Merle Hilbk - Die Chaussee der Enthusiasten - Aviva - Berlin Online Magazin und Informationsportal für Frauen aviva-berlin.de Literatur
AVIVA-Berlin .
.
P
R
.
.

AVIVA_gegen_AFD
AVIVA-Berlin > Literatur AVIVA-Newsletter bestellen
AVIVA-Berlin auf Facebook AVIVA-Berlin auf twitter
   Aviva - Home
   Veranstaltungen in Berlin
   Women + Work
   Public Affairs
   Kultur
   Jüdisches Leben
   Interviews
   Literatur
   Romane + Belletristik
   Biographien
   Jüdisches Leben
   Sachbuch
   Graphic Novels
   Art + Design
   Lesungen in Berlin
   Music
   Sport
   E-cards
   Gewinnspiele
   Werben bei uns
   About us
   Frauennetze
 


Happy Birthday AVIVA




AVIVA wishes you a happy and peaceful New Year 2018




Aviva-Berlin.de

Versatel






 



AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 07.01.2009

Merle Hilbk - Die Chaussee der Enthusiasten
Britta Leudolph

Merle Hilbk begibt sich auf die Suche nach dem russischen Deutschland. Auf ihrer Reise besucht sie traditionelle BardInnenclubs, Datscha-Parties ebenso wie junge russische Hip-Hopper und macht...



... dabei erstaunliche Entdeckungen.

Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs Ende der achtziger Jahre kamen etwa dreieinhalb Millionen Menschen aus der ehemaligen Sowjetunion nach Deutschland. Diese Gruppe ist alles andere als homogen: Deutsche Behörden unterteilten sie "fein säuberlich" in "Russlanddeutsche", Russische Juden" und "Russische ArbeitsemigrantInnen".

Auf ihrer Suche nach dem "Russischen Deutschland" beginnt Merle Hilbk bei den Russlanddeutschen. Diese kommen nicht unbedingt aus Russland sondern oft auch aus den ehemals sowjetischen Satellitenstaaten: Kasachstan zum Beispiel. Für viele von ihnen, besonders die Älteren, war Deutschland lange das Land der Sehnsucht, das ebenso lange unerreichbar schien. Als sie dann schließlich hier ankamen, waren sie plötzlich nicht mehr "die Deutschen", sondern "die Russen". "Familienforschung sei ein typisches Hobby von Russlanddeutschen, hat mir ein deutscher Genealoge erklärt [...]. "In Wirklichkeit aber geht es ihnen nicht nur um die Biographie längst verstorbener Verwandter. Die suchen nach ihrer Identität.""

Eine weitere Station auf der Suche nach dem russischen Deutschland ist Köln. Hier trifft die Autorin russische Juden, die aufgrund einer Regelung der letzten Volkskammer der DDR das Visum sowie die Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis erhielten. Heute ist die Kölner Synagogengemeinde mit 5.000 Mitgliedern eine der größten Europas, 3.000 davon sind nach 1990 aus der ehemaligen Sowjetunion eingewandert. So auch Viktor Ostrowski, der Gründer des Vereins "Phoenix". "Zwanzig Mitarbeiter beschäftigt "Phoenix" heute, die meisten von ihnen sind russische Juden, Intellektuelle, studiert und promoviert, die [...]trotz Hochschulstudium und Berufserfahrung keinen Job gefunden hatten. Es war das gleiche Dilemma wie bei den Russlanddeutschen: Diplome und praktische Ausbildungen wurden nicht anerkannt, und weil die meisten noch nie ein Vorstellungsgespräch, wie es in Deutschland üblich ist, hinter sich gebracht hatten, waren sie spätestens an dieser Hürde gescheitert." Für viele ist der Preis der Auswanderung sehr hoch, sie verlieren ihren gesamten Status und müssen noch einmal ganz von vorn anfangen.

Die kleinste Gruppe der EinwanderInnen aus der ehemaligen Sowjetunion sind die ArbeitsemigrantInnen, wie etwa Alexander Delfinov, der nach einem Stipendium in Deutschland blieb. Seit 2004 veranstaltete er russische Poetry Slams in Berlin und veröffentlichte auch einen Gedichtband: "Fröhliche Unmenschen", für ihn "die neuen Russen".

Merle Hilbk zeichnet ein ausgewogenes Bild der deutsch-russisches Parallelgesellschaft, sie besucht die "Landsmannschaft der Russen in Deutschland" ebenso wie russischstämmige Jugendliche, die in der Jugendvollzugsanstalt gelandet sind. Sie berichtet von den Schwierigkeiten der Integration in das bürokratieverliebte Deutschland und von der Bereicherung durch die Einflüsse russischer Kultur.

Zur Autorin: Merle Hilbk, geboren 1969, arbeitete nach ihrem Jura-Studium als Redakteurin für den "Spiegel" und die "Zeit". Sie ist als freie Autorin in Russland und Osteuropa tätig, und lehrt an der Hamburg Media School als Journalismusdozentin. Nebenbei legt sie in Bars und Clubs Russenpop auf. Hilbk lebt in Berlin.

AVIVA-Tipp: Merle Hilbks Reise durch das russische Deutschland ist mal heiter, mal ernsthaft. Einfühlsam führt sie die Leserin in die Welt derer, die sich aus den unterschiedlichsten Beweggründen auf die weite Reise aus der ehemaligen Sowjetunion nach Deutschland gemacht haben, um hier ihr Glück oder zumindest ein relativ geordnetes Leben zu finden. Die Autorin nähert sich den Menschen, die sie trifft, mit Respekt, Neugier und Staunen, zudem läßt sie eine gewisse Ironie nicht vermissen, was diesen Reiseroman zu einem rundum gelungenen Lesevergnügen macht.

Merle Hilbk
Die Chaussee der Enthusiasten. Eine Reise durch das russische Deutschland

Aufbau Verlag, erschienen September 2008
Gebunden, 288 Seiten, 21 Abbildungen
ISBN 978-3-351-02667-7
17,95 Euro

Weitere Infos:
www.deutscheausrussland.de
www.rusdeutsch.eu

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:
Unechte Juden, echte Probleme

Die Macht des Wodka




Literatur Beitrag vom 07.01.2009 Britta Leudolph 





  © AVIVA-Berlin 2018 
zum Seitenanfang suche sitemap impressum datenschutz home Seite weiterempfehlenSeite drucken