Marie von Ebner-Eschenbach, Ein ganzes Buch – ein ganzes Leben. Aphorismen - Aviva - Berlin Online Magazin und Informationsportal für Frauen aviva-berlin.de Literatur





 

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AVIVA-BERLIN.de im November 2021 - Beitrag vom 13.09.2016


Marie von Ebner-Eschenbach, Ein ganzes Buch – ein ganzes Leben. Aphorismen
Yvonne de Andrés

Marie von Ebner-Eschenbach war eine der bedeutendsten deutsch-sprachigen Erzählerinnen des neunzehnten und beginnenden zwanzigsten Jahrhunderts. Ihre 1879 erstmals erschienenen Aphorismen sind wie kleine Blitze, die voller Lebenserfahrung funkeln.




In diesem Jahr wurde der 100. Todestag von Marie von Ebner-Eschenbach gefeiert. "Ein Aphorismus ist der letzte Reigen einer langen Gedankenkette", schreibt die Autorin. In diesem kleinen, schön gestalteten Bändchen aus der Insel-Bücherei, dessen Einband mit dem Konterfei von Marie von Ebner-Eschenbach verziert ist, finden wir eine sorgfältig aneinandergereihte Gedankenkette.

"Nicht was wir erleben, sondern wie wir empfinden, was wir erleben, macht unser Schicksal aus."
Und weiter:
"Nichts wird so oft unwiederbringlich versäumt wie eine Gelegenheit, die sich täglich bietet."
Oder auch:
"Warten lernen wir gewöhnlich dann, wenn wir nichts mehr zu erwarten haben."

Die "Aphorismen" sind heute ihr bekanntestes Buch und am stärksten verbreitet. Der Dichter Karl Krolow stellt in seinem Nachwort fest: "Aus der erstaunlichen Beobachtungskraft wird unversehens im Aphorismus eine Pointe, eine knappe Einsicht, eine Ansicht, die zu ihrer eigenen Dialektik wird. Ein Plauderton kommt nicht auf."

Zur Autorin: Marie Freifrau von Ebner-Eschenbach (1830-1916) wurde auf Schloss Zdislawitz in Mähren als Marie Dubský von Třebomyslice geboren. Sie entstammte dem böhmischen Adel, heiratete ihren Vetter Moritz Freiherr von Ebner-Eschenbach, zog nach Wien und absolvierte 1879 eine Ausbildung zur Uhrmacherin. Über sechzig Jahre hinweg schrieb sie zahlreiche Erzählungen, Romane und Theaterstücke.Sie gilt mit ihren psychologischen Erzählungen und Romanen als eine der wichtigen deutschsprachigen Erzählerinnen des 19. Jahrhunderts. Marie Freifrau von Ebner-Eschenbach war, obwohl sie selbst sich streckenweise Klischeebildern bei der Darstellung jüdischer Charaktere bediente, Mitglied im 1891 in Berlin gegründeten "Verein zur Abwehr des Antisemitismus". Sie war die erste Frau, die die Ehrendoktorwürde der Universität Wien erhielt (1900). Anlässlich ihres Todestages am 12. März 2016 erlebt sie erneut eine kleine Renaissance. 1879 erschien dieser Band mit Aphorismen, den Marie von Ebner-Eschenbach ursprünglich nur für ihre Freundinnen und Freunde zusammengestellt hat. Der 1939 erstmals in der Insel-Bücherei erschienenen Band wurde nun in neuer Ausstattung wieder aufgelegt.

AVIVA-Tipp: Diese kurzen Gedankensplitter sind in einer einfühlsamen Prosa verfasst. Sie lassen sowohl die Menschlichkeit, die Güte, den Humor, aber auch die scharfe Beobachtungsgabe der Erzählerin und Schriftstellerin spüren. Die Grundeinstellung ist optimistisch und geistreich. Die Aphorismen von Marie von Ebner-Eschenbach sind ein Klassiker in der Inselbücherei. Seit dem Erscheinen des Bandes wurden mehr als 200.000 Exemplare verkauft. So Karl Krolow: "Die Aphorismen sind Anmerkungen zum Leben, gefallen außerhalb des Werkes, bestimmt durch Formgefühl, nicht ohne Beziehung zur Gesellschaft, in der man geschult genug ist, um ein Wortspiel zu genießen, aber auch keineswegs ohne Beziehung zur Einsamkeit der Scharfblickenden."

Marie von Ebner-Eschenbach
Aphorismen

Mit einem Nachwort von Karl Krolow
Insel-Bücherei im Insel Verlag, Pappeinband, 88 Seiten
11,95 Euro [D]
Insel-Bücherei 1414, erschienen am 7. März 2016
Gebunden, 86 Seiten
ISBN: 978-3-458-19414-9

www.suhrkamp.de


Literatur

Beitrag vom 13.09.2016

Yvonne de Andrés 






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