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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 28.02.2016

Sarah Thornton - 33 K├╝nstler in 3 Akten
Dorothee Robrecht

"Was ist ein K├╝nstler, ein echter K├╝nstler?" Die kanadische Kunstsoziologin Sarah Thornton hat dazu 33 der international erfolgreichsten K├╝nstler_innen befragt. Die Kunstkritikerin des New Yorker und der S├╝ddeutschen Zeitung ist eine Insiderin was Kunst angeht, und...



... sie selbst wirkt nicht weniger glamour├Âs als die Welt, die sie beschreibt.

Fotos im Netz zeigen eine attraktive Frau Ende 40, die vor Kunstwerken posiert, und in ihrem Buch pr├Ąsentiert sie sich als Expertin, die alles kennt, pers├Ânlich kennt, was Rang und Namen hat auf der internationalen B├╝hne - seien es K├╝nstler_innen, Galerist_innen oder Kurator_innen.

33 K├╝nstler in 3 Akten ist ihr zweites Buch ├╝ber die Kunstwelt, ein dickes Buch mit gut 400 Seiten. In diesem Buch, so schreibt sie im Vorwort, gehe es darum, "die ideologische Grenze zu markieren, die einen K├╝nstler von einem Nichtk├╝nstler beziehungsweise einen echten von einem weniger beeindruckenden K├╝nstler trennt". Grundlage des Buches sind Interviews, die Thornton u.a. mit Ai Weiwei, Jeff Koons, Cindy Sherman und Marina Abramovic gef├╝hrt hat. Ihre Gespr├Ąchspartner_innen sind fast alle in den 50er bzw. 60er Jahren geboren, und ausnahmslos alle sind ber├╝hmt - womit die Ausgangsfrage gleich zu Anfang schon beantwortet w├Ąre: Ein echter K├╝nstler? Das ist ein arrivierter K├╝nstler, jemand, der oder die Erfolg hat, Geld verdient.

Besonders aufschlussreich ist das nicht, ebenso wenig wie das, was Thornton selbst in einem Interview als Ergebnis ihrer Recherchen so zusammenfasst: "K├╝nstler sein ist kein Job, es ist eine Identit├Ąt, die man ganz und gar leben muss." Trotzdem lohnt die Lekt├╝re, sie macht sogar Spa├č:
Das Buch ist gekonntes Feuilleton. Schon der Titel ist schick, mehr als nur ein elegantes numerologisches Spiel: 33 K├╝nstler in 3 Akten. Die angek├╝ndigten Akte versprechen ein Theaterst├╝ck, und was Thornton dann ausbreitet, ist tats├Ąchlich eine Art B├╝hne, ein Jahrmarkt der Eitelkeiten. 33 Stars treten auf, erst der, dann die, und wenn diese Prozession nicht langweilig wird, dann weil Thornton sie klug strukturiert. Ihre 3 Akte sind letztlich nichts anderes als ganz normale Kapitel, wie jedes Sachbuch sie hat, doch Thornton wei├č, was eine gute Inszenierung ist. Immerhin, es geht ja auch um Rollen, um die Rollen n├Ąmlich, die Politik (Akt I), Kontakte, Liebe, Konkurrenz (Akt II) und K├Ânnen (Akt III) spielen - f├╝r arrivierte K├╝nstler_innen, versteht sich, nicht f├╝r die, die es nicht schafften bis ins Rampenlicht.

Thorntons Blick hinter die Kulissen ist unaufgeregt, ihr Ton der einer Person, f├╝r die Glamour Routine ist. Dass sie alle K├╝nstler_innen nicht nur interviewt, sondern auch portr├Ątiert, inklusive kurzer Exkurse zu deren Leben, macht ihr Buch zu einer Art Enzyklop├Ądie: frau/man lernt viel, darunter auch einiges, was g├Ąngige Annahmen konterkariert, besonders solche ├╝ber Frauen, die Kunst machen.

Herausgegriffen seien hier nur ihre Portr├Ąts von Cady Noland and Yayoi Kusama. Cady Noland, 1956 in Washington D.C. geboren, ist ÔÇô wie es so sch├Ân hei├čt ÔÇô die teuerste lebende K├╝nstlerin der Welt. 2014 wurde eine ihrer Skulpturen bei Sotheby┬┤s versteigert, f├╝r 6.6 Millionen Dollar, und das, obwohl sie seit 20 Jahren keine Einzelausstellung mehr hatte. Wenn Thornton erz├Ąhlt, dass die K├╝nstlerin Ausstellungen hasse, dass sie einem ber├╝hmten Galeristen drohte, ihn zu erschie├čen, sollte er wagen, ihre Arbeiten zu zeigen, widerspricht das nicht nur dem Klischee, dass Frauen verzweifelt k├Ąmpfen m├╝ssen um jede M├Âglichkeit, ausgestellt zu werden. Es zeigt auch, dass Verweigerung kein Hindernis sein muss auf dem Weg zu kommerziellem Erfolg.

├ähnlich a-typisch ist auch die Geschichte der japanischen K├╝nstlerin Yayoi Kusama, Jahrgang 1929. Kusama, inzwischen fast 90, ist keine K├╝nstlerin, die lange ignoriert wurde und erst sp├Ąt Anerkennung fand wie etwa Louise Bourgeois. Erfolgreich war Kusama schon als junge Frau im New York der 50er und 60er Jahre - so erfolgreich, erz├Ąhlt Thornton, dass Andy Warhol eine ihrer Arbeiten kopierte. Wenn ihre Karriere pausierte, dann weil sie sich 1973 einwies in eine Nervenheilanstalt. Und in der lebt sie bis heute - gebietend ├╝ber acht Assistentinnen, die die n├Ąchsten Ausstellungen vorbereiten, in London, Madrid oder Tokio. So zynisch es klingt: selbst Alter und Wahnsinn haben die Karriere dieser Frau nicht gekillt.

AVIVA-Tipp: Ein lesenswertes Buch, trotz seines unhinterfragten Elitismus. Zu Wort kommen ausschlie├člich K├╝nstler_innen, die es geschafft haben. Wie K├╝nstler_innen sich sehen, die weniger Erfolg haben, spielt hier keine Rolle, dabei w├Ąre doch auch das interessant gewesen. Davon abgesehen animiert das Buch zum googeln, denn es macht neugierig auf die Arbeiten der hier vorgestellten K├╝nstler_innen.

Zur Autorin: Sarah Thornton studierte Kunstgeschichte und Soziologie, promovierte ├╝ber die britische Technoszene und lehrte Soziologie an der University of Sussex und am Goldsmith College. Heute ist sie Autorin f├╝r internationale Magazine, u.a. f├╝r den "Economist" und artforum.com, f├╝r den "New Yorker" sowie f├╝r zahlreiche weitere Zeitungen, wie z.B. die "S├╝ddeutsche Zeitung". Im S. Fischer Verlag erschien von ihr die hochgelobte Reportage "Sieben Tage in der Kunstwelt". (Verlagsinformation)
Mehr Infos unter: sarah-thornton.com

Sarah Thornton
33 K├╝nstler in 3 Akten

Originaltitel: 33 Artists in 3 Acts (UK and US)
Aus dem Amerikanischen von Rita Seu├č
Hardcover, 448 Seiten
Fischer Verlag, erschienen 2015
978-3-10-002270-7
24,99 Euro
www.fischerverlage.de

Weiterf├╝hrende Links

Ein Interview mit Sarah Thornton zu ihrem Buch "33 K├╝nstler in 3 Akten" auf "hey woman!"

Facebook Seite von Yayoi Kusama

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Female Trouble - Die Kamera als Spiegel und B├╝hne weiblicher Inszenierungen, herausgegeben von Inka Graeve Ingelmann

Marina Abramovic: The Artist Is Present ein Film von Matthew Akers



Literatur Beitrag vom 28.02.2016 AVIVA-Redaktion 





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