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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 26.07.2010

Ilse Eliza Zellermayer - Prinzessinnensuite. Mein Jahrhundert im Hotel
Miriam Hutter

Ein Jahrhundert im bekannten Berliner Hotel am Steinplatz: das verspricht eine am├╝sante Lekt├╝re zu werden. Doch weit gefehlt, statt Unterhaltsamkeit, liefert dieses B├╝chlein nur g├Ąhnende Langeweile.



Die 90-j├Ąhrige, in Berlin geborene Opernmanagerin, legt mit "Prinzessinnensuite" nun ihr zweites Buch vor. Wie in "Drei Ten├Âre und ein Sopran" erz├Ąhlt Zellermayer aus ihrem Leben, in dem sie mit zahllosen Gr├Â├čen der k├╝nstlerischen Welt zusammengetroffen ist.

Ilse Zellermayer ist in dem ber├╝hmten Hotel am Steinplatz aufgewachsen, das, 1906/07 von August Endell erbaut, heute einer der wenigen erhaltenen Jugendstilbauten in Berlin ist. 1916 hatte Max Zellermayer, der Vater von Ilse, das Geb├Ąude von einem Kaiserlichen Offizierskasino zu einem Hotel umgebaut, das nach und nach eine immer illustrere Klientel anzog. Vladimir Nabokov, Yehudi Menuhin, Liselotte Pulver, Romy Schneider und Heinrich B├Âll geh├Ârten zu den Stammg├Ąsten dieses Hauses.
Grund genug also, zur Feder zu greifen und ein wenig aus dem N├Ąhk├Ąstchen zu plaudern, hat sich Ilse Zellermayer da wohl gedacht.
Doch was sie hier zu Papier gebracht hat entspricht weniger einer lebendigen Schilderung ihrer Erlebnisse im Hotel Steinplatz, als einem blo├čen name-dropping. Den ber├╝hmten Namen werden dabei einige h├╝bsche Adjektive vorangestellt, wie "gutaussehend", "wundersch├Ân", "beste/r ... weltweit", "intelligent", "beliebte"... Ein Universum von bildsch├Ânen Frauen und gro├čen, gutaussehenden M├Ąnnern, in dem aber leider nur sehr wenig (Aufregendes) geschieht, entsteht so vor dem inneren Auge der Leserin. Die Schilderung der Begegnungen bleibt dabei merkw├╝rdig blass. Auf die mit sich wiederholenden Adjektiven ausgestatteten Namen folgen kleine Anekd├Âtchen, die sich gerne auch mal nur darauf reduzieren, von einem Gast zu berichten, der keinen L├Ąrm machte, oder darauf, dass die Drehbuchautorin Thea von Harbou immer im Bett schrieb.

"Einige tragische, anekdotische oder anr├╝hrende, in jedem Fall sehr pers├Ânliche Episoden m├Âchte ich gern wiedergeben," schreibt Zellermayer selbst. Doch fehlt es diesen Episoden gerade an Einf├╝hlsamkeit, Anteilnahme und W├Ąrme. Es ist, als kenne sie die Geschichten allesamt auch nur vom H├Ârensagen und die Menschen nur vom Sehen.

So ├Ąndert sich auch der Erz├Ąhlton nicht, ob es nun um traurige und sogenannte "am├╝sante" Geschichten geht. Das Schicksal des j├╝dischen Vaters, der nach seiner Vorladung bei der Gestapo an einem Gehirnschlag starb, der Tod ihres ersten Kindes: seltsam unpers├Ânlich f├╝gen sich diese traumatischen Ereignisse in die Klatschgeschichten ein.
Weder Autobiographie, noch ein wirkliches Zeitzeuginnenendokument ist "Prinzessinnensuite", vielmehr eine Aneinanderreihung von pers├Ânlichen Geschichtchen, denen "der Biss" fehlt, zu belanglos und brav ger├Ąt ihre Wiedergabe.

Die Autorin, die zwei Weltkriege und die Teilung und Wiedervereinigung Deutschlands miterlebt hat, h├Ątte sicherlich so viel mehr zu erz├Ąhlen gehabt. Nat├╝rlich geht es in der "Prinzessinnensuite" auch um das glamour├Âse Berlin der Weimarer Republik, das - f├╝r immer verloren - nur in Erz├Ąhlungen noch lebendig werden kann. Wenngleich an manchen Stellen ein klein wenig wirklich erlebte Zeitgeschichte hindurchzublitzen vermag, gelingt es Zellermayer dennoch nicht, diese wirklich anschaulich zu machen.
So misslingt der Autorin mit ihrem Buch beides: eine spannende Lebensgeschichte, die durch ihren Hotelhintergrund mit zahllosen Schicksalen in Ber├╝hrung kam zu erz├Ąhlen, und eine kritische Reflektion ├╝ber das Jahrhundert, in dem sie gelebt hat.

AVIVA-Fazit: Eine belanglose kleine Plauderei, so lie├če sich "Prinzessinnensuite" zusammenfassen. Zwar ist die Geschichte von Ilse Zellermayer keineswegs uninteressant, doch gelingt es ihr nicht, diese auf spannende Weise wiederzugeben. Statt Emotionen finden sich jede Menge Superlative, welche die Beschreibungen seltsam unpers├Ânlich aussehen lassen. An das 1929 erschienene "Menschen im Hotel" von Vicki Baum kann "Prinzessinnensuite" nicht heranreichen.

Zur Autorin: Ilse Eliza Zellermayer 1920 in Berlin geboren, f├╝hrte nach ihrer Ausbildung in klassischem Gesang eine renommierte Opernagentur, die Weltstars wie Luciano Pavarotti, Mirella Freni, Anna Moffo und Franco Corelli vertrat. Sie lebt am Gro├č Glienicker See bei Berlin. (Quelle: Verlagsinformation)


Ilse Eliza Zellermayer
Prinzessinnensuite: Mein Jahrhundert im Hotel

Aufbau Verlag, erschienen Juni 2010
Gebunden, 224 Seiten
19,90 Euro
ISBN: 978-3351027209

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Literatur Beitrag vom 26.07.2010 AVIVA-Redaktion 





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