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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 06.05.2010

Wer war K├Ânigin Luise wirklich - Neuerscheinungen im Luisen Jahr 2010
Undine Zimmer

200 Jahre nach ihrem Tod bem├╝ht man sich nicht mehr darum zu verschweigen, dass die K├Ânigin von Preu├čen Luise Ausdr├╝cke wie "Stinkloch" f├╝r ihre ZeitgenossInnen benutzte. Vielmehr wird heute auf...



...die liebevollen Beziehungen, dokumentiert in zahlreichen Briefen zu ihren Geschwistern, Kindern und ihrem Ehemann, ein Auge geworfen.

K├Ânigin Luise etwa als plapperndes Gilmore Girl? - Wortgewand, enthusiastisch und ihrer Familie ├╝ber alles verbunden, erlebt Miss Preu├čen 2010 ein Revival. Zurecht wie es scheint, denn zum 200. Todestag von Preu├čens beliebtester K├Ânigin versetzt sie wieder zahlreiche BiographInnen in Verz├╝ckung, die uns noch einmal "die Wahrheit" ├╝ber das Leben der K├Ânigin Luise n├Ąher bringen wollen. Die Mythen, die sich um die Person der Luise ranken, werden abwechselnd beschworen und wieder dekonstruiert. Die Zahl der Publikationen und Neuauflagen im "Luise Jahr 2010" scheint kein Ende zu nehmen. War Luise nun eine tanzw├╝tige Ungebildete, eine modes├╝chtige Teetrinkerin, hingebungsvolle Ehefrau oder eine versteckte Politikerin? AVIVA-Berlin hat sich in die Wellen der Neuver├Âffentlichungen gest├╝rzt und den Geist der Luise in ihrem Mausoleum im Schlosspark Charlottenburg beschworen, um Sie, verehrte LeserInnnen, durch das Luisen-Labyrinth, in dem bis heute die exotischsten Ger├╝chte der preu├čischen Geschichte Bl├╝ten treiben, sicher zu geleiten.

Carolin Philipps: Luise. Die K├Ânigin und ihre Geschwister



Wer waren die Geschwister, mit denen K├Ânigin Luise ein Leben lang in engem Kontakt stand, die ihr w├Ąhrend Flucht, im Exil, w├Ąhrend Trauer, Intrigen und politischen Zwistigkeiten Kraft gegeben haben? Carolin Philips hat recherchiert und stellt sie uns nun vor: Lolo (Charlotte), R├Âschen (Therese), Georg, Carl und Ika (Friederike) bezeichneten sich als das sechsbl├Ąttrige Kleeblatt, dessen engste Verbindung zwischen Luise, Friederike und Georg bestand.

Charlotte, sp├Ątere Herzogin von Sachsen-Hildburghausen, war die erste der sechs, die mit 15 Jahren verheiratet wurde. Von ihrer Sch├Ânheit schw├Ąrmte Jean Paul noch Jahre sp├Ąter. Wegen ihrer sch├Ânen Stimme war Charlotte bekannt als die "Singschwester". Wie alle Geschwister trat sie bei jeder Gelegenheit auf Festen auf. Daneben hat sie sich sehr f├╝r die Schulbildung eingesetzt und war f├╝r ihr soziales Engagement bekannt.

Therese war die intellektuellste von den Schwestern. Sie war mit 15 Jahren in der besonderen Situation selbst dar├╝ber entscheiden zu d├╝rfen, ob sie eine Heirat eingehen wollte oder nicht. Nach langen Beratungen mit ihrer Gro├čmutter und ihrem Vater willigte sie eher aus praktisch als aus emotionalen Gr├╝nden ein. Was ihre Ehe anging teilte sie mit ihrer Schwester Charlotte ein schweres Los: Sie waren beide offensichtlich intelligenter als ihre M├Ąnner. Da sie die jedoch in ihrer Jugend gelernt hatte, dass es ein Trost sein, ihre Pflicht getan zu haben, fand Therese Ablenkung in der Philosophie und vielen Aktivit├Ąten. Sie f├╝hrte neben ihrer Ehe eine langj├Ąhrige Aff├Ąre bis zum Tod ihres Geliebten. Therese hielt sich gerne in Weimar auf, diskutierte mit Goethe und Schiller und holte K├╝nstler und Gelehrte an ihren Hof in Regensburg.

Auch die Br├╝der der K├Ânigin Luise nahmen Sonderrollen ein. Obwohl der j├╝ngste, Carl, Herzog von Mecklenburg-Strelitz eine Karriere beim Milit├Ąr machte, war er ein Schauspieltalent. Besonders viele lobende Kommentare finden sich von Zeitgenossen ├╝ber seine Darstellung des Mephisto in Goethes Faust. Es wurde heimlich gemunkelt, dass er homosexuell gewesen sein k├Ânnte. Solche Unterstellungen durfte man jedoch nicht ├Âffentlich ├Ąu├čern, da auf Homosexualit├Ąt die Todesstrafe stand. Als Sohn aus zweiter Ehe von Karl F├╝rst von Mecklenburg-Strelitz mit Charlotte von Hessen-Darmstadt nahm Carl als Halbbruder und j├╝ngster eine Sonderrolle ein. Auch charakterlich unterschied er sich von den Geschwistern, stand jedoch mit seinen Schwestern und mit dem gro├čen Bruder Georg sein Leben lang in enger Verbindung.

Der gro├če Bruder, Gro├čherzog Georg galt als sch├╝chtern und kassierte jahrelang bei seinen auserw├Ąhlten Br├Ąuten nur K├Ârbe . Seine Schwestern teilten mit ihm ihre Sorgen, sch├Ątzen ihn als Gespr├Ąchspartner und wetteiferten um seine Briefe. Seine eigenen Tageb├╝cher zirkulierten von Schwester zu Schwester und wurden mit Anteilnahme und Begeisterung gelesen. Auch seine Brautschau wurde aufmerksam mit allerlei guten Ratschl├Ągen verfolgt. Dennoch blieb er Junggeselle bis in seine Drei├čiger und fand erst nach dem Tod seiner Schwester Luise, der K├Ânigin von Preu├čen, eine Frau. Die Freude und Erleichterung seines Bruders Carl d├╝rfte laut Carolin Phillips am gr├Â├čten ├╝ber diese gute Nachricht gewesen sein, da es ihn selbst von der Pflicht zu heiraten entband. Folglich blieb Carl auch Junggeselle.

Die sechs Geschwister von Mecklenburg-Strelitz waren ihrer Zeit voraus. Trotz ihres hohen gesellschaftlichen Status gaben sie sich volksnah und b├╝rgerlich. Die K├Ânigin und ihre Schwestern nahmen sich Freiheiten heraus, um die andere Frauen ihrer Zeit ihre M├Ąnner vergeblich baten. Dass M├╝tter von ihrem Rang ihre Kinder selbst stillen, war damals nicht ├╝blich. Luise, Frederike, Therese und Charlotte zeigten in ihren Ehen, jede auf ihre Weise, dass sie selbst├Ąndig denken konnten und Durchsetzungsverm├Âgen besa├čen. Luise und Therese traten sogar als inoffizielle Diplomatinnen auf das politische Parkett und verhandelten f├╝r ihr Land zwischen ┬┤Teutschland┬┤, Frankreich und Russland.

So hat jedes der sechs Geschwister eine eigene Geschichte zu erz├Ąhlen, die es wert ist kennenzulernen. Wer mehr ├╝ber die Person hinter dem Mythos der K├Ânigin Luise erfahren m├Âchte, sollte sich die Zeit nehmen und auch ihren Geschwistern eine Weile zuh├Âren.

Piper Verlag
Broschiert, erschienen Mai 2010
ISBN: 9783492258548
421 Seiten
12,95 Euro


Luise - Die Kleider der K├Ânigin - Mode, Schmuck und Accessoires am preu├čischen Hof um 1800



Sollten Sie unversehens ins 18. Jahrhundert zur├╝ckversetzt und vor einem gro├čen Kleiderschrank mit der Frage konfrontiert werden, welches das passende Hauskleid, Negligee oder Festkleid f├╝r den bevorstehenden Anlass ist, dann bl├Ąttern Sie im Luise-Katalog zur Ausstellung "Luise. Die Kleider Der K├Ânigin". Hier finden sich auch die Antworten auf die Frage, wie K├Ânigin Luise ihre Reitkleider geschn├╝rt hat, woher sie Inspiration f├╝r ihre Frisuren nahm und welche Blumenmuster ihrer Kleider sie selber entworfen hat.

Die Kleider der K├Ânigin

Die Wahrnehmung von K├Ânigin Luise als "Fashion Victim" und "It-Girl" - so die Slogans der diesj├Ąhrigen Luise-Ausstellungen - wurde im 18. Jahrhundert beg├╝nstigt von einem Wandel der modischen Standards: Der erste Schritt war der Wechsel von r├╝schenreichen ausladenden Kleidern zu langen flie├čenden Gew├Ąndern, die sich an der antiken Mode orientierten. Diese skandal├Âs durchscheinenden Kleider deuteten gleichzeitig den Aufbruch zu einer b├╝rgerlich-demokratischen Gesellschaft an. Schuld an der Aufregung um die neue Mode waren die Franzosen. Denn von Paris aus schwappte die Begeisterung f├╝r hautfarbene Stoffe nach Preu├čen ├╝ber. Die damaligen ber├╝hmten Fashion Magazine, wie das "Journal des Luxus und der Moden" berichtete seinen Leserinnen, was man mit den kostspieligen Stoffen anstellen konnte. Bei den M├Ąnnern sorgten die sogenannten "Nackt-Kleider" der Gesellschaftsdamen entweder f├╝r Missbilligung oder Euphorie, in jedem Falle f├╝r Tratsch und Klatsch. Auch Luise war eine der Ersten, die diese Mode am Hofe tragbar machte (mehr ├╝ber die 12 Regeln der neuen Mode l├Ąsst sich im Aufsatz von Gundula Wolter nachlesen).

Mode ist eine Staatsangelegenheit

In dem ansprechend gestalteten Band zur Ausstellung "Luise. Die Kleider der K├Ânigin." wird ein grundlegendes Verst├Ąndnis f├╝r die damalige Mode, den Handel und die handwerkliche Herstellung vermittelt. Die LeserInnen erfahren, welche Modezeitschriften sich Luise aus Paris kommen liess, von welchen Kleidern sie als kleines M├Ądchen tr├Ąumte, weil sie diese in ihre Hefte kritzelte und dass ihre Ausstattung mit 65 Roben eine immense Belastung f├╝r die Staatskasse darstellte. Damals noch mehr als heute hatte Mode etwas mit Selbstinszenierung zu tun. Die Gew├Ąnder, in denen die K├Ânigin auf den zahlreichen Portraits zu sehen ist, wurden sorgf├Ąltig ausgew├Ąhlt. Ein Portrait galt nicht als eine momentane Stimmungsaufnahme, sondern sollte die Person grundlegend in ihren Eigenschaften charakterisieren. Nicht selten waren Kleidungsst├╝cke, Pelze und Nerze auch Geschenke der Nachbarstaaten, somit erhielt Mode auch eine politische Dimension (Wie Napoleon dieses Mittel nutzte ist im Aufsatz von J├Ârg Ebeling nachzulesen).

Diamonds are a girls best friend

Luise legte eine der reichsten Juwelensammlungen Europas an, die sich mit der exklusiven Sammlung ihrer politischen Konkurrentin, der franz├Âsischen Kaiserin Joseph├şne messen konnte.

"Luise. Die Kleider der K├Ânigin" erkl├Ąrt in elf reich bebilderten Aufs├Ątzen die notwendigen Hintergr├╝nde und Trends f├╝r alle Modefans, die sich nicht nur f├╝r den letzen Schrei interessieren. Auch ├╝ber Schloss Paretz erfahren wir, dass es nach seiner Pl├╝nderung und Wiederherstellung erst wieder als Ausstellungsort begehbar gemacht worden ist.

Der Katalog selbst ist, ├Ąhnlich einem Modemagazin unterteilt in Kapitel ├╝ber Frisuren und Kosmetik, Juwelen, Kost├╝me, Kleider und Accessoires. Diese werden wiederum nach verschiedenen Anl├Ąssen kommentiert. Was an Mitgift der K├Ânigin Luise noch erhalten geblieben ist, wird in der Ausstellung und im Katalog liebevoll pr├Ąsentiert. Wer wei├č denn heute noch auf Anhieb, was "Stil Andrienne" zu bedeuten hat und wie die "Robe ├í la Turque" geschnitten ist? Beim Lesen tauchen weitere W├Ârter auf wie "Bonnets" und Bouffs" f├╝r Kopfbedeckungen, die Sie sicher lange nicht mehr geh├Ârt haben. Aber vielleicht bitten Sie ja schon beim n├Ąchsten Besuch Ihre/n SchneiderIn den Morgenrock etwas "├í la Parisienne" aufzuarbeiten.


Katalogbuch zur Ausstellung in Paretz bei Berlin, 2010, Schlo├č Paretz.
Hrsg.: Stiftung Preu├čischer Schl├Âsser und G├Ąrten Berlin-Brandenburg
ISBN: 9783777423814
Gebunden, 224 Seiten
Hirmer Verlag, erschienen 2010
29,90 Euro in der Ausstellung
34,90 Euro im Handel

Ausstellung "Luise. Die Kleider der K├Ânigin" Vom 31. Juli 2010 bis 31. Oktober 2010, Schloss Paretz und Schlossremise

Christine Gr├Ąfin von Br├╝hl - Die preu├čische Madonna: Auf den Spuren der K├Ânigin Luise



Das erste, was positiv an Br├╝hls Buch auff├Ąllt, ist, dass es im Gegensatz zu den meisten Luise-Publikationen nicht chronologisch aufgebaut ist. Es beginnt mit einer Einleitung, die an die Existenz des Adels in unserer Zeit erinnert. Die Autorin, selber eine Adlige, folgt der K├Ânigin auf ihren Pilgerwegen, sie startet an ihrem Todesort. Somit beginnt diese Luisen-Erz├Ąhlung an einem Nachmittag im Garten des Schloss Hohenzieritz. Frau von Br├╝hl konzentriert sich darauf uns die Spuren zu lesen, die wir heute noch von Luise an den Orten entlang des Pilgerpfades finden k├Ânnen. Gleichzeitig belebt sie die heute musealen Orte mit dem Geiste der Vergangenheit, in dem sie Details nachsp├╝rt oder uns durch ihr Wissen hinter der Fassade des "heute" sehen l├Ąsst. Sie erz├Ąhlt uns die Geschichte die diese Orte ohne ihren damaligen Prunk bis heute weiter geschrieben haben. Frau von Br├╝hl wird damit gleichzeitig zur Fremdenf├╝hrerin und verpackt bekannte Daten und Fakten frisch. Wer allerdings hofft, neue Erkenntnisse ├╝ber Luise zu erhalten wird zwar entt├Ąuscht, entdeckt aber zahlreiche Details, die sich in keiner anderen Biographie finden. Die besondere Qualit├Ąt dieses Buches liegt in den Betrachtungen der Orte. Es ist die Geschichte der Orte und der Legenden, die sich nicht nur um die K├Ânigin Luise direkt ranken, sondern um die Pl├Ątze und Gegenden, in denen sie gelebt hat. Mit ihrer behutsamen Vorgehensweise, den Gedenkst├Ątten als Ausgangspunkt versteht es die Autorin, den Mythos Luise seinen Staub abzuklopfen und l├Ąsst die LeserIn die Wiesen und G├Ąrten mit den Augen der K├Ânigin Luise sehen.

Aufbau-Verlag, erschienen 26. April 2010
Gebunden, 250 Seiten
ISBN-13: 978-3351027131
22,95 Euro


Gertrud Mander - K├Ânigin Luise



Auf das d├╝nne B├Ąndchen von Gertrud Mander, kommen alle Luisen BiograpInnen immer wieder zur├╝ck. Sie hat in kurzen ├╝bersichtlichen Kapiteln, chronologisch geordnet die Hintergrunddaten zur K├Ânigin Luise zusammengefasst, ebenso wie die bekanntesten Zitate, Fakten und Anekdoten.

Ein gutes Herz und einen starken Willen w├╝rde Gertrud Mander ihrer K├Ânigin Luise sofort bescheinigen. Luises Nat├╝rlichkeit und Intuition mag sie zu dem gemacht haben, was sp├Ąter die Vorlage f├╝r die Ikone der preu├čischen Madonna herhalten musste. F├╝r ihre Zeit ist Luise eine starke Frau, die sich vor allem emotional engagiert. Mander betrachtet ihre Luise von verschiedenen Seiten: mit dem Ma├čstab der strengen Hofetikette, in die die junge Luise eingew├Âhnt werden muss; versetzt sich in die Perspektive des K├Ânigs, der die Impulsivit├Ąt seiner jungen Frau zu sch├Ątzen und zu z├╝geln wusste und verteidigt Luise gegen das harte Urteil der Weltm├Ąnner, wie Freiherr von Stein. Luises stetes Bem├╝hen, ihrer Rolle gerecht zu werden nimmt auch die Autorin ein. Sie schildert uns Luise als eine Frau, die ihre mangelde Bildung aktiv versuchte aufzuholen und ihre repr├Ąsentativen Aufgaben mit Bravour meisterte.

Gertrud Mander hat das perfekte Einsteigerbuch f├╝r Luisefans geschrieben, in dem kurz knapp und fundiert auf die Person Luises eingegangen wird, ebenso wie auf die wesentlichen Aspekte ihrer Idealisierung und Mythisierung.

Stapp Verlag Berlin, 5. Auflage M├Ąrz 2010
Taschenbuch, 149 Seiten
ISBN-13: 978-3877760116
6,80 Euro


Malve Gr├Ąfin Rothkirch, Hartmut Boockmann - K├Ânigin Luise von Preu├čen. Briefe und Aufzeichnungen 1786-1810: Sonderausgabe zum Luisen-Jahr



"Du wolltest n├Ąmlich gern wissen, wie ich auf den Gedanken oder zu dieser ├ťberzeugung gekommen w├Ąre. Ich kann Dir versichern, lieber George, da├č ich sie allein aus meinem eigenen Herzen habe. Du wei├čt, wie ich von jeher gehandelt habe, ich darf sagen, ohne wenig Zubereitung, immer nach meinen Empfindungen, und ich habe mir keine Vorw├╝rfe zu machen."
(Luise an ihren Bruder Georg Juni 1801)

Wer noch tiefer in das Leben und vor allem das innere Leben der K├Ânigin Luise eintauchen und ihre Stimme im inneren Ohr h├Âren m├Âchte, muss sich ihre Briefe zur Brust nehmen. Sie dokumentieren die enge Freundschaft mit Luises Lieblingsbruder Georg, die Zuneigung zu ihrem Ehemann und ihren Kindern, aber auch ihre Briefe an Metternich und Freiherr von Stein, zwischen denen und dem K├Ânig sie immer versuchte zu vermitteln. In der Neuausgabe zum Luisejahr 2010 wird einf├╝hrend die Lebensgeschichte der K├Ânigin Luise nur skizziert. Auf ausschweifende Anmerkungen und Zeichenerkl├Ąrungen wird zugunsten der Lesbarkeit der Texte verzichtet. Der Einstieg in die Lekt├╝re wird erleichtert durch kurze Erl├Ąuterungen der Herausgeberin, die direkt hinter den Briefen angebracht wurden. Darin erfahren wir, wo sich Luise gerade befindet, welche einschneidenden Ereignisse vor oder nach dem Brief stattgefunden haben und in welcher Beziehung sie zu den AdressatInnen stand. Diese Vorgehensweise befreit von l├Ąstigem Bl├Ąttern und der Jagd nach Fu├čnoten. Der erste Brief ist 1786 datiert, der n├Ąchste jedoch erst 1790. Dazwischen liegen die Jahre in denen Luise mit ihren Schwestern getrennt von ihren Br├╝dern bei der Gro├čmutter in Darmstadt aufw├Ąchst bis zu ihrer Hochzeit mit dem Kronprinzen. Dass Luise in diesen Jahren keine Briefe geschrieben hat ist nicht anzunehmen, eine Erkl├Ąrung der Auslassung findet sich an dieser Stelle nicht.

Des weiteren entdeckt die Herausgeberin, dass einer der ber├╝hmtesten und meist zitierten Briefe von Luise, gar nicht von ihr zu stammen scheint, da von ihm nur Abschriften von Abschriften existieren und kein Original einsehbar ist. Wie andere BiografInnen betont Rothkirch, dass die Sprache in den Briefen eine stilisierte ist, wie sie dem damaligen Zeitgeist entsprach.

Bei der Auswahl der Briefe hat sich die Herausgeberin von einem Zitat ├╝ber Luise von ihrem Ehemann K├Ânig Friedrich Wilhelm III. pers├Ânlich leiten lassen. Damit verschiebt sich der Fokus von der stilisierten heimlichen Politikerin und Mutter des K├Ânigreichs auf die private Seite Luises. Die Neuausgabe ist ├Ąlteren Ausgaben vorzuziehen, da seit 1943 erstmalig bisher unver├Âffentlichte Briefe Eingang gefunden haben und andere, bisher nur gek├╝rzt ver├Âffentlichte Briefe, hier in ihrer vollen L├Ąnge abgedruckt wurden. Kraftausdr├╝cke und Gef├╝hle der K├Ânigin, die nicht in das Bild der heroischen K├Ânigin zu passen schienen, sind in dieser Ausgabe erhalten, um die private Seite der Luise in allen Facetten sichtbar zu machen. So wird hinter dem Mythos der K├Ânigin Luise durch ihre Briefe ein Mensch sichtbar, dessen traurige Momente aus heutiger Sicht den Charakter der idealisierten K├Ânigin bereichern.


Mit einer Einleitung von Hartmut Boockmann
Deutscher Kunstverlag, gebundene Ausgabe, 10. M├Ąrz 2010
Gebunden, 631Seiten
ISBN-13: 978-3422069756
24,90 Euro


Hanne Bahra - K├Ânigin Luise. Von der Provinzprinzessin zum preu├čischen Mythos



Die Bildbiographie zur K├Ânigin Luise kommt genau zur rechten Zeit. Sind doch zahlreiche Abbildungen und Kupferstiche, Gem├Ąlde und Statuen zu ihrer Ehre gefertigt worden, die ihre Zeit und ihr Leben veranschaulichen. Gleich im Einband fallen die wei├č auf grau gedruckten Notizen in Luises Handschrift ins Auge. Die Seiten sind angenehm haptisch und dick. Das etwas gr├Â├čere Format und der helle praktische Umschlag erinnern etwas an ein gut gestaltetes Lehrbuch und laden zum Suchen von Informationen ein.

Schl├Ągt man das Buch auf, hat man gleich das Gef├╝hl, alle wichtigen Fakten zu K├Ânigin Luise finden zu k├Ânnen und man wird nicht entt├Ąuscht werden. Die Autorin hat sich gr├╝ndlich mit der umstrittenen Seite der K├Ânigin als Politikerin auseinandergesetzt und auch ihre fr├╝heren Lebensabschnitte pr├Ągnant eingefangen. Bahra reflektiert die Figur der Luise vom neuesten Stand der Erkenntnisse und liefert den bisher ├╝bersichtlichsten Beitrag zu Luises Kontext, ber├╝hmten ZeitgenossInnen, Familienbanden und Stationen. Zwischendrin befinden sich kurze geschichtliche Abrisse, welche die Situation Preu├čens umschreiben, in der Luise agierte.

Auf den Seiten ist viel Platz f├╝r sch├Âne Zeichnungen und Portraits von Luise, Abbildungen des Schlosses, Ahnentafeln und ├╝bersichtliche Datengrafiken. Diese Bildbiographie gibt einen lebhaften Einblick in das Leben der Prinzessin bis zur K├Ânigin und ist mit Bildern und Zitaten geschm├╝ckt. So macht studieren Spa├č!

Bucher Verlag, erschienen 2010
Gebunden, 144 Seiten
ISBN-13: 978-3765818257
17,95 Euro

Carolin Phillipps - Friederike von Preu├čen. Die leidenschaftliche Schwester der K├Ânigin Luise

"Wie soll ich ihr erkl├Ąren, dass ich traurig bin, weil eine Frau, die schon ├╝ber 150 Jahre tot ist, ihr Gl├╝ck verloren hat?"



Carolin Phillips hat absolut Recht, wenn sie in der Einleitung ihrer Biographie ├╝ber Friederike schreibt, dass diese zu unrecht immer nur als Beigabe ihrer beliebten Schwester benannt wird. Die Skandalnudel des preu├čischen Hofes ist es durchaus wert, n├Ąher und f├╝r sich betrachtet zu werden. Durch ihr fr├╝hes Schicksal als betrogene Ehefrau und Witwe, wurde ihr vom Leben eine ganz andere Selbstbeherrschung abverlangt als Luise.

Laut Philipps ist die Geschichte der Prinzessin Friederike nicht die eine zahlreicher oberfl├Ąchlicher Aff├Ąren, wie lange behauptet, sondern eine der Leidenschaft und Selbstverwirklichung. Da Friederike auch in den neuerschienen Luise-Biografien und den Ausstellungen zum Luisen Jahr nahezu ausgeklammert wird, soll sie an dieser Stelle zumindest einige eigene Zeilen erhalten.

Philipps verfolgt in ihrem Buch zwei erz├Ąhlerische Linien, die in abwechselnden Kapiteln parallel zueinander verlaufen: Die eine ist die Recherche der Autorin selbst auf der Suche nach einer verstorbenen Pers├Ânlichkeit: Ihren ersten Kontakt mit Luise, das W├Ąlzen der Akten. Ihre Faszination f├╝r Friederike f├╝hren sie tiefer in die Archive bis sie nie ver├Âffentlichte, ungesichtet Briefe Friederikes in den H├Ąnden h├Ąlt. Sie kommt dabei einem lang geh├╝tetem Geheimnis auf die Spur. Dagegen setzt sie eine Erz├Ąhlung aus der Sicht Friederikes mit Zitaten aus deren Briefen und Tageb├╝chern. Wer sich mit Friederike besch├Ąftigt, wird eine h├Âchst interessante Frau finden, die trotz aller Auflagen nicht gewillt war, die Suche nach ihrem pers├Ânlichen Gl├╝ck aufzugeben. Mit dem Fokus auf Friederike als kluge, gewitzte und liebevolle Mutter erscheint die preu├čische Kaiserzeit und all das wof├╝r man ihre Schwester so gerne als Mythos benutzt hat, noch einmal in einem anderen Licht.

Auch Luise war, wenn es sein musste, eine Meisterin der Geheimhaltung. Ihre Strategie hat, wie es Philipps anhand der Briefe von Friederike, f├╝r die sich lange niemand interessiert hat, aufdeckt, fast 200 Jahre funktioniert. Erst jetzt wird also das Geheimnis um Friederikes Verbannung vom Berliner Hof und ihre heimliche Hochzeit mit dem Prinzen Friedrich Wilhelm zu Solms-Braunfels gel├╝ftet. Wer mehr wissen will, muss das Buch lesen - es lohnt sich. Ein gelungenes Projekt, eine spannende und unterhaltsame Lekt├╝re, f├╝r KennerInnen und Neulinge des Luisenstoffs, das auch noch einige sonst vernachl├Ąssigte Details zu Luise zu bieten hat.

Piper Verlag, erschienen Oktober 2009
Broschiert, 384 Seiten
ISBN-13: 978-3492257244
19,90 Euro


Bettina Hennig - Luise. K├Ânigin aus Liebe



Zu guter Letzt folgt noch ein richtiger Schm├Âker. Autorin Bettina Hennig ist selbst eine entfernte Verwandte von Luise und beruft sich in ihrem Roman vor allem auf die Briefe Luises. "K├Ânigin aus Liebe" ist gleichzeitig ihr Romandeb├╝t.

Ein Familienstammbaum darf nat├╝rlich zu Anfang der Geschichte nicht fehlen. Der erste Satz ist in starkem Darmst├Ądter Dialekt eingef├Ąrbt und beamt uns direkt ins Jahr 1793, wo die Gro├čmutter gerade dabei ist, den beiden ungest├╝men M├Ądels ordentlich die Leviten zu lesen. Strenge und Herzensg├╝te sind der Tenor des Romans, der in Luises Erziehung wohl auch wirklich dominiert hat. Historische Fakten werden, wie es sich f├╝r einen Roman geh├Ârt, ordentlich ausgeschm├╝ckt. Die finanzielle Situation von Luises Vater, die es nicht erlaubte, dass die Prinzessinnen an jedem Ball in Berlin teilnahmen, wird anschaulich geschildert. Der gr├Â├čte Teil des Romans spielt auf den Gesellschaften und B├Ąllen in den Jugendjahren der K├Ânigin. Dazwischen befinden sich Zitate aus Briefen an ihren Bruder Georg oder ihre Schwestern, in denen Luise Klatsch und Tratsch am Hofe erz├Ąhlt oder ihrem Gatten Friedrich Wilhelm III ihre Gef├╝hle offenbart.

Hennig zeichnet ein lebhaftes Bild der K├Ânigin und ihrer Begleiter am Hofe, wobei die Empfindungen der AkteurInnen f├╝reinander im Vordergrund bleiben. Luise und Friederike h├Ątten dieses Buch sicher gerne verschlungen, denn dicke Ritterromane geh├Ârten damals zu ihrer Lieblingslekt├╝re.

Goldmann Verlag, erschienen November 2009
Broschiert, 703 Seiten
ISBN-13: 978-3442464067
9,95 Euro

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Die verschiedenen Erscheinungen der K├Ânigin Luise Der AVIVA-Steckbrief zu Miss Preu├čen 2010

K├Ânigin Luise - Miss Preussen 2010 Die Ausstellungen zu K├Ânigin Luise 2010

Weitere Veranstaltungen rund um Luise finden Sie auf den Seiten der Stiftung Preu├čischer Schl├Âsser unter: www.spsg.de

Literatur Beitrag vom 06.05.2010 Undine Zimmer 





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