Heimat ist da, wo man verstanden wird. Junge VietnamesInnen in Deutschland - Aviva - Berlin Online Magazin und Informationsportal für Frauen aviva-berlin.de Literatur
AVIVA-Berlin .
.
P
R
.
.

AVIVA_gegen_AFD
AVIVA-Berlin > Literatur AVIVA-Newsletter bestellen
AVIVA-Berlin auf Facebook AVIVA-Berlin auf twitter
   Aviva - Home
   Veranstaltungen in Berlin
   Women + Work
   Public Affairs
   Kultur
   J├╝disches Leben
   Interviews
   Literatur
   Romane + Belletristik
   Biographien
   J├╝disches Leben
   Sachbuch
   Graphic Novels
   Art + Design
   Lesungen in Berlin
   Music
   Sport
   E-cards
   Gewinnspiele
   Werben bei uns
   About us
   Frauennetze
 


Happy Birthday AVIVA




AVIVA wishes you a happy and peaceful New Year 2018




Aviva-Berlin.de

Versatel






 



AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 18.12.2008

Heimat ist da, wo man verstanden wird. Junge VietnamesInnen in Deutschland
Britta Leudolph

Uta Beth und Anja Tuckermann tauchen in die Welt junger VietnamesInnen ein, ergr├╝nden ihren Alltag, fragen nach ihrer Geschichte, ihren Perspektiven und Problemen in Deutschland.



In Deutschland leben circa 115. 000 VietnamesInnen. Die meisten von ihnen leben unauff├Ąllig in der deutschen Gesellschaft, "[...] betreiben ihre Gesch├Ąfte, ihre Restaurants, Imbisse, L├Ąden und St├Ąnde [...]. Sie sind arbeitsam, freundlich und sehr reserviert. Wenn ├╝berhaupt finden sie Aufmerksamkeit als Opfer fremdenfeindlicher ├ťbergriffe, als Verk├Ąufer der ber├╝chtigten Zigaretten-Mafia oder ÔÇô ja, als gute Sch├╝lerInnen und zielstrebige StudentInnen."

Die Autorinnen Uta Beth und Anja Tuckermann untersuchten die Lebenswelt junger VietnamesInnen und machten dabei erstaunliche Entdeckungen. Ihre Elterngeneration kam auf unterschiedliche Weise nach Deutschland. Nach dem Ende des Vietnam-Krieges 1975 nahm die Bundesrepublik Deutschland insgesamt 45.779 Kontingentfl├╝chtlinge auf, die oft eine gef├Ąhrliche Odyssee als "Boat People" hinter sich hatten, in Deutschland dann aber schnell Fu├č fassen konnten.

Unter v├Âllig anderen Voraussetzungen kamen vietnamesische VertragsarbeiterInnen in die DDR. Sie wurden vorrangig als billige Arbeitskr├Ąfte angeworben, eine Integration wurde mit allen Mitteln verhindert: "Erwartete eine Vietnamesin ein Kind, wurde sie vor die Alternative R├╝ckkehr auf eigene Kosten oder Abtreibung gestellt. Die VertragsarbeiterInnen kamen allein und mussten, wenn sie verheiratet waren [...] ihre EhepartnerInnen und Kinder zu Hause lassen. Untergebracht wurden sie in streng kontrollierten, nach Geschlechtern getrennten Wohnheimen, die sie von der Bev├Âlkerung bewusst isolierten." Nach sp├Ątestens sieben Jahren in der DDR wurden sie zur├╝ck nach Vietnam geschickt. Nach dem Mauerfall reiste die Mehrzahl der VertragsarbeiterInnen zur├╝ck nach Vietnam, einige erhielten eine Abfindung von 3.000 DM und das Flugticket. Erst in Vietnam bemerkten viele von ihnen, dass das Geld nicht f├╝r den Aufbau einer Existenz ausreicht und kamen als AsylbewerberInnen zur├╝ck.

Insbesondere die Kinder der VertragsarbeiterInnen stehen heute vor vielf├Ąltigen Problemen. Ihre Eltern haben oft wenig Zeit, da sie unter gro├čen Anstrengungen den Lebensunterhalt verdienen m├╝ssen. Die Erziehung ist autorit├Ąr, zudem stehen die Kinder unter hohem Leistungsdruck, ein guter Schulabschluss ist ein Zeichen von Prestige f├╝r Eltern und Kinder. Die 14j├Ąhrige Gymnasiastin Hang-Ni Nguyen beschreibt es folgender Ma├čen: "Ich finde die Erziehung bei den Asiaten ist eine Zwangsjacke. Sie sehen es sehr engstirnig. Ich finde, man sollte Kindern mehr Meinungsfreiheit geben."

Die meisten jungen VietnamesInnen leben in zwei Kulturen, der vietnamesischen im Elternhaus und der deutschen in der Schule, der Universit├Ąt und im Alltag. Im Gegensatz zu ihren Eltern sprechen sie oft besser deutsch als vietnamesisch. Ihre Identit├Ąt setzt sich aus beiden Welten zusammen, die 23j├Ąhrige Studentin Nhu Quynh Nguyen Thi beschreibt es so: "Ich sehe mich zwischen Vietnam und Deutschland, das sieht man auch an meinem Video, das hei├čt Vietlin. Also Vietnam und Berlin. Ich kann mich auch als Vietlinerin bezeichnen. Ich w├╝rde mich nie als Vietnamesin und auch nicht als Berlinerin bezeichnen, sondern als Vietlinerin. Und das ist ganz lustig."

Zu den Autorinnen: Uta Beth, 1941 in Graudenz geboren, wuchs in L├╝beck und Hamburg auf. Sie studierte Germanistik, Theaterwissenschaften, Kunstgeschichte, Soziologie und Psychologie in Hamburg und Wien. Sie arbeitete als Texterin und Redakteurin, von 1981 bis 1997 war sie Redaktionsleiterin f├╝r Kinderprogramme bei RIAS und Deutschlandradio Berlin. Heute ist sie freie Mitarbeiterin bei verschiedenen Rundfunkanstalten und Printmedien. 1991 erhielt sie eine Auszeichnung f├╝r die beste H├Ârfunksendung, weiterhin gewann sie diverse andere Preise f├╝r H├Ârspielproduktionen und Features.

Anja Tuckermann, geboren 1961, wuchs in Berlin auf. Sie engagierte sich in der feministischen M├Ądchenarbeit, gr├╝ndete die Zeitschrift "Tigerm├Ądchen". Von 1988 bis 1997 war sie Redakteurin f├╝r den RIAS-Kinderfunk. 1991/92 initiierte sie mit Brigitte Struzyk die Reihe "auf der Spur - Scheherazade nach dem Golfkrieg" in der LiteraturWERKstatt Berlin, eine Lesereihe mit 37 Autorinnen aus verschiedenen L├Ąndern. Seit 1993 organisiert sie Schreibwerkst├Ątten und Seminare f├╝r Kinder, Jugendliche und Erwachsene, u.a. in Schulen und am Jugendkunst- und Kulturzentrum Schlesische 27 in Berlin und arbeitet seit 1993 mit den Bildenden K├╝nstlerInnen und KomponistInnen zusammen. Als Schriftstellerin verfasst sie Romane, Erz├Ąhlungen, Theaterst├╝cke und Libretti, u.a. "Muscha", "Ein Buch f├╝r Yunus" und "Mano ÔÇô der Junge der nicht wusste, wer er war". F├╝r ihre B├╝cher und Theaterst├╝cke erhielt sie etliche Preise und Stipendien. F├╝r ihr Buch "Denk nicht, wir bleiben hier ÔÇô Die Lebensgeschichte des Sinto Hugo H├Âllenreiner" erhielt sie den Deutschen Jugendliteraturpreis 2006.

AVIVA-Tipp: Uta Beth und Anja Tuckermann zeigen anhand von Berichten, Interviews und Gedichten die gegenw├Ąrtige Lebenssituation junger VietnamesInnen in Deutschland auf. Sie erkl├Ąren die vietnamesische Familie, Kultur, Religion und Denkweise, fragen nach dem Alltag und nach Problemen, die das Leben in Deutschland mit sich bringt. "Heimat ist da wo man verstanden wird" ist ein interessantes, vielf├Ąltiges Portrait junger VietnamesInnen in Deutschland.

Heimat ist da, wo man verstanden wird. Junge VietnamesInnen in Deutschland.
Uta Beth, Anja Tuckermann
Archiv der Jugendkulturen e.V., Dezember 2008
Softcover, 362 Seiten, 67 farbige Abbildungen
ISBN 978-3-940213-43-3
25 Euro

Weitere Infos finden Sie unter:

Informationsportal f├╝r VietnamesInnen in Deutschland
www.unser-vietnam.de
Vietnamesische interkulturelle Fraueninitiative in Deutschland
www.vifi.de
Deutsch Vietnamesische Gesellschaft
www.vietnam-dvg.de/index.html

Literatur Beitrag vom 18.12.2008 Britta Leudolph 





  © AVIVA-Berlin 2018 
zum Seitenanfang suche sitemap impressum datenschutz home Seite weiterempfehlenSeite drucken