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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 12.10.2016

Rebecca West - Die R├╝ckkehr
Yvonne de Andr├ęs

Eine literarische Entdeckung und eine ber├╝hrende Liebesgeschichte in den Schrecken des Ersten Weltkriegs. 100 Jahre nach dem Erscheinen liegt das literarische Debut der 1892 in London geborenen Schriftstellerin und Journalistin Rebecca West nun endlich auch auf Deutsch vor.



"Wenn eine Frau sich in dieser Zeit immer gleich Sorgen machen wollte, nur weil ihr Ehemann seit zwei Wochen nicht geschrieben hat! Au├čerdem, wenn er irgendwo an einem bedeutenden Ort w├Ąre, irgendwo in einem wirklich hei├č umk├Ąmpften Gebiet, h├Ątte er einen Weg gefunden, mir davon zu berichten, anstatt es einfach bei einem ┬┤Irgendwo in Frankreich┬┤ bewenden zu lassen. Ich bin sicher, es geht ihm gut.", meint Kitty. Der Erste Weltkrieg tobt, und die sch├Âne k├╝hle Ehefrau Kitty und ihre Cousine Jenny verwalten zusammen das englische Landgut im S├╝den Londons. Detailliert beschreibt West die s├╝denglische Landschaft, Schl├Âsser und den Luxus. Gemeinsam warten sie auf die R├╝ckkehr des Hausherrn Chris von der franz├Âsischen Front. Aus der Perspektive von Jenny, die als Erz├Ąhlerin fungiert, erfahren wir, dass diese seit Kindertagen in ihren Cousin verliebt war. Sie beobachtet und beschreibt, was geschieht, was sie denkt und empfindet, als sie pl├Âtzlich die Nachricht ereilt, dass Chris im Queen Mary Hospital in Boulogne liegt und bald nach Hause kommen wird. Keine offizielle Milit├Ąrnachricht erreicht sie, sondern die unbekannte Mrs. Margaret Grey betritt mit dieser Meldung ihr Leben. Gef├╝hlskalt, distanziert reagiert Kitty auf die Nachricht der ├ťberbringerin.

Direkt neben Chris ist eine Granate explodiert und die Schockwellen haben ihm einen "Granatenschock" versetzt. Der einst tapfere und gebildete Mann kehrt k├Ârperlich und geistig besch├Ądigt vom Schlachtfeld wieder zur├╝ck. Er leidet unter einem furchtbaren Psychotraumata, lebt in einer Welt der Vergangenheit, sein Ged├Ąchtnisverlust hat die letzten 15 Jahre ausradiert. Chris sehnt sich nach seiner Jugendliebe Margaret, und seine Ehefrau existiert f├╝r ihn nicht. Chris glaubt, er sei noch Student und in die arme Margaret verliebt. Hier wird ihre sp├Ątere Kritik der Klassengesellschaft vorwegnehmend, die Armut der Jugendliebe dem Luxus und Stand seiner Familie gegen├╝bergestellt. Trotz der massiven Kr├Ąnkung, die Kitty erleidet, versuchen die drei ganz unterschiedlichen Frauen Chris in die Gegenwart zu bringen. Besonders eindringlich sind die Beschreibungen von Trauer, Ersch├╝tterung und Mitleid im Text.

AVIVA-Tipp: Mit 26 Jahren ver├Âffentlichte Rebecca West diesen Roman. Sie beschreibt sehr eindr├╝cklich die Schrecken des Ersten Weltkrieges. Dabei entwirft sie ein Tableau, in dem Leid und Kummer, der Krieg, die versehrten Soldaten und das Bangen der Zuhausegebliebenen um ihren Liebsten intensiv vor uns ausgebreitet wird. Dieser Roman zeichnet sich durch nervenzerrei├čende psychologische Sensibilit├Ąt und literarische Raffinesse aus. Die ├ťbersetzung von Britta M├╝mmler ist wunderbar pr├Ązise, poetisch und sprachlich brillant. Leider sind nur wenige B├╝cher der Autorin, die 1983 in London starb, ins Deutsche ├╝bersetzt worden.

Zur Autorin: Geboren wurde Rebecca West unter dem Namen Cicely Isabel Fairfield 1892 in London. Zun├Ąchst absolvierte sie eine Schauspielausbildung in London und engagierte sich bei der Women┬┤s Suffrage Movement. Sp├Ąter fing sie an zu schreiben, arbeitete als Journalistin und Schriftstellerin. West ist eine genaue Beobachterin sowohl der Geschehnisse, als auch der psychologischen Emotionen und Gem├╝tsbewegungen, die sie brillant einf├Ąngt. Sie schrieb f├╝r namhafte Zeitungen wie Daily Telegraph, New Statesman, New York Herald Tribune und f├╝r Magazine wie Harper┬┤s Bazaar und Vanity Fair. West machte sich einen Namen als Literaturkritikerin und Frauenrechtlerin. ├ťber ihren Verriss des Romans "Marriage. Die Geschichte einer Ehe" (1912) lernte sie H.G. Wells kennen. Ab 1913 f├╝hrten sie ├╝ber zehn Jahre eine Liebesbeziehung, 1914 wurde der gemeinsame Sohn Anthony West geboren. 1946 entsandte sie der New Yorker als Berichterstatterin zu den N├╝rnberger Kriegsverbrecherprozessen. Die American Academy of Arts and Sciences nahm sie 1950 auf, und 1959 wurde Rebecca West als Dame Commander of the Order of the British Empire (DBE) geadelt. Sie starb am 15. M├Ąrz 1983.

Rebecca West
Die R├╝ckkehr

Originaltitel: The Return of the Soldier, 1918
Aus dem Englischen von Britta M├╝mmler
Deutsche Erstausgabe
dtv Verlag, Hardcover, 160 Seiten
16,90 Euro [D]
dtv Verlag, erschienen 27. Mai 2016
ISBN: 978-3-423-28080-8
www.dtv.de

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Literatur Beitrag vom 12.10.2016 Yvonne de Andr├ęs 





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