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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 28.09.2014

Tove Jansson - Fair Play
Bärbel Gerdes

Das wunderbare Leben und Lieben zweier K√ľnstlerinnen beschreibt K√ľnstlerin Tove Jansson auf hinrei√üend witzige, gleichzeitig sehr ber√ľhrende Weise. Die Frau, die einfach nur etwas Sch√∂nes lesen ...



... möchte, greife zu diesem Buch!

Das gro√üe Manko vieler Lesbenromane ist ... dass sie Lesbenromane sind. Da geht es um das ewige Coming Out, um Untreue, um Liebe, um Verliebtheit... und immer mit der Betonung, es handele sich um zwei Frauen. Dieses Plakative ist der Grund, weshalb Virginia Woolf nie einen expliziten Lesbenroman geschrieben hat ‚Äď das Schreiende, Hinweisende lehnte sie ab.

Wie viel feiner, feinsinniger, sch√∂ner ist hingegen der Roman Fair Play, den der Stuttgarter Verlag Urachhaus zum 100. Geburtstag Tove Janssons vorlegt. Ja, jene Tove Jansson, die ‚Äď und sie konnte es selbst nicht mehr h√∂ren ‚Äď so ber√ľhmt wurde mit den nilpferdartigen Mumins, die sie erfunden, gezeichnet und erz√§hlt hat.

Und weil Jansson nicht mehr darauf hingewiesen werden mochte, wollen auch wir dar√ľber schweigen und uns stattdessen diesem hinter-, tief- und oft auch abgr√ľndigem Werk zuwenden.

In Fair Play schreibt die finnisch-schwedische Autorin vermutlich √ľber sich selbst und ihre lange Liebe zu der Graphikerin Tuulikki Pietil√§. Doch egal, ob dies nun autobiographisch ist oder nicht ‚Äď Jansson vollbringt etwas vollkommen Verzauberndes: sie beschreibt das Leben zweier Frauen, zweier K√ľnstlerinnen, deren Liebe und Vertrautheit einfach da ist, unausgesprochen, f√ľr jede Leserin sp√ľrbar, immer mitschwingend.

Jonna und Mari wohnen winters in der Stadt, in einem Haus, in zwei Wohnungen, die √ľber einen Dachboden miteinander verbunden sind. Den Sommer verbringen sie auf ihrer Sch√§reninsel, ein winziges Eiland, auf dem sie schreiben, bildhauern, malen, Besuch empfangen.
Ihr Miteinander ist gepr√§gt von gr√∂√üter gegenseitiger Anerkennung und gr√∂√ütem Respekt f√ľreinander und gleichzeitig von wertsch√§tzender und bereichernder Kritik an dem k√ľnstlerischem Werk der anderen.

Jonna h√§ngt die Bilder in Maris Wohnung um. Jonna, die die gl√ľckliche Eigenschaft [hatte ...] jeden Morgen wie zu einem neuen Leben aufzuwachen, zu einem Leben, das sich unverbraucht und vollkommen sauber vor ihr erstreckte bis zum Abend. Jeder Standort eines Bildes wird diskutiert. Mit gro√üer Feinheit erkl√§rt uns Tove Jansson in dieser Situation die Beziehung der beiden Frauen. Jonna sagt: Schau mal, hier ist etwas von mir, und hier h√§ngt deine Zeichnung, die st√∂ren einander. Wir brauchen Distanz, das ist notwendig.

Es ver√§rgert die eine nicht, dass die andere regelm√§√üig beim Anschauen ihrer geliebten Videos einschl√§ft ‚Äď es ist einfach so. Es ist selbstverst√§ndlich, einander nicht √ľber den Fortschritt ihrer Arbeit zu befragen, wenn deutlich ist, dass allein diese Frage jeden kreativen Prozess zerst√∂ren w√ľrde. Jansson l√§sst gro√üe Empathie f√ľreinander sp√ľrbar werden, ohne sie explizit darzustellen.

Beide besitzen das tiefe Vertrauen, dass die eine der anderen nicht schaden will, sondern ihr wohlgesonnen ist ‚Äď selbst als Jonna den k√∂niglichen Vogel erschie√üt, der f√ľr Mari selbstverst√§ndlich zur Insel geh√∂rt, auch wenn er sich so oft die geliebten Eiderentenk√ľken als Snack zwischendurch holt ‚Äď selbst dann gibt es Verst√§ndigung und gegenseitiges Verstehen wollen.

Janssons Text zeichnet sich dadurch aus, dass er nicht st√§ndig auf die Liebe hinweisen muss; sie ist einfach da. Stattdessen zeichnet sie ein Leben voller Kunst und Neugier auf Neues, voller Abenteuer und Stille, voller Gleichma√ü und Lebendigkeit. Das Wetter, das Meer spielen eine gro√üe Rolle: fantastisch, wie sie die unheimliche Ruhe in einem Boot auf dem Meer bei Seenebel beschreibt. Ber√ľhrend die erschreckende Erkenntnis, dass die beiden Frauen ihr Boot nicht mehr an Land ziehen k√∂nnen, dass die Kr√§fte nachlassen.

Fair Play ist ein Roman ‚Äď oder ist es eine Aneinanderreihung von Kurzgeschichten? - der in jedem Lesbenhaushalt zu finden sein sollte, einfach weil er so atemberaubend sch√∂n ist.

"Wie still es geworden ist", sagte Jonna. "Das war doch ein ziemlich gutes Gewitter, findest du nicht auch?"
"Ein sehr gutes", sagte Mari. "Das beste, das wir gehabt haben."


AVIVA-Tipp: Tove Janssons Romane f√ľr Erwachsene sind ausnahmslos empfehlenswert. Fair Play ist vielleicht das Sahneh√§ubchen auf ihrem Werk.

Zur Autorin: Tove Jansson (1914-2001) wuchs in einem K√ľnstlerInnenhaushalt in Helsinki auf. Mit 16 begann sie in Stockholm ihre k√ľnstlerische Ausbildung, studierte in Paris und Helsinki und arbeitete als Illustratorin und Karikaturistin. International wurde sie durch ihre Mumin-B√ľcher und -Comics bekannt, schrieb aber au√üerdem viele Romane und Kurzgeschichten f√ľr Erwachsene. In den 50er-Jahren traf sie die Graphikerin Tuulikki Pietil√§, mit der sie bis zu ihrem Lebensende eine tiefe Liebe verband.

Zur √úbersetzerin: Birgitta Kicherer wuchs zweisprachig in Schweden und Deutschland auf, studierte Graphik und arbeitete als Illustratorin, bevor sie sich der √úbersetzung zuwandte. Kicherer √ľbersetzt vorwiegend Kinder- und Jugendb√ľcher aus dem Schwedischen und gilt als eine der produktivsten √úbersetzerinnen Deutschlands. 1999 erhielt sie f√ľr ihr Gesamtwerk den Sonderpreis des Deutschen Jugendliteraturpreises.

Tove Jansson
Fair Play

Roman
Deutsche Erstausgabe
Aus dem Schwedischen von Birgitta Kicherer
Originaltitel: Rent spel
Verlag Freies Geistesleben & Urachhaus, erschienen 2014
Gebunden, 121 Seiten
ISBN 978-3-8251-7892-5
17,90 Euro
www.geistesleben.de

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Tove Jansson - ein Portrait der Erfinderin der Mumins und Gr√ľnderin von Oy Moomin Characters Ltd

Tuula Karjalainen - Tove Jansson. Die Biografie

Website zu Tove Jansson:
www.tovejansson.com

Das Unternehmen Oy Moomin Characters Ltd, das Tove Jansson mit ihrem Bruder Lasse Ende der 1950er Jahre gr√ľndete ist im Netz unter: www.moomin.com

Weiterlesen:

Westin, Boel: Tove Jansson: Life, Art, Words. The Authorized Biography. Translation: Silvester Mazzarella. Sort of Books 2014

www.reprodukt.com

www.fembio.org








Literatur Beitrag vom 28.09.2014 B√§rbel Gerdes 





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