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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 06.10.2010

Ayaan Hirsi Ali - Ich bin eine Nomadin. Mein Leben f├╝r die Freiheit der Frauen
Christina Boge

2010 scheint DAS Jahr der Integrationsdebatte zu werden. Auch Ayaan Hirsi Ali, Fl├╝chtling, Politikerin und Feministin, leistet mit ihrem neuen Buch einen unverzichtbaren Beitrag zur Diskussion ├╝ber...



... den Islam im Allgemeinen und muslimische MigrantInnen im Besonderen.

In "Ich bin eine Nomadin" beobachtet die wohl bekannteste Islamkritikerin der Welt das Leben muslimisch gl├Ąubiger Einwanderer und bewertet islamische Lebensformen von Westeuropa bis Nordamerika.

Ihr Fazit ist von Anfang an klar: Der Islam sei eine genuin "gest├Ârte" und frauenverachtende Kultur, die es MuslimInnen ├╝berall im Okzident kaum m├Âglich mache, sich erfolgreich in die Gesellschaft zu integrieren. Als Beweis daf├╝r beschw├Ârt die somalische Autorin ihre bittere Kindheit und Jugend hervor, welche von Gewalt, Angst und zerst├Ârerischem Traditionalismus im Namen des Islam gepr├Ągt war. Der Gro├čteil dieses autobiographischen Teils, der fast die H├Ąlfte des Buches ausmacht, ist allerdings bereits aus ihren vorherigen Werken bekannt. Auch wiederholt Ali innerhalb des Buches einzelne Feststellungen und Gedanken mehrmals, was die Leserin zuweilen irritieren mag.

Daf├╝r bietet die Autorin ungekannte Einblicke in den Islam innerhalb der amerikanischen Gesellschaft, in welcher sie zurzeit lebt. So stellt sie etwa fest, dass Muslime in den USA zwar besser integriert seien als in Europa, aber auch eher zu gef├Ąhrlichem Radikalismus neigten. Alis Buch gr├╝ndet aber nicht nur auf blo├čen Alltagsbeobachtungen, sondern erkl├Ąrt auch explizit und nachvollziehbar, wie genau jugendliche Moslems radikalisiert werden.

Dabei beklagt sie, dass Religionsradikalismus im Westen einfach nicht erkannt werden will ÔÇô wie so viele andere Probleme, die ihrer Meinung nach dem Islam geschuldet sind. Im Vordergrund steht f├╝r sie die Unterdr├╝ckung der Frau. Neben schon oft problematisierten Inhalten wie Ehrenmord, Beschneidung, Zwangsheirat oder generelle sexuelle Verf├╝gbarkeit thematisiert Ali aber auch die Bedeutung der Verantwortung des Einzelnen, den Umgang mit Geld und das Gewaltpotenzial in der islamischen Gesellschaft.

So behauptet sie etwa, muslimische MigrantInnen w├Ąren einzig ihrer Blutslinie gegen├╝ber loyal. Das westliche Modell der modernen Staatsb├╝rgerschaft mit individueller Verantwortung und Verantwortung gegen├╝ber dem Staat sei nicht mit dem Prinzip der Unterwerfung, wie es im Islam verankert ist, vereinbar. Daher f├╝hre die Alimentierung muslimischer MigrantInnen durch Sozialhilfe und gut gemeinte Kredithilfen allzu oft nur zu deren Verschuldung und Geldtransfers in die Ursprungsheimat. Folglich sei das Streben von MultikulturalistInnen nach Bewahrung der ImmigrantInnenkulturen von "Farbigen" eine "Garantie f├╝r soziales Scheitern".

Ein weiterer Vorwurf der Autorin an westliche B├╝rgerInnen und PolitikerInnen: Die fundamentale Gewaltt├Ątigkeit des Islam w├╝rde verkannt, schlie├člich mache das Prinzip der Unterwerfung die Menschen naturgem├Ą├č hoch anf├Ąllig f├╝r repressiven Totalitarismus. Selbst so genannte "gem├Ą├čigte" Gl├Ąubige n├Ąhmen die Heilige Schrift als nicht hinterfragbar wahr ÔÇô eine Alis Meinung nach gro├če Gefahr und Hindernis f├╝r die Etablierung einer moderneren, freieren Lebensform im Islam.

Ali f├╝hrt dabei nicht nur die Fehler des Islam als Integrationshindernisse vor Augen, sondern sie hat sich auch eine Menge Gedanken zu L├Âsungsm├Âglichkeiten gemacht. Ihr Ziel ist das "├ľffnen des muslimischen Denkens" mithilfe einer genauen Textanalyse des Korans, welcher bisher zu unkritisch als Regelwerk des Lebens akzeptiert werde. Mit Werten der westlichen Aufkl├Ąrung will Ali eine Aufkl├Ąrungskampagne erm├Âglichen, die eine wissenschaftliche Herangehensweise und individuelle ├ťberpr├╝fung der Religion erlaubt. So k├Ânne man Gewaltpraktiken an Frauen und Radikalismus eliminieren. Daf├╝r aber, so die Autorin, m├╝sse der Westen endlich anfangen, Kritik an der Religion ÔÇô und mittlerweile Kultur ÔÇô Islam zu ├╝ben: "Wir m├╝ssen den relativistischen ┬┤Respekt┬┤ f├╝r nichtwestliche Religionen und Kulturen aufgeben, wenn Respekt nur ein Euphemismus f├╝r Beschwichtigung ist. Aber wir d├╝rfen nicht bei der Kritik stehen bleiben. Wir m├╝ssen dringend eine alternative Botschaft anbieten, die dem Gebot der Unterwerfung ├╝berlegen ist."

Ayaan Hirsi Ali sieht den Islam an sich als grundlegendes Problem. Zwar interpretierten ihr zufolge die Menschen gewaltt├Ątige Passagen aus dem Koran um. Alis Meinung nach aber reicht dies nicht. Es m├╝sse damit begonnen werden, das Glaubensbuch und die Aussagen darin kritisch zu hinterfragen. Dass die Autorin betont, es gebe keinen gem├Ą├čigten Islam, aber daf├╝r pl├Ądiert, ist nicht unbedingt ein Widerspruch. Denn mit ihrem Buch versucht sie, Vorschl├Ąge f├╝r die Etablierung eines solchen zu liefern. Was sie will, ist nicht eine andere Auslegung, sondern eine "Reform der Religion" durch den Geist und die Wissenschaft.

AVIVA-Tipp: Verachtet, verfolgt, versto├čen: Ayaan Hirsi Alis biographischer Hintergrund, der in diesem Buch ausf├╝hrlich beschrieben wird, ist vor allem f├╝r LeserInnen interessant, die ihre vorherigen Werke noch nicht kennen. Informativ und ├╝berzeugend ist dieses Buch aber auch f├╝r alle anderen, die nicht nur die derzeitige Diskussion ├╝ber den Islam verfolgen wollen, sondern nach echten L├Âsungsans├Ątzen f├╝r Integrationsprobleme suchen. KritikerInnen werfen Ali immer wieder vor, zu generalisieren und zu einem gef├Ąhrlichen "Wettstreit der Religionen" anzuheizen. "Ich bin eine Nomadin" kommt dennoch nicht nur mit plakativen Thesen daher, sondern ist ein instruktives Pl├Ądoyer f├╝r die Vereinbarkeit von Glauben, Vernunft und Menschenrechten.

Zur Autorin: Ayaan Hirsi Ali wurde 1969 in Somalia geboren und floh 1992 in die Niederlande, um vor einer arrangierten Heirat zu fliehen. Seitdem sie als Autorin und Abgeordnete des niederl├Ąndischen Parlaments f├╝r die Freiheit muslimischer Frauen k├Ąmpft, erh├Ąlt sie Todesdrohungen islamischer Fundamentalisten aus allen Teilen der Welt. Inzwischen ist die "meistgef├Ąhrdete Person der Niederlande" in die USA emigriert, wo sie f├╝r einen Think Tank t├Ątig ist.

Ayaan Hirsi Ali
Ich bin eine Nomadin. Mein Leben f├╝r die Freiheit der Frauen

Piper, erschienen April 2010
Gebunden, 345 Seiten
ISBN 978-3492053754
19,95 Euro

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

"Deutsche Musliminnnen klagen an"

"Frauenrechtlerin wird geehrt"

"Der Multikulti-Irrtum" von Seyran Ates


Literatur Beitrag vom 06.10.2010 AVIVA-Redaktion 





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