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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 10.09.2015

Laura Rodrigues Nöhles - Frida Kahlo in Deutschland. Eine Rezeptionsgeschichte
Yvonne de Andrés

Die Autorin erlÀutert in ihrer Dissertation die politischen Tendenzen in Kahlos Werk, die Feministische Interpretation und den Zusammenhang mit der deutschen Kulturgeschichte des 20. Jahrhunderts.



Seitdem der Film "Frida" von Julie Taymor 2003 in die Kinos kam, ist Frida Kahlo auch dem breiten Publikum in Deutschland ein Begriff.

Die Malerin hat gemalt, gedichtet, geliebt und gelitten. Kahlo wird in diesem Film zur feministischen Ikone stilisiert.

Warum ist Frida Kahlo in Deutschland so beliebt und populĂ€r? Laura Rodrigues Nöhles untersucht in ihrer Dissertation die Besonderheiten der Rezeptionsgeschichte in Deutschland. Erst Ende der 70er Anfang der 80er Jahre begann in Deutschland die BeschĂ€ftigung mit Frida Kahlo. Eine der wichtigen Aufgaben der feministischen Kunstgeschichtsschreibung war es, KĂŒnstlerinnen aus der Vergessenheit herauszuholen. Die feministische Kunsthistorikerin Elisabeth Garber weist am Beispiel von Frida Kahlo auf die Unterschiede der ersten und zweiten Phase der feministischen Kunstkritik hin: "Man suchte nach der Essenz einer weiblichen Ästhetik, nach den Merkmalen, die die Kunst von Frauen auszeichneten. Erst allmĂ€hlich fĂŒhrte die Geschlechterforschung zu der Ansicht, dass Weiblichkeit nicht nur biologisch, sondern auch gesellschaftlich bedingt ist und daher auch unter BerĂŒcksichtigung der Machtstrukturen verstanden werden sollte, die ihren Status quo bedingen."

Dabei gibt Rodrigues Nöhles an, dass neben dem "Feminismus auch andere gesellschaftspolitische und kĂŒnstlerische Faktoren" in der Rezeptionsgeschichte relevant waren. Ab den 80er Jahren verbreitete sich der Bekanntheitsgrad kontinuierlich.

Die Publikationen, die zu Lebzeiten von Frida Kahlo in Mexiko und USA erschienen waren, hatten in Deutschland eine sehr geringe Reperkussion. Erst durch die Aufnahme der Schriften des Surrealisten AndrĂ© Breton, ihres Ehemanns und Malers Diego Rivera und seines Biografen Bertram Wolfe in den Biografien von Raquel Tibol und Hayden Herrera begannen diese Interpretationen eine Rolle zu spielen. Laura Rodrigues Nöhles hĂ€lt fest, dass beide Biografinnen an "Kahlos Rolle als MĂ€rtyrerin ("Malerin des Schmerzes") und als widerstandsfĂ€hige Frau ("Rebellin gegen das UnabĂ€nderliche")" anknĂŒpfen. AnfĂ€nglich prĂ€dominierte die psycho-biografische Darstellung. Auch Kahlos anfĂ€ngliche Verbindung zum Kreis der Surrealist_innen trug zu diesem Bild der exotischen mexikanischen Frau bei. Frida Kahlo hat sich hierzu entsprechend geĂ€ußert: "Man hielt mich fĂŒr eine Surrealistin. Das ist nicht richtig. Ich habe niemals TrĂ€ume gemalt. Was ich dargestellt habe, war meine Wirklichkeit."

Laura Rodrigues Nöhles zeigt anhand der vier großen Ausstellungen in Deutschland, wie sich die Ausrichtung gewandelt hat. 1980 wurde die Ausstellung "Frida Kahlo und Tina Modotti" in Berlin (Haus am Waldsee), in Hamburg (Kunstverein) und in Hannover (Kunstverein) gezeigt. Es war die erste Einzelschau von Arbeiten Kahlos. Im Katalog lag der Interpretationsschwerpunkt auf den linkspolitischen Tendenzen der Malerin auf ihr Oeuvre und wich so von dem psycho-biografischen Interpretationsansatz ab. Dieser Ansatz hatte jedoch keinen Einfluss auf die weitere Rezeption.

Im Kontext des Internationalen Kulturfestivals Europalia in BrĂŒssel, 1993, das sich dem Themenschwerpunkt Mexiko widmete, entstand die Ausstellung "Das blaue Haus. Die Welt der Frida Kahlo". Die Ausstellung wurde 1993 in der Schirn Kunsthalle in Frankfurt gezeigt. Im Zentrum stand hier die psycho-biografische Interpretation. Erst 2006, mit der Ausstellung Frida Kahlo im Bucerius Kunst Forum Hamburg, kuratiert von Ortrud Westheider, wird dieser Interpretationsansatz hinterfragt. Dazu Ortrud Westheider: "Bis heute stellt sich die Frage: Ist es die Kunst, die den Ruhm der Kahlo ausmacht, oder ihr Leben, ihre mitreißende Leidenschaft, ihre Rolle als unglĂŒcklich Liebende, als vom Schicksal Gezeichnete?"
Die Ausstellung im Martin-Gropius-Bau im Jahr 2010 in Berlin setzte diesen Ansatz weiter fort. PrĂ€sentiert wurden ĂŒber 150 GemĂ€lde und Zeichnungen der mexikanischen AusnahmekĂŒnstlerin, darunter viele bislang unbekannte Werke Kahlos.

AVIVA-Tipp: Die Autorin ermöglicht einen guten Überblick ĂŒber die Rezeptionsgeschichte und die wichtigsten EinflĂŒsse. Dabei stellt Laura Rodrigues Nöhles fest, dass das Interesse an Kahlos Werk unmittelbar im VerhĂ€ltnis zur feministischen Kunstgeschichtsschreibung steht. Die wachsende Beliebtheit und PopularitĂ€t der Malerin Frida Kahlo bedeutet nicht, dass das Interesse an ihrer Biografie nachgelassen hĂ€tte. Dies zeigt das rege Interesse an neuen Publikationen. Frida Kahlo ist heute mit Abstand die bekannteste Malerin Mexikos. Laura Rodrigues Nöhles resĂŒmiert: "In der letzten Dekade gehen die BemĂŒhungen dahin, Kahlo in den kunsthistorischen Kontext einzubetten, die EinflĂŒsse von anderen – auch europĂ€ischen KĂŒnstler_innen, Kunstwerken oder Kunstströmungen herauszuarbeiten und ihren Platz in der Kunstgeschichte als Vertreterin der Moderne zu festigen."

Zur Autorin: Laura Rodrigues Nöhles ist Brasilianerin und studierte Kunstgeschichte an der UniversitĂ€t Freiburg. Ihrer Dissertation schloss sie 2014, betreut von Professorin Dr. Angeli Janhsen, ĂŒber Frida Kahlo ab. Laura Rodrigues Nöhles hat den Wetzstein-Preis fĂŒr Kunstgeschichte 2014, der Buchhandlung Wetzstein, Freiburg erhalten. Derzeit lebt sie in MĂŒlheim an der Ruhr.

Laura Rodrigues Nöhles
Frida Kahlo in Deutschland. Eine Rezeptionsgeschichte

Reimer Verlag, erschienen Juni 2015
Broschur, 268 S. m. 59 Farb- u. 2 sw-Abb.,
ISBN 978-3-496-01536-9
39,95 Euro
www.reimer-mann-verlag.de

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Literatur Beitrag vom 10.09.2015 Yvonne de AndrĂ©s 





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