Arts, Cooper Union for the Advancement of Science and Art und Yale School of Art and Architecture.
Ihr Werk, das sich durch seine serielle Struktur ausweist, entstand in Auseinandersetzung mit befreundeten Minimal-K├╝nstlern, wie Mel Bochner und Sol LeWitt. Daneben sprach sie selbst von literarischen Einfl├╝ssen, wie die Samuel Becketts, Jean-Paul Sartres und Albert Camus┬┤. Die Thematik des Absurden, welches nur einen Sinn hat, als sie sich nicht mit ihm abfindet, ├╝berf├╝hrt Hesse in das "Prinzip der scheinbar sinnentleerten Wiederholung". Ins Extrem getrieben, begegnet sie so dem Widersinnigen und Fremden. Eva Hesses Werk ist charakterisiert durch eine stetige Widerspr├╝chlichkeit, die sie in ein Spannungsverh├Ąltnis bringt, jedoch nicht (auf)l├Âst.

"Wiederholung und Differenz", "Ordnung und Chaos"

Mittels ungew├Âhnlicher Materialien, wie Polyester, Glasfaser und Latex einerseits und ihren Zeichnungen andererseits, ging es Hesse bei einer Vielzahl ihrer Werke, wie zum Beispiel Sans II und Repetition Nineteen III, um die Modularit├Ąt in der Wiederholung. Hesse nutzte einen begrenzten Variationsspielraum, der mit einer exakten Wiederholung bricht, sich durch die serielle Struktur aber auch einer unbeschr├Ąnkten Variation entsagt. Durch die Wiederholung zeigt sie steigernd, ├╝bertreibend und aktualisierend die M├Âglichkeit der Ver├Ąnderung und verneint damit die Sinnlosigkeit.

"Ich glaube, ich werde mich im Vergleich zu den meisten Leuten immer ein bisschen anders f├╝hlen und dies auch sein wollen. Darum nennt man uns K├╝nstler." (Eva Hesse in einem Brief an ihren Vater Anfang der 1950er Jahre)

Eva Hesse (1936ÔÇô1970) ist eine der herausragenden K├╝nstlerinnen des 20. Jahrhunderts. In Hamburg geboren, emigrierte sie 1938 ├╝ber Holland nach New York. Als Eva Hesse im Alter von nur 34 Jahren an einem Gehirntumor starb, hinterlie├č sie ein faszinierendes und h├Âchst eigenst├Ąndiges Werk. In der zweiten H├Ąlfte der 1960er-Jahre experimentierte sie mit neuen Materialien, die in der Objektkunst bis dahin noch keine Verwendung gefunden hatten, wie Polyester, Glasfaser und Latex. Hesses Skulpturen, die sich heute in den gro├čen Museen der Welt befinden, verbinden auf einzigartige Weise komplexe und zum Teil kontr├Ąre Aspekte: hart und weich, fragil und pr├Ąsent, abstrakt und assoziationsreich.
(Quelle: Verlagsinformation)

AVIVA-Tipp: Diejenigen, die die Hamburger Ausstellung verpasst haben, erhalten mit dem Ausstellungskatalog die M├Âglichkeit, sich mit Eva Hesses Werk auseinander zu setzen. Es lohnt sich! Neben den Abbildungen, die zum Innehalten anregen, finden sich eine Vielzahl philosophischer Diskurse im Werk Hesses, die hier ausf├╝hrlich in die Auseinandersetzung miteinbezogen werden.

Eva Hesse
One More than One

HerausgeberInnen: Hubertus Ga├čner, Brigitte K├Âlle, Petra Roettig
Hatje Cantz Verlag, erschienen 2013
240 Seiten, 138 Abbildungen
Deutsch, Englisch
ISBN 978-3-7757-3754-8
35,00 Euro
www.hatjecantz.de

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Ein Portr├Ąt von Eva Hesse

Edward van Voolen - 50 J├╝dische K├╝nstler, die man kennen sollte

Im Gespr├Ąch mit Anna Lenz - Starke Frauen f├╝r die Kunst

Elfi Hartenstein - J├╝dische Frauen im New Yorker Exil

Weitere Informationen im Jewish Women┬┤s Archive:
Jewish Women┬┤s Archive



Literatur Beitrag vom 08.08.2014 AVIVA-Redaktion 





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