Brigitte Reimann und Christa Wolf - Sei gegr├╝├čt und lebe. 1963 - 1973. Eine Freundschaft in Briefen und Tageb├╝chern - Aviva - Berlin Online Magazin und Informationsportal für Frauen aviva-berlin.de
AVIVA-Berlin .
.
P
R
.
.

AVIVA_gegen_AFD
AVIVA-Berlin > Literatur AVIVA-Newsletter bestellen
AVIVA-Berlin auf Facebook AVIVA-Berlin auf twitter
   Aviva - Home
   Veranstaltungen in Berlin
   Women + Work
   Public Affairs
   Kultur
   J├╝disches Leben
   Interviews
   Literatur
   Romane + Belletristik
   Biographien
   J├╝disches Leben
   Sachbuch
   Graphic Novels
   Art + Design
   Lesungen in Berlin
   Music
   Sport
   E-cards
   Gewinnspiele
   Werben bei uns
   About us
   Frauennetze
 


Happy Birthday AVIVA




AVIVA wishes you a happy and peaceful New Year 2018




Aviva-Berlin.de

Versatel






 



AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 15.06.2016

Brigitte Reimann und Christa Wolf - Sei gegr├╝├čt und lebe. 1963 - 1973. Eine Freundschaft in Briefen und Tageb├╝chern
Yvonne de Andr├ęs

Brigitte Reimann und Christa Wolf lernen sich erst 1963 pers├Ânlich richtig kennen, auf einer Delegationsreise nach Moskau. Anl├Ąsslich des 85. Geburtstags von Christa Wolf ist der Band in erweiterter Neuausgabe erschienen.



Brigitte Reimann bezeichnet Christa Wolf in ihrem ersten Tagebucheintrag vom 12.02.1960 als "meine beste Feindin". Diese Ehrenbezeichnung geht darauf zur├╝ck, dass Christa Wolf als Teil des DDR-Literaturbetriebes und Mitglied der Jury "Zur F├Ârderung des lit. Gegenwartsschaffens" den Literaturpreis in jenem Jahr an Irmgard Morgner mit verlieh. Auch ein bereits zugesicherter Vorabdruck in der Neue Deutsche Literatur (NDL) wurde nach Brigitte Reimanns Aufzeichnungen von Christa Wolf 1960 intrigant verhindert.

In Moskau begegnen sich Brigitte Reimann und Christa Wolf auf der Tagung des Deutschen Schriftstellerverbandes 1963. Beide halten diesen Moment in ihren Tageb├╝chern fest. Bei Brigitte Reimann hat mittlerweile ein Auffassungswechsel stattgefunden. Brigitte Reimann am 8.10.1963: "Aber Christa Wolf ist eine gute Reisegef├Ąhrtin, freundlich und gelassen und erfahren und sehr viel erwachsener als ich." Und am 11.10.1963 vertraut sie dem Tagebuch an: "[...] nachts, im Dunkeln, in einer fremden Stadt ÔÇô man erz├Ąhlt Dinge, die man tags├╝ber nicht erz├Ąhlen w├╝rde, und Christa ist so ein Mensch, dem man alles sagen kann, und man wei├č es bewahrt. [...] Ich glaube, wir verstehen uns jetzt gut (sie ist eine von den "Guten" nach meiner Kindereinteilung), ich mag sie sehr leiden."

Christa Wolf h├Ąlt diese Begegnung in einer g├Ąnzlich anderen Tonalit├Ąt am 21.10.1963 in ihrem Tagebuch fest. "[...] Brigitte Reimann. Ein Kapitel f├╝r sich. Teilt die Menschen in "gute" und "schlechte" ein. Ich hatte viel damit zu tun, ihr solche unhistorischen Gesichtspunkte fragw├╝rdig zu machen. Kam mit ziemlichen Bilderbuchvorstellungen nach Moskau (hier helfen sich alle Menschen gegenseitig, hier sagen junge Leute immerzu Gedichte auf, hier tanzen Bauern auf dem Bahnhof Hopak usw.). War dann von manchem arg entt├Ąuscht, bis ... sich Verehrer fanden."

In Ausz├╝gen wird der Austausch der zwei sehr unterschiedlichen Autorinnen dokumentiert. Christa Wolf, die zwei Jahre ├Ąltere, ver├Âffentlichte mit viel Lob "Der geteilte Himmel" (1963). Sie war die arriviertere von den beiden. Ihr Roman "Nachdenken ├╝ber Christa T." (1968) wurde in der DDR heftig kritisiert. Von 1955 bis 1977 war sie Mitglied des Vorstands des Deutschen Schriftstellerverbands, Kandidatin des Zentralkomitees der SED (1963-1967) und wurde 1964 mit ihrem ersten Nationalpreis ausgezeichnet. 1987 folgte der Preis I. Klasse.

Brigitte Reimann hatte zum Zeitpunkt des Kennenlernens ein paar Erz├Ąhlungen ver├Âffentlicht, F├Ârderpreise erhalten und wurde 1965 mit dem renommierten Heinrich-Mann-Preis der Akademie der K├╝nste der DDR ausgezeichnet. Ihr unvollendeter Roman "Franziska Linkerhand" erschien erst 1974, ein Jahr nach ihrem Tod.

Der lose Briefkontakt wird erg├Ąnzt durch eingef├╝gte Tagebucheintr├Ąge, die ├╝ber eine andere, eine privatere, intimere Tonart verf├╝gen. Der Band zeichnet die Zeit von 1963 bis zum Krebstod 1973 von Brigitte Reimann nach. Ab 1968 entwickelt sich das Verh├Ąltnis zu einer engen Freundschaft. Besonders in den Briefen von Christa Wolf ist diese W├Ąrme und Anteilnehme f├╝r die Freundin sehr gut nachzulesen.

Das Bild der DDR bleibt diffus, unkonkret, irgendwie irreal als Gesellschaft. Auch die gro├čpolitischen Ereignisse wie der Einmarsch der Truppen der Warschauer Pakt-Staaten in die ─îSSR werden nur am Rande gestreift. Beide verwenden hier eine chiffrierte Sprache, sie konnten oder wollen nicht offen schreiben. Ihr Austausch handelt daher von ihrer Arbeit, der Literatur, den Liebschaften und der Krankheit von Brigitte Reimann. Deren Krankheit ├╝berschattet und dominiert die Korrespondenz der letzten Jahre. Viel Interessantes bleibt leider bei beiden ausgeblendet.

Zur Autorin: Brigitte Reimann, geboren 1933 in Burg bei Magdeburg, war Lehrerin und seit ihrer ersten Buchver├Âffentlichung 1955 freie Autorin. 1960 zog sie nach Hoyerswerda, 1968 nach Neubrandenburg. Nach langer Krankheit starb sie 1973 in Berlin. Wichtigste Ver├Âffentlichungen: Die Frau am Pranger (Erz├Ąhlung, 1956), Ankunft im Alltag (Erz├Ąhlung, 1961), Die Geschwister (Erz├Ąhlung, 1963), Das gr├╝ne Licht der Steppen. Tagebuch einer Sibirienreise (1965), Franziska Linkerhand (Roman, 1974, vollst├Ąndige Neuausgabe 1998).
Reimann hat nicht nur Romane und Erz├Ąhlungen geschrieben, sondern auch H├Âr- und Fernsehspiele. Sie war Teilnehmerin bei nationalen SchriftstellerInnentreffen, beispielsweise der II. Bitterfelder Konferenz, sowie bei internationalen Tagungen. F├╝r ihre Arbeiten wurde sie mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Heinrich-Mann-Preis der Deutschen Akademie der K├╝nste

Zur Autorin: Christa Wolf wurde 1929 in Landsberg/Warthe (Gorz├│w Wielkopolski) geboren und lebte in Berlin und Woserin, Mecklenburg-Vorpommern. Ihr Werk wurde mit zahlreichen Preisen, darunter dem Georg-B├╝chner-Preis, dem Thomas Mann Preis und dem Uwe-Johnson-Preis, ausgezeichnet. Wichtige B├╝cher sind "Nachdenken ├╝ber Christa T.", "Kassandra", "Ein Tag im Jahr", "Was bleibt" u.a. Sie starb 2011 in Berlin.

Brigitte Reimann/ Christa Wolf
Sei gegr├╝├čt und lebe
1963 ÔÇô 1973. Eine Freundschaft in Briefen und Tageb├╝chern

Fester Einband, 270 Seiten
Aufbau Verlag, erschienen am 15.03.2016
21,95 Euro [D]
ISBN: 978-3-351-03636-2
www.aufbau-verlag.de

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Brigitte Reimann - Jede Sorte vom Gl├╝ck
Die ostdeutsche Autorin w├Ąre am 21. Juli 2008 f├╝nfundsiebzig Jahre alt geworden.
Aus diesem Anlass hat der Berliner Aufbau-Verlag bislang ├╝berwiegend unver├Âffentlichte Briefe an die Eltern herausgegeben. (2008)

Christa Wolf - August
August ist alt. August f├Ąhrt einen Bus. Und Christa Wolf erz├Ąhlt uns, wohin ihn w├Ąhrenddessen seine Gedanken und Erinnerungen treiben. Verstehen Sie diese Worte als ausdr├╝ckliche Empfehlung. (2012)

Christa Wolf starb am 1. Dezember 2011 im Alter von 82 Jahren in Berlin
Die bekannteste und in den 1990er Jahren auch umstrittenste deutsche Schriftstellerin hinterl├Ąsst ein Werk, das so facettenreich ist wie ihre eigene Lebensgeschichte. Ihre Biografie erschien bei FemBio Frauenbiografieforschung e.V. (2011)

Christa Wolf ÔÇô Stadt der Engel oder The Overcoat of Dr. Freud
Wie schon in ihrem Buch "Mit anderem Blick" greift Christa Wolf in ihrem neuen Roman die Zeit am Getty Center in Santa Monica auf. Zusammen mit anderen K├╝nstlerInnen und WissenschaftlerInnen hatte sie dort in den fr├╝hen 1990er Jahren ein Dreivierteljahr als Stipendiatin verbracht. (2010)

Christa Wolf ÔÇô Ein Tag im Jahr 1960 - 2000
Die Schriftstellerin nimmt den 27. September zum Anlass, um immer wieder an diesem Tag zu notieren, was sie bewegt, erlebt, gef├╝hlt und gedacht hat. (2006)





Literatur Beitrag vom 15.06.2016 Yvonne de Andr├ęs 





  © AVIVA-Berlin 2018 
zum Seitenanfang suche sitemap impressum datenschutz home Seite weiterempfehlenSeite drucken