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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 08.05.2015

Jayr么me C. Robinet - Das Licht ist weder gerecht noch ungerecht
Claire Horst

Es gibt wenige Autor*innen, auf die die Bezeichnung "Dichter*in" sich wirklich mit Berechtigung anwenden l盲sst. Jayr么me C. Robinet bezeichnet sich selbst als Spoken Word-K眉nstler. Tats盲chlich ist...



... er aber mehr: n盲mlich auch ein Dichter.

Unter "Spoken Word" k枚nnen sich hierzulande die wenigsten etwas vorstellen. Anders als das besser bekannte Format "Slam Poetry" hat Spoken Word keinen Wettbewerbscharakter. Und damit passt es besser zu Jayr么ome Robinet. Denn ihm geht es weniger um den Wettbewerb als darum, seinen Punkt pr盲zise und zugleich in poetischen Worten zu treffen.

Als erste Ver枚ffentlichung des von Profx Lann Hornscheidt und Steff Urgast neu gegr眉ndeten Verlags w_orten & meer ist nun Robinets erstes deutschsprachiges Buch erschienen. Erkl盲rterma脽en versteht der Verlag sich als politisches Projekt, das heteronormative Strukturen durchbrechen und antidiskriminierende Politiken st盲rken will.

Mit dem Buch von Robinet ist dazu ein erster, wichtiger Schritt gegangen, denn im Mittelpunkt seiner 鈥 autobiografischen? 鈥 Texte steht h盲ufig die Kritik an einengenden Sichtweisen. Im titelgebenden Theatermonolog beschreibt er den 脺bergang vom Leben als Frau zum Leben als Mann als einen Prozess, der noch ganz andere Zuschreibungen durch die Umgebung mit sich bringt: "Wie ich von einem wei脽en Topmodel zu einem Randalierer mit Migrationshintergrund wurde." Oft scheint wie hier ein leiser Humor auf, der die allt盲glichen Erscheinungsformen von Rassismus und Sexismus ertr盲glicher werden 鈥 und die Sprache als Mittel der Notwehr aufscheinen l盲sst.

Texte wie "Liebe Cis-Menschen" sind ein humorvolles und zugleich w眉tendes Pl盲doyer f眉r eine Absage an eindimensionale Sichtweisen: "Liebe Cis-Leute,/mich zu fragen/`Bist du trans* oder schwul?`/macht so viel Sinn wie die Frage 麓Reist du lieber mit dem Zug oder nach Barcelona?`"

Dem Buch ist eine CD mit der gesprochenen Variante der Texte beigelegt 鈥 und erst beim H枚ren entfaltet sich ihre ganze Kraft. Wenn Robinet fl眉stert, l盲chelt, stimmlich unterstreicht, 眉bertr盲gt sich nicht nur sein Glaube an die Macht der Worte, sondern auch die von ihm beschriebene Traurigkeit, Wut oder Liebe.

In seinen Gedichten und einer Kurzgeschichte findet er ungew枚hnliche und treffende Bilder. Die Lyrikerin Nora Gomringer trifft es in ihrem Geleitwort sehr genau, wenn sie schreibt: "Gute Lyrik kann sch眉tzen vor sch盲dlichen Welteinfl眉ssen. Der Band von Jayr么me C. Robinet ist ein kleiner Schutzschild."

Eine entw眉rdigende K枚rperkontrolle an einem Grenz眉bergang l盲sst Robinet in der Kurzgeschichte "Einreise in Zeitlupe" zu einer absurden Theaterszene werden, der die kontrollierte Transperson zwar ausgeliefert ist, 眉ber die sie sich mit der Macht ihrer Gedanken und Worte aber dennoch erheben kann: "Ich bin eine Tulpe, die nicht wei脽, was menschliche Stimmb盲nder sind. Wer wird mir helfen? Drau脽en ist Krieg. Ich schaue mich um. Der Raum ist schmutzig und verwaist. Ein Krieg plus ein Krieg plus ein Krieg. Ich bin luftlos. Ich will meine Freundin sehen. Ich will nicht untersucht werden. Ich will nicht, dass meine Freundin wegen mir mehr Probleme bekommt. Ich schlie脽e mein inneres Auge. "

Robinets Texte sind kleine Lobreden auf die Sprache, auf die Freude am Sprachgebrauch: "Ich will schwingende Welten und Geschmacksfragen stellen./Stracciapfelsine? Heidelbanane? Himmelbeere?/ Ich will das Wort zur眉ck/Ich will das Wort zur眉ck/Ich will das Wort zur眉ck/lieben/k枚nnen." 鈥 und zugleich sind sie flammende Aufrufe auf eine bessere Welt: "Ich habe ein Anrecht auf W枚rter, die friedlich sind/und mich mit offenen Armen empfangen./.../Ich habe ein Anrecht auf semantische Felder, die Spielwiesen sind,/auf breite Tummelpl盲tze, soweit die Zunge reicht./Ganz einfach:/Ich habe ein Anrecht auf menschliche Korrektheit."

AVIVA-Tipp: Robinets Texte machen Lust, genauer hinzuh枚ren, auf doppelte Bedeutungen zu achten. Sie machen aufmerksam auf das, was in unseren Worten mitschwingt, und helfen, 眉ber Beschr盲nktheit zu lachen.

Zum Autor: Jayr么me C. Robinet geb. 1977 in Frankreich, ist Schriftsteller, Spoken Word-K眉nstler und 脺bersetzer, Blogger, Journalist und Aktivist. M.A. Biografisches und kreatives Schreiben an der Alice Salomon Hochschule Berlin. Gender fluid mit Variationshintergrund, wei脽 und Akademiker aus einer bildungsb眉rgertumsfernen Familie. 2012 war er Writer in Residence an der Villa Decius in Krakau mit einem Stipendium der Stiftung f眉r deutsch-polnische Zusammenarbeit. Er lebt und arbeitet in Berlin. (Verlagsinformationen)

Jayr么me C. Robinet im Netz: jayromeaufdeutsch.wordpress.com, Jayrome als Gastautor bei der M盲dchenmannschaft

Jayr么me C. Robinet
Das Licht ist weder gerecht noch ungerecht. Ein Text- und H枚rbuch. Mit einem Vorwort von Nora Gomringer

w_orten & meer Verlag, erschienen im M盲rz 2015
Buch inklusive CD, Softcover, 128 Seiten, Spielzeit ca. 70 Minuten
ISBN: 978-3-9456-44-00 -3
15,95 Euro
Verlag w_orten & meer

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Literatur Beitrag vom 08.05.2015 Claire Horst 





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