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AVIVA-BERLIN.de im Juli 2018 - Beitrag vom 10.02.2015

Barbara Yelin - Irmina
Clarissa Lempp

Irmina ist die sperrige Protagonistin in Barbara Yelins gleichnamigem Comic. Eine junge Deutsche, die sich in England verliebt, aber zurück nach Nazi-Deutschland muss und sich hier gut arrangiert.



Irmina ist eine Draufgängerin, zumindest für die Zeit, in der sie sich bewegt. Schon in den 1930er Jahren geht sie allein nach England, in das große London, um eine Ausbildung zur Fremdsprachensekretärin zu absolvieren. Sie träumt davon, mehr zu sehen von der Welt, mehr zu wissen, als das, was sie in ihrer kurzen Schullaufbahn und im Arbeitszimmer des Vaters lernte. In London bleibt sie aber fremd. Hitzköpfig verteidigt sie hier mit gleichem Eifer ihren Freund, den Studenten Howard aus Barbados, als auch die politischen Entwicklungen in Deutschland. Als sie keine finanzielle Unterstützung mehr von ihrer Familie erhält, bleibt ihr nichts anderes übrig, als zurück nach Deutschland zu gehen. Hier ist die nationalsozialistische Propaganda überall und Irmina wird schnell klar, dass es gilt mitzumachen, oder keine ruhige Minute mehr zu haben. Irmina will arbeiten, sie will leben, sie will lieben, sie will eine Zukunft. Also arrangiert sie sich. Sie heiratet und arbeitet im Kriegsministerium. Ihre erste Liebe aus England vergisst sie aber nicht und so macht sie sich schließlich als alte Frau nach Barbados auf, um Howard wieder zu sehen. Der hat das Bild der mutigen Irmina in seinem Herzen konserviert. Irmina muss schließlich sich und Howard eingestehen, dass sie nicht immer couragiert in ihrem Leben war.

Barbara Yelin erzählt in drei Kapiteln von Irmina, einer deutschen Frau, die ihr Leben in Zeiten des aufkommenden Nationalsozialismus weiterführt. Ihre Entscheidungen sind nicht politischer oder ideologischer Natur. Sie will einfach so viel wie möglich erreichen in ihrem Leben. Will einen Beruf und Sicherheit. Freiheit und eine eigene Familie gründen. Dafür geht sie schließlich auch Kompromisse ein. Die LeserInnen dieser Graphic Novel bleiben zurück mit dem Gedanken, was wäre wenn? Was wenn Irmina nicht nach Deutschland zurückgekehrt wäre? Welches Leben hätte sie geführt? Wenn sie Howard, statt den Oberscharführer geheiratet hätte? Irmina nutzte das NS-Regime als Chance zum Aufstieg, als Chance auf Sicherheit, zumindest bis zu Kriegszeiten. Sie wird nicht zur aktiven Täterin, aber sie toleriert die grausamen Vergehen, die um sie herum stattfinden. Irmina verdrängt einfach, wird hart und konzentriert sich auf den eigenen Vorteil. Das alles macht sie nicht zu einer sympathischen Persönlichkeit, aber zu einer authentischen, deutschen Geschichte, wie sie für tausende andere steht. Eine Geschichte über MitläuferInnen und MittäterInnen.

Barbara Yelins Zeichenstil, mit skizzenhaften und gleichzeitig detaillierten Bildern, die Mensch und Stadt gleichermaßen einfangen, unterstützt das Gefühl der Frage nach den Alternativen in Irminas Leben. So wie die Zeichnungen nicht nur einen Strich, sondern viele Linien nutzen, um etwas sichtbar zu machen, ist auch Irminas Leben das Ergebnis von Möglichkeiten. Die zurückhaltende Farbgestaltung ändert sich in den drei Kapiteln (London, Berlin, Barbados) und wechselt von einer blauen bis zu einer grünlichen Farbgebung. Yelins Figuren weisen, wie auch in ihren anderen Graphic Novels, ein ungewöhnliches Spektrum an Ausdruck und Mimik auf. "Irmina" wurde bereits mit dem "Prix Artemisia 2015" ausgezeichnet.

AVIVA-Tipp: Irmina ist keine Heldin, sie ist auch keine Anti-Heldin. Sie macht schmerzhaft deutlich, wie in der Komplizenschaft mit einem grausamen System persönliche Wünsche und Ziele verwirklicht wurden. Barbara Yelin versucht damit aber keine Entschuldigungen zu suggerieren, viel mehr macht sie klar, auch das ist eine Entscheidung. Ein eindringliches und wundervoll gezeichnetes Comic. Unbedingt lesenswert.


Barbara Yelin
Irmina

Reprodukt Verlag, erschienen 2014
288 Seiten, farbig
Mit einem Nachwort von Dr. Alexander Korb
Format 19,5 x 23,5 cm, Hardcover
ISBN 978-3-95640-006-3

Barbara Yelin im Netz: www.barbarayelin.de

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Literatur Beitrag vom 10.02.2015 Clarissa Lempp 





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